Kinder Kinder

Aufgeschnappt und Aufgeschrieben

Montag, 15 Uhr, ein Supermarkt, Prenzlauer Berg

Seitdem das Meerschweinchen des besten Freundes gestorben ist, beschäftigt sich der Siebenjährige immer wieder mit dem Tod. Vom Vater hat er gehört, dass er sich keine Sorgen machen muss, weil man meistens erst stirbt, wenn man schon ziemlich alt ist. Im Supermarkt nun ist der Siebenjährige gerade mit der üblichen Überraschungseidiskussion beschäftigt, als eine alte Dame mit Rollator den Laden betritt. Er denkt kurz nach, stürzt dann auf sie zu und fragt laut und fast überakzentuiert: „Bist Du bald tot?“ Alle im Geschäft halten den Atem an. Die sehr freundliche, aber offenbar schwerhörige Frau beugt sich etwas zu dem Kind herab, lächelt und sagt dann ganz sanft: „Nein, mein Kind. Ich brauche kein Brot.“

Dienstag, 19.30 Uhr, ein Fitnessstudio, Charlottenburg.

Vier gerade mal so Volljährige haben alle Brustpressen belagert und stemmen gelangweilt Gewichte. „Ach ja“, sagt einer in einer Verschnaufpause, „ich habe mich von meiner Freundin getrennt.“ Auf die Frage, warum denn, antwortet er: „Ich bin doch erst 18 geworden. Da bekam ich voll Panik, so festgelegt zu sein und nicht mehr feiern zu dürfen. Dazu bin ich zu jung.“ Zustimmendes Nicken.

Mittwoch, 12 Uhr, ein Wohnzimmer, Steglitz

Der verstrohwitwerte Vater ruft bei seiner Familie an. Der fünfjährige Sohn hebt ab. „Hallo Sohn.“ – „Hallo Papa.“ – „Was machst Du?“ – „Ich telefoniere mit Dir.“ – „Und was hast Du vorher gemacht?“ – „Vorher habe ich den Hörer abgenommen.“ – „Und kann ich vielleicht Deine Mutter sprechen?“ – „Nein.“ – „Und warum nicht?“ – „Weil ich doch gerade mit Dir telefoniere.“ – „Das klingt einleuchtend.“ – „Was leuchtet, Papa?“ – „Schon gut. Grüß alle schön von mir, ja?“ – „Mach ich. Tschüss!“

Donnerstag, 7.30 Uhr, ein Kinderzimmer in Wilmersdorf

Das dreijährige Mädchen hat am Vorabend seinen Schlafanzug verkehrt herum angezogen bekommen. Nun ist die Micky Maus auf der Innenseite. Das Mädchen glaubt, die Maus sei über Nacht einfach abgehauen. Ratlosigkeit, Tränen. Ihr fünfjähriger Bruder nimmt sie entschlossen an der Hand: „Komm, ich helfe Dir suchen. Wo hast Du sie zuletzt gesehen?“

Freitag, 18 Uhr, ein Kinderzimmer in Steglitz

Der Vater: „Kannst Du bitte mal die Stifte zusammenräumen? Es sieht ja furchtbar aus hier.“ – Der fünfjährige Sohn: „Das sind keine Stifte. Das sind Zauberstäbe.“ – „Wie praktisch. Dann kannst Du sie ja einfach wegzaubern.“ – „Oh Mann, Papa! Zauberstäbe kann man doch nicht wegzaubern, die zaubern selbst was weg!“ – „Okay, und wenn Du damit diesen Kleiderhaufen da wegzauberst?“ – „Das ist doch kein Kleiderhaufen!“ – „Lass mich raten: Magische Mäntel?“ – „Ganz genau! Und jetzt zauber ich Dich weg!“

Diesmal aufgeschnappt von Felix Müller und Carola Pompetzki.

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