Sprechstunde

Wie hoch ist der Kindesunterhalt beim Wechselmodell?

Sprechstunde bei Dr. Max Braeuer, Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Mein Lebensgefährte und ich haben uns vor drei Jahren getrennt. Unser gemeinsamer Sohn Johannes (sieben Jahre) lebt offiziell nur bei mir. Mein Ex arbeitet als Webdesigner und verdient damit 2.900 Euro netto. Er hat sich inzwischen beruflich einige Freiräume verschaffen können und möchte deshalb, dass Johannes in Zukunft zur Hälfte bei ihm wohnt. Alle zwei Wochen soll das Kind vom einen Elternteil zum anderen wechseln. Mir wäre das grundsätzlich recht, weil Johannes gerne Zeit mit dem Vater verbringt und ich selbst wieder etwas mehr im Beruf machen möchte. Ich könnte meine Halbzeitstelle als Ernährungsberaterin von bislang 900 Euro netto auf 1.750 Euro netto aufstocken. Muss ich aber befürchten, dass mir, wenn wir das so machen, der Kindesunterhaltsanspruch wegbricht? Derzeit bekomme ich vom Kindsvater monatlich 374 Euro und das gesamte Kindergeld in Höhe von 184 Euro. Darauf möchte ich nur ungern verzichten.

(Floriane B., Mitte)

Grundsätzlich schulden in der Trennung beide Eltern Kindesunterhalt. Solange das Kind aber – wie bei Ihnen derzeit noch – bei nur einem Elternteil wohnt und von diesem erzogen und gepflegt wird, ist dessen Unterhaltspflicht schon allein dadurch erfüllt. Geld bezahlen muss in dieser Zeit nur der andere Elternteil und zwar an denjenigen, bei dem das Kind wohnt.

Das ändert sich in Ihrem Fall grundlegend, wenn Johannes künftig immer genau zu gleichen Teilen jeweils beim Vater und bei Ihnen wohnt. Was Ihnen vorschwebt, ist das sogenannte strikte Wechselmodell, das bei getrennten Eltern immer häufiger vorkommt. Wenn sich die Eltern darauf einigen können, ist das oft eine gute Lösung. Das Kind kann so mit beiden Eltern aufwachsen und die Betreuungsbelastung wird geteilt.

In so einer Konstellation erfüllen die Eltern je zur Hälfte ihre Unterhaltspflicht durch Pflege und Erziehung. Natürlich schulden sie dann aber auch beide für die andere Hälfte der Zeit Unterhalt in Geldform. Sie müssten sich wechselseitig Kindesunterhalt zahlen. In der Praxis wird das verrechnet. Zu einem Nullsummenspiel, bei dem letztlich in keine Richtung Geld fließen muss, führt das aber nur, wenn beide Eltern genau gleich viel verdienen. Ansonsten ist eine recht komplizierte Berechnung anzustellen.

Dabei wird zunächst der sogenannte Barunterhaltsbedarf des Kindes anhand der dafür vorgesehenen sogenannten Düsseldorfer Tabelle ermittelt. Dafür werden die beiden Gehälter der Eltern zusammengerechnet. Sie und der Kindsvater werden in Zukunft zusammen 4.650 Euro verdienen. Das ergibt einen Kindesunterhaltsanspruch in Höhe von 583 Euro. Hiervon wird das Kindergeld abgezogen. Es bleiben 399 Euro. Diesen Restbetrag schulden Sie und Ihr früherer Lebensgefährte nicht zu gleichen Teilen, sondern im Verhältnis der Höhe Ihrer Einkünfte zueinander, nachdem davon jeweils ein sogenannter Selbstbehalt von 1.150 Euro abgezogen worden ist. Das führt dazu, dass Sie ein Viertel des Barunterhaltes bezahlen müssen und der Mann drei Viertel. Sie müssen also ungefähr 100 Euro bezahlen, während der Kindsvater ungefähr 300 Euro schuldet. Nach der üblichen Verrechnung der gegenseitigen Zahlungspflichten würden also noch 200 Euro an Sie gehen. Allerdings ist darauf das Kindergeld anzurechnen, das Sie derzeit allein beziehen. Der Kindsvater müsste im Ergebnis nur noch 16 Euro an Sie zahlen.

Ihnen blieben also 184 Euro an Kindergeld plus 16 Euro an Kindesunterhalt. Das ist natürlich deutlich weniger, als Sie derzeit vom Kindsvater erhalten. Andererseits sparen Sie aber auch Kosten, wenn Ihr Sohn nicht immer bei Ihnen lebt. Sie haben zudem die Möglichkeit, durch die gewonnene Zeit im Beruf viel mehr zu verdienen. Wirtschaftlich wäre das Wechselmodell für Sie insgesamt also von Vorteil. Da Sie zudem davon ausgehen, dass auch Johannes eine solche Aufteilung gerne mitmachen würde, spricht also nichts dagegen.

Haben auch Sie eine Frage zum Familien- oder Erbrecht? Dann schreiben Sie an familie@morgenpost.de . Wir leiten Ihr Anliegen gern weiter. Unser Rechtsexperte Dr. Max Braeuer beantwortet Leserfragen in loser Folge in seiner Kolumne an dieser Stelle. Ein Anspruch auf Beantwortung besteht nicht.