Mamas & Papas

Männerurlaub im Wildwasser-Kajak

Hajo Schumacher über Gebirgsbäche und lackierte Fingernägel

Wir sind eine lernbegierige Familie. Ferien werden nicht im Liegestuhl verbracht, was mit Kindern ohnehin unmöglich ist, sondern zur heiteren Fortbildung genutzt im lebenslangen Kampf für Wohlstand und Finanzamt.

Wie jedes Jahr lässt sich die Chefin für die ersten Urlaubswochen beurlauben. Sie nennt es „Arbeit“, aber in Wirklichkeit will sie Berlin im Sommer einfach nur allein genießen. Und ich bin der Bespaßungsbeauftragte. Aber was stellt man mit drei Kerlen an, deren Interessen altersbedingt leicht auseinanderklaffen? Hans, 9, würde gern ein weiteres Legoland besuchen, Karl, 20, schlägt ein Techno-Festival in einem sachsen-anhaltinischen Maisfeld vor und ich, in den besten Jahren, neige zur Weinverkostung. Sollen wir Demokratie wagen? Lieber nicht. Der Große wird den Kleinen von den Reizen des Hippie-Campings bei Rummsbumms-Musik überzeugen und ich unterliege mit 1:2. Die kreml-erprobte Sonderregel, dass die Mehrheit stets meiner Stimme bedarf, lehnen die Söhne leider ab. Soll mein schönstes Ferienerlebnis ein Hörsturz sein?

Wir ermitteln als kleinsten Nenner: Abenteuer, draußen, Angeberfotos zum Posten bei Facebook, bezahlbar, kein Camping, geringe Studienratsdichte und - Vatis Sonderbedingung - kein WLAN. Europaweit gibt es exakt eine Ferienbeschäftigung, die all diese Kriterien erfüllt: Wildwasser-Kajak in Slowenien. Die Chefin ist begeistert: ihre Männer weit weg, Aussicht auf täglichen Frischwasserkontakt bei geringer Party-Gefahr. So wünscht sich Mutti den perfekten Männerurlaub.

Die Staus auf der Hinfahrt bieten Zeit für Kopfbilder. Während der große den kleinen Bruder mit Horrorstorys füttert, wie gekenterte Kajaklaien kopfüber zwischen Felsen stecken bleiben, träume ich von einem lebensgroßen Foto überm Schreibtisch: Der stolze Vater mit erhobenem Paddel und vorbildlicher Körperspannung im siegreichen Kampf gegen die Elemente. Der Nachwuchs wird staunen, wie der Alte mit Routine und Eleganz den Gebirgsbach rockt.

Erster Übungstag: Der Kajaklehrer weist darauf hin, dass Kinder sehr beweglich in der Hüfte seien und über einen günstigeren Schwerpunkt verfügen als Ausgewachsene. Zum Zeichen der Schande wird pro Kentern ein Fingernagel lackiert. Paah. Ich springe ins Boot, aber leider knapp daneben. Knapp 100 Meter flussabwärts hat der Trainer das Kajak schon wieder eingefangen. Das Paddel ist ans andere Ufer getrieben. Der Ausbilder droht mit Strafversetzung in die Mutter-Kind-Gruppe, meine Jungs wiehern vor Vergnügen, ohne mir beim Ausleeren des Bootes zu helfen. Nach drei Tagen Kurs sind meine Fußnägel dran, weil die Finger allesamt lackiert sind. Während die Söhne wie junge Lachse durchs wilde Wasser manövrieren, klammere ich mich vorwiegend an Felsen fest. Überm Schreibtisch wird ein Foto meiner Jungs im Kajak hängen. Immer dasselbe: Die Kinder müssen schaffen, was die Eltern nicht hinbekommen.

Kommende Woche schreibt an dieser Stelle wieder Sandra Garbers.