Kindermode

Chic für Kids

Nicht nur während der Fashion Week ist Mode für die Berliner ein großes Thema. Schon die Kleinen kleiden sich gern schön ein

Eifrig stülpt sich Laura, 4, ein lila Strickkleid über und dreht sich vor dem Spiegel hin und her. Designerin Birgit Tappe reicht ihr Schal und Mütze im Enten-Design, das Mädchen greift danach und zieht beides begeistert über. Neben ihr probiert Mathilda, 3, Schal und Mütze in Rot-Weiß an. Sich zu verkleiden ist ihr Lieblingsspiel und Strick mag sie sowieso. Als ihr der rote Rock vom Entenlabel Vincente zu klein wurde, gab es Tränen. Die Mama musste trösten und hat einen neuen versprochen. Jetzt ist wieder alles gut: Kinderlachen erfüllt das kleine Geschäft in der Kreuzberger Dieffenbachstraße. Die Mädchen bewundern gegenseitig ihre Outfits. Und auch Mutter Katrina Lange, die mit ihren Töchtern Laura und Milla und deren Freundin Mathilda zu Vincente gekommen ist, ist zufrieden: „Den Gedanken, dass man im Kiez kauft, finde ich schön!“

Kindermode in und aus Berlin boomt. Wie viele Kinderlabels es in der Hauptstadt genau gibt, können nicht einmal Branchenkenner sagen. Viele Modemacherinnen und Modemacher haben kein eigenes Geschäft. Da nähen Mütter für ihre Kinder, werden auf ihre Kreationen angesprochen und nähen für Familien in ihrer Umgebung mit. Andere eröffnen einen Shop auf Internet-Plattformen für Selbstgemachtes oder ein Ladengeschäft. Und aus manch einem entwickelt sich ein Unternehmen mit professionellen Handelsstrukturen, das seine Ware weltweit vertreibt.

Was die Szene auszeichnet: Sie ist vielseitig, kreativ, hat Spaß an schönem Design – und bleibt doch bodenständig. Die Modemacher entwickeln, oft aus der Erfahrung mit den eigenen Kindern heraus, neue Stoffe, Nähtechniken oder Schnitte. Viele wollen einen Gegenentwurf zu den großen Handelsketten bieten und setzen auf „made in Germany“ oder sogar „made in Berlin“. Denn ökologische und soziale Aspekte spielen bei der Herstellung der Kinderkleidung und Kinderaccessoires eine wichtige Rolle, auch wenn das Endprodukt kein Biolabel ziert. Nachhaltigkeit: Das bedeutet für

Fortsetzung von Seite 1die meisten Berliner Kindermodemacher, dass die Produkte frei von Schadstoffen und langlebig sind und einen kurzen Weg zum Kunden haben. Und genauso wichtig ist ihnen der direkte Kontakt zu ihren großen und kleinen Abnehmern. Nicht selten entstehen aus den Gesprächen mit der Kundschaft neue Kreationen.

Die Inhaber der kleinen Berliner Labels nähen und stricken oft selbst und sind gleichzeitig Arbeitgeber: Sie beschäftigen Angestellte im Büro oder für Näharbeiten zu fairen Löhnen. So unterschiedlich ihre Designs auch ausfallen, sie fügen sich doch ein in den viel zitierten „Berlin style“, diesen Eigensinn, der sich keinem Modediktat beugt und internationale Trends auch schon mal beharrlich ignoriert. Außerhalb der Hauptstadt werden die Kindermodemacher daher auch oft als Berliner erkannt. Kein Wunder: Ihre einzigartige Inspirationsquelle ist Berlin mit seiner Geschichte, seinen Ausstellungen und Konzerten, seiner Natur, den verrückt angezogenen Leuten auf den Straßen und den unterschiedlichen Kulturen, die hier zusammen leben.

Lust auf einen Mode-Bummel? Wir stellen sechs ganz verschiedene Labels vor: vom Strick-Chic von Vincente über die traditionsreiche Matrosenmode der „Hamburger Kinderstube“, bei der schon das monegassische Fürstenhaus orderte, bis hin zu den flippigen Kreationen von Noé & Zoë aus Prenzlauer Berg.