Tierfreund

Steigert Musik bei Kühen wirklich die Milchproduktion?

Dr. Mario Ludwig über Kuh-Studien, die beruhigende Wirkung von Mozart und Beethoven und weiße Haie, die auf AC/DC stehen

Geben Kühe wirklich mehr Milch, wenn man sie klassische Musik hören lässt?

Maria Böttner, per E-Mail

An dieser Behauptung ist durchaus was dran. Tatsächlich konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass Kühe mehr Milch geben, wenn man ihnen über eine gewisse Dauer klassische Musik vorspielt.

Mediziner wissen schon lange: Klassische Musik tut Menschen gut. Sie reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen, die Muskeln entspannen sich und auch die Atmung und der Herzschlag beruhigen sich. Ähnliches gilt offensichtlich auch für Kühe, die man in ihrem Stall mit Mozart, Beethoven oder Chopin beschallt. Allerdings muss man nicht unbedingt klassische Musik einsetzen, um den Milchertrag zu steigern. Es sollte jedoch langsame Musik sein. Auch das ist wissenschaftlich erwiesen. Psychologen der Universität von Leicester haben vor einigen Jahren über Kühe, Musik und Milchgeben eine groß angelegte Studie mit über 1000 Kühen durchgeführt. Den Tieren wurde neun Wochen lang jeweils zwölf Stunden täglich schnelle beziehungsweise langsame Musik der unterschiedlichsten Stilrichtungen vorgespielt. Das Ergebnis dieser Studie war eindeutig: Kühe, die mit langsamer Musik (unter 100 Beats pro Minute) beschallt wurden, produzierten immerhin drei Prozent mehr Milch als an Tagen, an denen sie keine Musik zu hören bekamen. Bei schneller Musik (über 120 Beats pro Minute) war die Milchausbeute dagegen deutlich geringer.

Die englischen Wissenschaftler konnten sogar feststellen, dass Kühe so etwas wie eine Lieblingsmusik haben. Sprich: Musik, bei der sie besonders viel Milch gaben. Ganz oben in der tierischen Hitparade standen neben Klassik (Beethovens Symphonie Nr. 6), auch Simon & Garfunkels „Bridge over troubled Water“ und „A Perfect Day“ von Lou Reed. Schnelle Musik, etwa von den Beatles oder von der britischen Rockband Wonderstuff („Size of a cow“), erwies sich dagegen in Sachen Milchproduktion als eher kontraproduktiv. Auch deutsche Untersuchungen zeigen, dass Kühe eher auf Mozart als auf Rockmusik oder Volksmusik stehen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse machen sich immer mehr Landwirte zu Nutze und beschallen ihre Kuhställe. Das Ergebnis – ein bis sechs Liter mehr Milch pro Kuh und Tag – geben ihnen recht.

Auch andere Tiere, allen voran Hunde und Katzen, stehen klar auf Klassik. Gerade Katzen, die im Experiment mit Klassik beschallt wurden, zeigten – im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die keine Musik auf die Ohren bekam – eine Beruhigung des Herzschlages und der Atmung. Auch der Hang zur Aggressivität untereinander nahm deutlich ab. Eine Beschallung mit Heavy Metall dagegen reizt sowohl Hunde als auch Katzen. Die Tiere wirkten nervös, liefen unruhig hin und her und zeigen einen Hang zu vermehrter Aggressivität. Den erwiesenen positiven Effekt nutzen auch immer mehr Tierärzte, indem sie in ihrem Behandlungszimmer Mozart oder Chopin vom Band ertönen lassen. Das beruhigt die Tiere, was wiederum eine Untersuchung des tierischen Patienten ganz erheblich erleichtert.

Aber es gibt durchaus auch Tiere, die mit klassischer Musik gar nichts anfangen können, sondern auf Hardrock stehen. Allerdings handelt es sich dabei ausgerechnet um Tiere, die zu den gefährlichsten der Welt zählen: Weiße Haie. Als australische Forscher Weißen Haien unter Wasser verschiedene Musikstücke vorspielten, ereignete sich etwas völlig Unerwartetes: Die riesigen Raubfische wurden ausgerechnet dann deutlich ruhiger und verloren an Aggressivität, wenn man ihnen Musik der australischen Kultband AC/DC vorspielte. Besonders beliebt bei den Hardrockfans mit Flossen waren die Stücke „You Shook Me All Night Long“ und „Back in Black“. Das ging sogar soweit, dass die Haie ihre Schnauzen verzückt an den Unterwasserlautsprechern rieben, sobald AC/DC durch den Ozean schallte.

Und last but not least gibt es auch Tiere, die überhaupt nicht auf Musik reagieren. Hühner zum Beispiel lässt Musik jeglicher Art offensichtlich völlig kalt.

Dr. Mario Ludwig ist Biologe und einer der bekanntesten Tierbuchautoren Deutschlands. Er schreibt an dieser Stelle über Phänomene in der Tierwelt. Wenn Sie eine Frage an unseren Kolumnisten haben, schreiben Sie eine E-Mail an familie@morgenpost.de .