Mamas & Papas

Vom großen Abenteuer, mit Kindern zu reisen

Neulich habe ich meinen Kühlschrank aufgeräumt, dabei habe ich auch endlich die kleine braune Red-Bull-Flasche aus Indonesien weggeworfen. Sie war schon im April 2010 abgelaufen und ich hatte sie nur noch aus nostalgischen Gründen behalten und als Beweis dafür, wie spannend mein Leben irgendwann mal war. Mit Reisen in ferne Länder. Mit wenig Schlaf und viel Red Bull. Etwa zur gleichen Zeit musste ich mich von meinem geliebten, alten Reisepass trennen. Und von all den Stempeln. Visa für Borneo, Stempel aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan, Mauritius und jede Menge USA. Der neue Pass ist leer. Und er wird es wohl auch bleiben. Jedenfalls solange Mallorca, Spiekeroog und Tirol keine Pass-Stempel einführen.

Wenn man Kinder hat, ändern sich die Reisegewohnheiten drastisch. Südhalbkugel ist erstmal für Jahre gestrichen. Statt in coolen Designhotels mit Dachterrassen-Lounge verbringt man seinen Urlaub nun in Ferienwohnungen mit Mikrowelle. Wenn man im Urlaub nicht kochen möchte, hat man natürlich auch noch die Möglichkeit, Cluburlaub zu machen und Paella aus All-You-Can-Eat-Buffets zu schöpfen.

Dann doch lieber Ferienwohnung. Wir sind gerade aus Tirol zurück gekommen. Allerbestens ausgestattet natürlich. Sogar meine Tochter hatte ihre ersten Profi-Wanderstiefel bekommen, Softshell-Weste, karierte Blusen. Den ersten Stolperunfall mit blauem Knie hatte es zwar schon auf dem blauen Plastikgebirge im Geschäft gegeben, aber wir waren bereit für die Berge. Berge! Früher hieß das Hochgebirge und solange Wandern, bis man sich die Speckknödelsuppe auf dem Gipfel wirklich verdient hatte. Am Ende des Urlaubs war man schlank wie eine Gemse und fit wie ein Wanderschuh. Dieses Mal war es anders.

Der erste Wandertag, bei dem ich die ganze Zeit krampfhaft die Hand meiner Tochter hielt, damit sie auf dem Geröll nicht ausrutschte und vor eine der Kühe fiel, war auch der letzte. „Wandern ist doof“, hatte die Dreijährige beschlossen. Wir bekamen sie den Berg nur wieder runter, weil ich ihr gesagt hatte, dass unter den Wiesen Murmeltiere leben. Deshalb rief sie den gesamten Abstieg über: MURMELTIIIIER! MURMELTIEEER, WO BIST DUUUUUUU? Komm RAUAUS".

Wir wagten noch einen Versuch: Wandern im Kinder-Zauberwald. In den Baumwipfeln hingen Lautsprecher aus denen Kobolde mit fiesen kleinen Stimmen, „Ich seh dich“ oder „Ich will Kuchen“ riefen. Die Dreijährige brüllte wie am Spieß und lies sich erst beruhigen, als wir mit der Seilbahn wieder ins Tal fuhren. Was dann folgte kann man getrost mit: „Eltern, die auf Ziegen starren“ bezeichnen. Denn das war die größte Attraktion des Urlaubs: Ein Ziegengehege mit einem großen bissigen Bock, seiner Frau, einigen Lämmern und einem Futterautomaten. Nebenbei haben wir eine gefühlte Million Fotos gemacht mit den immer gleichen Motiven: Kind vor kleinerem Berg, Kind vor größerem Berg, Kind vor Ziegen. Ansonsten waren wir viel im Freibad oder mit der ganzen Familie im Supermarkt. Denn abends wurde gekocht. Nudeln und so. Und alle drei Tage Reste-Essen. Als wir wieder nach Hause fuhren passierte das erstaunlichste: Wir waren traurig, dass der Urlaub schon vorbei war. Weil es richtig schön war. Nur eben anders.

Meine Freundin ist kürzlich nach 16 Jahren zum ersten Mal wieder ohne Kinder verreist. Das ist doch eine Perspektive für meinen Reisepass.