Berliner helfen

Musik zum Anfassen

Der Verein Berliner helfen unterstützt das Klingende Museum. Im Wedding können Kinder Instrumente ausprobieren

Valentina ist neun Jahre alt und Musikfan, allerdings schwärmt sie nicht für Popstars, sondern für die Sopranistin Annette Dasch und den Heldentenor Klaus Florian Vogt. Auf ihrem T-Shirt steht „Lohengrin“ Valentina spielt Horn, möchte jetzt aber mal die E-Gitarre ausprobieren. Kein Problem im Klingenden Museum in Wedding, einem gemeinnützigen Verein, der Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, klassische Instrumente zu entdecken. Und im Gegensatz zu einem normalen Museum funktioniert das Klingende nach dem Motto: Anfassen, Reinblasen und Draufhauen - aber unter professioneller Anleitung.

Wie viel Luft muss ich in eine Tuba blasen? Wie klingt ein Saxophon? Wie bringe ich eine Geige zum klingen? Und welche Geräusche kann ich einem Gartenschlauch entlocken? Die Antworten darauf entdecken die Kinder mit ausgebildeten Musikpädagogen - und lernen dabei spielerisch, wie Musik funktioniert. Und sie erleben, wie viel Spaß es macht, Musik selbst zu machen. „Man braucht schon Geduld - und gute Nerven“, sagt Sahrin Reza lachend, während die Trommelgruppe lautstark eine Interpretation von „Alle meine Entchen“ einübt. Allerdings ist es sofort still, wenn die 38-jährige um Ruhe bittet. Seit drei Jahren leitet Sahrin Reza, die als Jazzsängerin in Clubs auftritt, im Klingenden Museum Workshops für Schulklassen und Kitas, die wochentags ins Klingende Museum nach Wedding kommen. Das Angebot umfasst alle Altersgruppen, die Kleinen machen erste Erfahrungen mit Rhythmus, Sing- und Klatschspielen, die Größeren erkunden die Saiten-, Blas-, Blech und Schlaginstrumente. Valentinas Mutter, Annemarie Vogt, ist von dem Angebot begeistert: „Blasinstrumente wie Oboe oder Klarinette gibt es doch im Musikunterricht gar nicht mehr. Schon allein wegen der Angst mit den Mundstücken“, meint sie. Im Klingenden Museum achten die Musikpädagogen streng auf die Hygiene, die Mundstücke werden beim jedem Wechsel gereinigt.

Berliner helfen e.V. unterstützt das Klingende Museum mit einer Spende aus der Erbschaft Gert Reinholm (1923 - 2005). Es war der Wunsch des langjährigen Ballettdirektors der Deutschen Oper, mit seinem Nachlass Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Welt des klassischen Tanzes und der Musik zu öffnen. Das Klingende Museum konnte auch mithilfe dieser Spende in neue helle Räume in die Behmstraße gegenüber den Gesundbrunnen Center ziehen. Zu den Spendern und Förderern gehören auch die Lichtburg Stiftung, die Deutsche Oper Berlin und der Lions Club Wannsee. An jedem ersten Sonnabend im Monat ist Open House, dann können kleine und große Kinder ohne Voranmeldung und unter fachkundiger Anleitung nach Herzenslust Musikinstrumente kennenlernen und ausprobieren.

Zu dem Museum gehört das Klingende Mobil, gefüllt mit Instrumenten, dass nach Terminvereinbarung Schulen und Kitas ansteuert. „So haben auch Kinder mit Handicaps oder besonderem Förderbedarf die Möglichkeit, das Klingende Museum kennenzulernen“, sagt Projektleiter René Gruschinski. Im September ist das Mobil 17 Mal im Einsatz, auch auf Straßenfesten wie dem Sommerfest der Grundschule am Koppenplatz in Mitte. Beliebt ist auch die Familienkonzertreihe „Tiere, Tango und Trompeten“ in der Philharmonie. Im Anschluss an die Konzerte können die kleinen Zuhörer alle Instrumente im Foyer ausprobieren. In Kooperation mit der Humboldt-Universität gibt es einen Orgel-Workshop unter Leitung des Uni- Musikdirektors Professor Constantin Alex.

Klingendes Museum in Berlin e.V.Behmstr. 13, 13357 Berlin - GesundbrunnenAnmeldung für Workshops unter Tel. 030 39 99 35 22E-Mail: info@klingendes-museum.de www.klingendes-museum.de Open House am 6. September ab 15 UhrEintritt 2, ermäßigt 1 Euro