Patenschaft

Ihre Liebe zu Schönem verbindet sie

Catherine Deneuve, Jodie Foster, Tony Blair, Franziska van Almsick: Die Liste prominenter Gäste bei Shan Rahimkhan ist lang.

Einen Termin beim Star-Coiffeur in einem der edel ausgestatteten Salons am Gendarmenmarkt und am Kudamm bekommt nicht jeder, aber für die zehnjährige Victoria Borrmann macht er gerne Platz im Terminkalender. Shan Rahimkhan, 41, ist der Mann von Victorias Tante Claudia und gleichzeitig einer ihrer drei Taufpaten. „Mama hat gesagt, man soll einen Paten aus der Familie nehmen und zwei Freunde“, erklärt Victoria Borrmann. Für die Kommunion hat ihr Patenonkel ihr fachmännisch die Haare hoch gesteckt und einen zarten Blumenkranz aufgesetzt.

Zu den beiden anderen Paten, die in San Francisco und Hamburg leben, hat Victoria regen Kontakt, ihren Paten aus Berlin aber sieht sie häufig. „Der Shan macht viel Quatsch und ist sehr witzig“, sagt die Grundschülerin, die regelmäßig den Gottesdienst in der St. Ludwig Kirche besucht, dort ministriert, ab und zu die Glocken läuten darf und weiß, dass ihr weltgewandter Onkel „mit dem Glauben nicht so viel zu tun hat“. Da muss Shan Rahimkhan lachen: „Ja, ich bin im Iran aufgewachsen und nicht religiös erzogen worden. In unserer Familie wurde nie gebetet, wir sind nie in die Moschee gegangen.“ Trotzdem ist ihm Religion nicht fremd: „Mit 13 Jahren habe ich ein Visum für Österreich bekommen und bin zu meinem Onkel nach Wien gegangen. Als Jugendlicher habe ich dort im Kolping-Haus gelebt, einem katholischen Jugendheim mit Kapelle und Priester.“ Dort wurde dem jungen Perser nahe gelegt, ab und an den Gottesdienst zu besuchen, denn „dann hatten wir mehr Freiheiten und konnten zum Beispiel länger ausgehen“. Mit der Kirche hat Shan Rahimkhan sich immer wieder auseinander gesetzt. Er hat seine Frau in einer evangelischen Kirche geheiratet und seinen Sohn evangelisch taufen lassen. „Ich glaube an einen Gott, nur an keinen bestimmten. Ich glaube an eine Übermacht“, sagt er. Um seinem Leben eine Richtung zu geben, brauche er keine Religion, er wolle seine Werte aus sich selbst schöpfen.

Mit seinem Patenkind verbindet ihn das Künstlerische: „Victoria ist eine Romantikerin, sie liebt schöne Dinge. Alles, was ich mag, das mag sie auch.“ Im vergangenen Sommer habe Victoria mit seinem Sohn und ein paar Freunden seine Garage bemalen dürfen: „Da hat sie eine große Vase mit Blumen für mich gemalt, sie hat wirklich Talent.“ Der Geschäftsmann hat schon Pläne mit Victoria: Er kann sich vorstellen, sie einmal Haarschmuck für seine Firma entwerfen zu lassen. Und was möchte er seinem Patenkind noch mitgeben? „Ich möchte Victoria zeigen, wie man sich selbst lieben und an sich selbst glauben kann.“