Kinderzimmer

50er

Michael Feitel ist ein typisches Kind der 1950er-Jahre. Eines, das in der Nachkriegszeit geboren und in den Wirtschaftswunderjahren groß wurde. Als er 1955 zur Welt kam, war die Wohnungsnot im zerstörten Berlin groß.

Die Eltern wohnten bei den Großeltern, „zwei Zimmer im ausgebauten Dachboden“, erinnert sich der heute 59-Jährige. Für ein Kinderzimmer war kein Platz.

In den Jahren danach ging es wirtschaftlich bergauf, auch für Tischlermeister Feitel und seine Frau: 1961 zogen sie in eine eigene Wohnung – mit einem Zimmer für den Sohn. Zwölf Quadratmeter, „das war wahrscheinlich für zwei Kinder geplant“, sagt er. Bett, Schrank, Stuhl und ein Tisch, den sein Vater selbst gebaut hatte, „mit Resopal-Platte“, wie es schick war in den 50ern. Groß war die Wohnung nicht, ein Wohn- und ein Schlafzimmer gehörten noch dazu, Küche und Bad, das war es, aber das reichte der Familie auch völlig: „Ich hatte eine glückliche Kindheit“, sagt Michael Feitel.

Wenn er mittags aus der Schule nach Hause kam, saß er meist bei seiner Mutter. Sie kochte, er machte am Küchentisch seine Hausaufgaben. Danach warteten schon die Nachbarskinder. „Wir haben immer draußen gespielt“, erzählt er, „zu der Zeit gab es ja noch die Trümmergrundstücke, das waren beliebte Spielplätze. Niemand dachte daran, dass das gefährlich sein könnte.“ Abends traf sich die ganze Familie im Wohnzimmer, um „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen oder Radio zu hören. „Einen Fernseher hatten wir noch nicht“.

Dennoch weckt der Fernseher im Café Sorgenfrei, in dem Michael Feitel für diese Geschichte fotografiert wird, Erinnerungen: „So einen hatte meine Oma“, sagt er begeistert. Auch sonst fühlt er sich in dem Schöneberger Café, das auch Möbel, Lampen und Küchengegenstände aus den 1950er und 1960er-Jahren verkauft, in seine Kindheit versetzt. Ob sie tatsächlich ein solches Philetta-Radio hatten wie es hier auf dem Fernseher steht, weiß er nicht mehr, „aber es war auf alle Fälle ganz ähnlich“. Sogar die Pflanzen auf den Nierentischen sehen aus wie die Topfblumen seiner Kindheit. Schöne Jahren seien es gewesen, sagt er, „auch wenn wir finanziell keine großen Sprünge machen konnten. Das war eben einfach so“.

Café Sorgenfrei, Goltzstraße 18, Schöneberg, Di. bis Fr. 12 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 18 Uhr, So. 13 bis 18 Uhr geöffnet