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Die erstaunliche Rettung der blauen Handtasche

Wie eine Berlinerin in Hohenschönhausen einer Touristin aus Süd-Baden half

Einen Moment unachtsam - und schon war es passiert: Regine Wiesner war mit ihrem Mann zu einem Besuch von Basel nach Berlin gereist und am Hauptbahnhof in die S-Bahn gestiegen, um ins Hotel weiterzufahren. Nach dem Aussteigen stellte sie entsetzt fest: ihre Handtasche war in der S-Bahn geblieben - mit Ausweis, Führerschein und Bankkarten. Was nun? Erst einmal ins Hotel an der Landsberger Allee, wo man der völlig aufgelösten Frau ein Glas Wasser reichte, die Karten sperren ließ und die Polizei verständigte. Noch während die Berlin-Besucherin weinend in der Lobby sitzt, klingelt an der Rezeption das Telefon: ein Anruf für Regine Wiesner. Am anderen Ende der Leitung: Sabine Becker, Angestellte einer Theaterkasse im Lindenhof-Center in Hohenschönhausen. Sie hatte die blaue Handtasche in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit an sich genommen und lässt ausrichten, dass sie dort bis 20 Uhr abgeholt werden könne. „Es war schon spät, wir sind sofort ins Taxi gesprungen, doch der Taxifahrer ist erst zum falschen Einkausfcenter gefahren. Dort gab es gar keine Theaterkasse. Er hat sich entschuldigt, das Taxameter wieder auf null gestellt und ist dann ganz schnell zur richtigen Adresse gefahren. Mit klopfendem Herzen sind wir zu dritt zur Theaterkasse gerannt“, erzählt Regine Wiesner. Dort saß mit strahlendem Lächeln Sabine Becker und rief: „Ich habe Sie in der S-Bahn gesehen. Sie hatten einen blauen Koffer und eine blaue Handtasche, die haben sie auf dem Sitz liegengelassen, ich wollte noch hinterher springen, aber der Zug fuhr schon weiter!“

Doch wie hatte Sabine Becker die Touristin ausfindig machen können? „Berliner sind eben pfiffig“, meint Regine Wiesner. „Sie hat mein Portemonnaie geöffnet, fand darin eine Terminkarte für einen Friseur. Da das Friseurgeschäft den gleichen Namen hat wie das Geschäft vis-a-vis des Einkaufscenters, rief sie dort an - und war sehr erstaunt, dass sie in Süd-Baden landete.“ Doch im dortigen Salon kannte man Frau Wiesner als gute Kundin und gab der hilfsbereiten Berlinerin die Telefonnummer ihres Geschäfts, wo sie deren Tochter erreichte. „Meine Tochter gab ihr die Telefonnummer von unserem Hotel, in dem sie dann anrief - und mir ein Stein vom Herzen fiel“, erzählt die Berlin-Besucherin. Sabine Becker freut sich, dass sie helfen konnte: „Ist doch schön, wenn Berlin mal positiv dasteht“, meint sie. Das findet Regine Wiesner auch und hat deshalb ihre Geschichte der Berliner Morgenpost erzählt: „Damit es nicht immer heißt: Berliner sind so unfreundlich...“