Sprechstunde

Muss ich trotz Erbschaft das Studium meines Sohnes finanzieren?

Ich bin seit 30 Jahren verheiratet. Ich habe einen Sohn, der kein gemeinsames Kind ist. Er ist jetzt 20 Jahre alt und Student. Mit der Mutter war das Verhältnis sehr schwierig. Ich habe für meinen Sohn immer nur gezahlt und hatte niemals Kontakt zu ihm. Jetzt ist er Student. Ich habe allein für ihn gezahlt, weil die Mutter von einer ganz kleinen Rente gelebt hat. Sie ist vor kurzem gestorben. Ich weiß, dass mein Sohn die kleine Eigentumswohnung geerbt hat. Ob er dort einziehen wird, weiß ich nicht. Muss ich weiterhin das Studium meines Sohnes finanzieren?

(Peter W., per E-Mail)

Kinder haben gegenüber ihren Eltern einen Anspruch darauf, dass sie ihnen eine Ausbildung bis zum Abschluss finanzieren. Der Abschluss ist erst erreicht, wenn eine verwertbare Berufsausbildung abgeschlossen ist. Wenn ein Kind nach dem Abitur die Begabung für ein Studium mitbringt, kann es von seinen Eltern den Unterhalt für das gesamte Studium bis zum Ende des Examens verlangen. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Eltern ein gutes oder nicht gutes Verhältnis zu dem Kind haben. Sie mussten Ihrem Sohn deshalb sein Studium finanzieren, obwohl Sie keinerlei Kontakt zu ihm haben. Vermutlich kann Ihr Sohn ja nicht einmal etwas dafür, wenn seine Mutter den Umgang mit dem Vater verhindert hat. Beide Eltern sind für den Unterhalt ihres Kindes verantwortlich. Allerdings konnte Ihr Sohn nicht willkürlich Vater oder Mutter in Anspruch nehmen. Beide Eltern müssen die Unterhaltslast des Sohnes untereinander aufteilen. Jeder ist nur für seinen Teil verantwortlich. Wie hoch der Anteil ist, hängt davon ab, wie leistungsfähig der Elternteil ist. Wenn die Mutter Ihres Sohnes zuletzt nur von einer kleinen Rente gelebt hat, war es wahrscheinlich richtig, dass Sie alleine die Last zu tragen hatten.

Mit dem Tod der Mutter hat sich das aber wahrscheinlich geändert. Kinder haben zwar einen umfassenden Unterhaltsanspruch. Er besteht aber nur dann, wenn das Kind seinen Lebensbedarf nicht aus eigenen Mitteln decken kann. Bei erwachsenen Kindern geht die Eigenverantwortung dem elterlichen Unterhalt immer vor. Allerdings muss ein Student in der Regel nicht arbeiten gehen, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er kann sich auf sein Studium konzentrieren und sich von seinen Eltern unterhalten lassen. Wenn Ihr Sohn aber eigenes Vermögen hat, muss er es erst verbrauchen, bevor er sich an seinen Vater wenden kann. Minderjährige Kinder oder getrennt lebende Eheleute haben das Privileg, dass sie ihr Vermögen nicht angreifen müssen. Sie müssen nur die Zinsen für ihren Unterhalt einsetzen. Dieses Privileg gilt für volljährige Kinder aber nicht. Wer als Erwachsener Unterhalt verlangt, muss erst alle eigenen Quellen ausschöpfen, um davon zu leben. Erwachsene Kinder werden da genauso behandelt wie Eltern, die von ihren Kindern Unterhalt haben möchten. Ihr Sohn kann sich nicht einmal auf so etwas wie ein „Schonvermögen“ berufen und einwenden, dass er die Eigentumswohnung ja selbst benötige.

Die Anforderungen an studierende Kinder sind recht streng. Es kommt nicht darauf an, woher das Vermögen stammt, das verbraucht werden muss. Es kommt häufig vor, dass Kinder etwas erben, von ihren Großeltern oder anderen Verwandten. Dadurch werden immer die unterhaltspflichtigen Eltern entlastet. Nur wenn ein Kind etwas geschenkt bekommt und dabei vom Schenkenden ausdrücklich ein anderer Verwendungszweck vorgeschrieben ist, muss das geschenkte Vermögen nicht für den Unterhalt eingesetzt werden.

Natürlich muss das studierende Kind nicht über jeden Kleinbetrag Rechenschaft ablegen, den es bekommen hat. Es hat aber nur Anspruch auf einen recht kleinen Notgroschen, der ihm bleiben muss. Von Ihrem Sohn kann deshalb erwartet werden, dass er mit Hilfe der Wohnung einen Kredit aufnimmt, um damit sein Studium zu finanzieren. Notfalls muss er die Wohnung auch verkaufen. Nur wenn Sie als Vater sehr wohlhabend sind und Sie von der Unterhaltszahlung deshalb kaum belastet werden, könnte Ihrem Sohn seine Eigentumswohnung belassen werden. Normalerweise können Sie aber damit rechnen, dass Ihre Unterhaltspflicht gegenüber Ihrem Sohn beendet ist.

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Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht