Sprechstunde

Wie kann ich meine Halbschwester enterben?

Dr. Max Braeuer über die Frage, wie man eine gute Freundin im Testament zur Alleinerbin einsetzen kann

Sie müssen in der Tat etwas veranlassen, wenn Sie nicht wollen, dass nach Ihrem Tod die Halbschwester Ihr Vermögen bekommt. Da Sie keine weiteren nahen Verwandten haben, würde Ihre Halbschwester als sogenannte Erbin zweiter Ordnung zum Zuge kommen, falls es bei der gesetzlichen Erbfolge bleibt. Die gesetzliche Erbfolge tritt nur dann ein, wenn Sie kein Testament hinterlassen. Daraus ergibt sich schon, was Sie unternehmen sollten. Wenn Sie die Halbschwester außen vor halten wollen, müssen Sie ein Testament errichten. Darin können Sie dann zugleich zum Ausdruck bringen, dass Ihre Freundin Alleinerbin werden soll. Am besten, Sie geben in dem Testament möglichst genau den Namen und die Adresse Ihrer Freundin an. Ihre Halbschwester und deren Kinder werden dann tatsächlich nichts bekommen. Es gibt für die drei auch keine Pflichtteilsansprüche, weil sie dazu nicht nah genug mit Ihnen verwandt sind. Einen Pflichtteil erhalten nur die eigenen Kinder.

Allerdings sollten Sie auch Vorkehrungen treffen für den Fall, dass die Freundin, die Sie bedenken wollen, zum Zeitpunkt Ihres Todes selbst nicht mehr lebt. Dann ginge Ihr Testament ins Leere. Die Folge wäre, dass dann doch wieder die gesetzliche Erbfolge gilt und alles an die Halbschwester geht. Ich empfehle deshalb, dass Sie noch jemanden für diesen Fall als Ersatzerben einsetzen. Das muss keine Person, es kann auch eine Institution sein. Vielleicht gibt es eine gemeinnützige Stiftung, der sie Ihren Nachlass gerne zukommen lassen würden, wenn Ihre Freundin nicht mehr leben sollte?

Das Testament können Sie auf verschiedene Weise errichten. Sie können entweder zum Notar gehen und bei ihm ihren letzten Willen schriftlich aufnehmen lassen. Das hat den Vorteil, dass er sie unmittelbar noch etwas zu den Formulierungen und zum Beispiel zu der Ersatzerbeneinsetzung beraten kann. Das Testament ist außerdem beim Notar sehr gut verwahrt. Allerdings kostet das auch Geld. Je nach dem, wie umfangreich der Nachlass ist, kann das recht teuer werden. Deswegen würde ich Ihnen eher zu einer anderen Variante raten: Einer handschriftlichen Testamentserrichtung. Das bietet sich insbesondere bei Fällen an, die so wenig kompliziert liegen wie der Ihre. Sie schreiben ganz einfach handschriftlich auf – nicht etwas mit der Schreibmaschine oder auf dem Computer! –, dass Ihre Freundin Ihre Alleinerbin sein soll. Das unterschreiben Sie möglichst mit Vor- und Nachnamen und versehen es mit einem Datum.

Offen ist danach nur noch die Frage, wie Sie das Testament am besten aufbewahren. Handschriftliche Testamente haben den Nachteil, dass sie oft nicht gefunden werden. Das könnte insbesondere der Fall sein, wenn nach Ihrem Tod die Halbschwester als erste in Ihre Wohnung gelangt. Sollte sie dabei das Testament finden, das sie von der Erbfolge ausschließt, ist für sie die Versuchung natürlich groß, das verschwinden zu lassen. Sie können das Testament deswegen sicherheitshalber auch bei Ihrer Freundin deponieren. Sie wird sicherlich gut darauf aufpassen. Vielleicht wollen Sie aber nicht, dass Ihre Freundin schon zu Lebzeiten weiß, dass sie Alleinerbin wird? In dem Fall könnten sie stattdessen das Testament gegen eine geringe Gebühr bei einem Amtsgericht Ihrer Wahl in besondere amtliche Verwahrung zu geben. Das wird dann in einem zentralen Verzeichnis aller Amtsgerichte erfasst. Dadurch würde sichergestellt, dass dem Testament nichts zustößt und dass es nach Ihrem Tod gefunden und berücksichtigt wird.

Wenn Sie später Ihren Willen noch einmal ändern sollten und doch noch eine andere Erbeinsetzung machen wollen, müssen Sie nichts weiter tun, als ein weiteres Testament zu schreiben. Von Ihren Testamenten gilt automatisch nur das mit dem aktuellsten Datum.

Haben auch Sie eine Frage zum Familien- oder Erbrecht? Dann schreiben Sie an familie@morgenpost.de oder Berliner Morgenpost, Redaktion Leben, Kurfürstendamm 21-22, 10874 Berlin. Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht.