Berliner helfen

Hilfe, die mobil macht

Ein neues Auto für das Jugendhilfezentrum in Conradshöhe

Begeistert setzt sich Samuel ans Steuer. „Ich würde ja gern den Führerschein machen...“, sagt der 19-jährige aus Ghana, der seit 2010 in Deutschland lebt und seit einem Jahr in der Ausbildung zum Bautechniker steckt. Parallel zur Ausbildung will er das Abitur machen. Samuel gehört zu den 100 Kindern und Jugendlichen, die im Haus Conradshöhe leben - und der VW up - eine Spende der PSD-Bank Berlin, ist natürlich nicht für ihn gedacht, sondern für das Team von Erziehern und Pädagogen, die in dem Jugendhilfezentrum arbeiten. „Fünf Kollegen werden sich das Auto teilen, die Kinder zu Terminen, Therapien, Arztbesuchen und in Sportvereine fahren“, erklärt die Verwaltungsleiterin des Hauses, Anja Werner. Sie hatte sich im Rahmen der Weihnachtsaktion „Schöne Bescherung“ von Berliner helfen um das Auto beworben: „Ein Fahrzeug wäre mit unseren Mitteln nicht anzuschaffen gewesen, und wir können es so gut für die tägliche Arbeit gebrauchen.“

Das Haus Conradshöhe, von Ordensschwestern im Jahr 1906 gegründet und heute in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen, liegt ruhig und idyllisch in Reinickendorf. Das weitläufige Gelände mit herrlichem alten Baumbestand ist für Kinder ideal, stellt die Betreuer aber bei den individuellen Terminen für ihre Schützlinge immer wieder vor verkehrstechnische Herausforderungen. „Dabei wollen wir ja, das die Kinder hier so normal wie möglich aufwachsen. Dazu sind viele Außenkontakte erwünscht“, erläutert die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, Gabriele Safaey. „Die Kinder sollen sich nicht als Heimkinder fühlen.“ Deshalb werden zum Beispiel auch die Klassenkameraden nach Conradshöhe eingeladen - „damit sie sehen, dass ein Kinderheim kein kalter Ort mit Gittern vor den Fenstern ist“.

Aufgenommen werden Kinder vom Babyalter bis zur Volljährigkeit, wenn Schulen, Kitas und Jugendämter Auffälligkeiten feststellen, den Kindern Zuhause Missbrauch oder Verwahrlosung drohen oder ihre Eltern mit der Erziehung überfordert sind. Die stationäre Aufnahme ist der letzte Schritt, wenn vorherige ambulante Maßnahmen der Jugendhilfe versagt haben. Die Eltern müssen der Aufnahme zustimmen, halbjährlich werden die Entwicklung und die Fortschritte des Kindes überprüft. „Ziel ist natürlich immer die Rückführung in die Familie, weswegen wir auch versuchen, die Eltern mit einzubeziehen“, betont Gabriele Safaey. Wenn dies gelinge, sei das die beste Basis für die gesunde Entwicklung der Kinder - und der größte Erfolg für die Jugendhilfe. Die Unterbringung in einer Einrichtung wie dem Haus Conradshöhe ist die teuerste Form der Jugendhilfe, finanziert über Tagessätze durch die Bezirksämter.

Manche Kinder bleiben ein bis zwei Jahre im Haus Conradshöhe, andere fast zehn Jahre. Die Kinder und Jugendlichen leben auf dem 23.000 Quadratmeter großen Gelände mit zwei großen Gebäudekomplexen in familienähnlichen Wohngruppen mit ihren Erziehern zusammen. Es gibt in der Einrichtung einen Psychologen, der auch Gespräche mit den Eltern führt. „Viele erkennen die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht, weil sie selbst unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind oder psychische Probleme haben“, sagt Gabriele Safaey. Wichtig sei vor allem, dass die Eltern die Fortschritte ihrer Kinder nicht sabotierten und nicht das Gefühl hätten: wenn ich versagt habe, darf der Erzieher jetzt auch keinen Erfolg haben. „Erziehung ist Beziehungsarbeit, wir müssen Vertrauen aufbauen und für das Kind an einem Strang ziehen“, betont die stellvertretende Einrichtungsleitern. Der Erfolg sei oft hart erkämpft, sagt die Diplom-Pädagogin, aber wenn die Zusammenarbeit mit den Eltern gelinge, seien diese sehr dankbar, wenn die Kinder nach Hause zurückkehren können.

Einmal im Jahr gibt es ein großes Ehemaligen-Treffen im Haus Conradshöhe. Dann kommen ihre inzwischen erwachsenen ehemaligen Zöglinge oft schon mit eigenen Kindern. „Und wenn sie mir dann sagen: gut, dass Du damals so streng mit mir warst wegen der Schule, jetzt weiß ich warum, dann hat sich die Mühe doch gelohnt“, meint Gabriele Safaey.