Tierfreund

Warum gibt es kein Katzenfutter mit Mäusegeschmack?

Dr. Mario Ludwig über Fleisch in der Dose, den Jagd- und Spieltrieb unserer Miezen und ihre großen Fähigkeiten zur Manipulation

Wir lernen ja schon im Kindergarten: Katzen fressen für ihr Leben gerne Mäuse. Aber wenn wir uns in der Tierfutterabteilung umschauen, finden wir Katzenfutter auf Hühner-, Puten-, Thunfisch-, Rind- und Kälberbasis, aber Katzenfutter mit Mäusegeschmack suchen wir dort vergebens. Warum?

Des Rätsels Lösung ist relativ einfach: Es gibt nicht „Maus in der Dose“, weil die Katzenfutterhersteller nur Schlachtabfälle und Fleisch von Tieren verarbeiten, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Mäuse aber müssten extra für diesen Zweck gezüchtet und dann geschlachtet werden, und das ist in fast allen europäischen Ländern per Gesetz verboten. Außerdem würde sich so eine Mäusezucht zur Herstellung von Katzenfutter auch wirtschaftlich überhaupt nicht lohnen. Um als ökonomisch einigermaßen sinnvoll verwertbares „Schlachtvieh“ zu dienen, sind Mäuse nämlich viel zu klein. Das ist der Grund, warum sich unsere Stubentiger entweder selbst auf die Mäusejagd begeben oder sich eben mit Rind- , Hühner- oder Fischfleisch aus der Dose zufrieden geben müssen.

Einige Wissenschaftler sind sich aber auch ziemlich sicher, dass Katzen Mäuse vor allem deshalb lieben, weil sie ihren Jagd- und Spieltrieb wecken und nicht etwa, weil eine Maus für eine Katze, kulinarisch gesehen, das non plus Ultra darstellt. Deshalb wären unsere Miezen – so die Meinung der Forscher, auf „Maus aus der Dose“ auch gar nichtsonderlich scharf.

Apropos Dose: Vor kurzem haben englische Wissenschaftler herausgefunden, mit welcher Raffinesse Katzen vorgehen, wenn es darum geht, ihre menschlichen „Dosenöffner“ davon zu überzeugen, dass es jetzt höchste Zeit für eine kräftige Mahlzeit ist. Katzen sind Meister der Manipulation. Es gibt nicht umsonst den Spruch: „Hunde haben Herrchen und Frauchen, Katzen dagegen vorzüglich ausgebildetes Personal“.Katzen bauen in ihr „Schnurren“, das wir Menschen als so angenehm empfinden, ganz gezielt bestimmte Klagelaute ein, mit denen sie die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie ordentlich Hunger haben.Diesen Klagelauten können Menschen offensichtlich nur schwer widerstehen. Die englischen Wissenschaftler vermuten, dass die Manipulation auch deshalb so gut funktioniert, weil sich die Klagelaute in einer Frequenz befinden, in der auch die Heulschreie von kleinen Kindern liegen. Und wer könnte schon so hartherzig sein und das Geschrei eines hungrigen Babys ignorieren? Aber unsere Samtpfoten sind sogar noch geschickter in Sachen Manipulation: Katzen können ihre Klagelaute ganz gezielt und individuell an ihre Besitzer anpassen, wenn sie erst einmal herausbekommen haben, dass sie mit einem bestimmten Laut bei Herrchen oder Frauchen zum Erfolg bzw. zum Futternapf kommen.

Bleibt noch die Frage, warum Katzen ihre vermeintliche Lieblingsnahrung Maus oft ihren Besitzern mitbringen. Das ist eine Frage, die unter Katzenfreunden heftig diskutiert wird. Einige Katzenliebhaber glauben fest daran, dass sich die Katzen mit den Mäusen bei ihren Herrchen und Frauchen für die gute Pflege, das leckere Essen und die vielen Streicheleinheiten bedanken wollen. Das ist natürlich Unsinn. Katzenbesitzer wissen: Dankbarkeit gehört nicht gerade zu den Vorzügen einer Katze. Der berühmte englische Verhaltensforscher Desmond Morris hat da eine etwas einleuchtendere Theorie aufgestellt. Morris glaubt, dass Katzen gemerkt haben, dass ihre Besitzer hundsmiserable Mäusefänger sind. Weil aber Herrchen und Frauchen quasi zur Familie gehören, werden sie eben „mitversorgt“. Auch wenn die Besitzer diese Fürsorge oft nicht richtig zu schätzen wissen. Meine Frau kann sich zum Beispiel einfach nicht über eine tote Maus auf ihrem Kopfkissen freuen.

Dr. Mario Ludwig ist Biologe und einer der bekanntesten Tierbuchautoren Deutschlands. Er schreibt ab sofort an dieser Stelle über außergewöhnliche und merkwürdige Phänomene in der Tierwelt. Wenn Sie oder Ihr Kind eine Frage an unseren Kolumnisten haben, schreiben Sie eine E-Mail an familie@morgenpost.de . Rechtsexperte Dr. Max Braeuer beantwortet künftig auf der Ratgeberseite Ihre Fragen.