Sprechstunde

Müssen wir unseren Sohn auch weiterhin bei seiner Ausbildung unterstützen?

Sprechstunde bei Dr. Max Braeuer, Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Mein Sohn ist 21 Jahre alt und hat jetzt erfolgreich seine Bäckerlehre beendet. Er hat damit allerdings noch nicht sein Berufsziel erreicht. Er möchte nun gern noch Abitur machen, da er nie als Bäcker arbeiten wollte. Diese Ausbildung hat er nur angefangen, weil im die nötige mittlere Reife für das Abitur fehlte. Jetzt hat er aber überhaupt kein Geld mehr. Ich verdiene nur 1400 Euro im Monat und habe das Haus noch zu zahlen und außerdem auch noch ein minderjähriges Kind. Muss sein Vater jetzt vielleicht auch zahlen? Außerdem habe ich 70 Prozent Schwerbehinderung. Wenn ich das alles zahlen soll, kann ich unser Haus nicht mehr zahlen. Er wohnt noch bei mir seit der Scheidung von seinem Vater.

Claudia S., per Email

Ihr Sohn kann von seinen Eltern verlangen, dass Sie ihm eine vollständige Berufsausbildung finanzieren. Ein Studium ist eine klassische Berufsausbildung, so dass Kinder während des Studiums zumeist von ihren Eltern Unterstützung verlangen können. Das gilt allerdings nur im Normalfall.

Ob auch Ihr Sohn noch auf Kosten seiner Eltern studieren darf, ist zweifelhaft. Eltern müssen nämlich nur eine Berufsausbildung zahlen. Mit dem Ende seiner Bäckerlehre hat Ihr Sohn aber diese eine Berufsausbildung abgeschlossen. Wenn er dann noch einen weiteren Beruf lernen möchte, kann er seine Eltern dafür nicht mehr in die Pflicht nehmen. Das muss er dann auf eigene Kosten machen. Es kann aber auch sein, dass Ihr Sohn mit dem Ende der Bäckerlehre seine Berufsausbildung noch gar nicht abgeschlossen hat. Wenn diese Lehre nur eine Zwischenstation zu seinem Abitur mit anschließendem Studium war, die er von vorneherein geplant hatte, dann können die Eltern für alle Ausbildungsabschlüsse, also auch für Abitur und Studium zuständig sein.

Allerdings sind die Eltern nur dann verpflichtet, eine so lange und damit auch teure Ausbildung zu zahlen, wenn ihnen das zuzumuten ist, weil sie sich das wirtschaftlich ohne zu große Anstrengung leisten können. Außerdem müsste Ihr Sohn hinreichend begabt sein, um das Abitur auch zu schaffen. Wenn er nicht einmal den mittleren Schulabschluss geschafft hat, stellt sich natürlich die Frage, ob er für das Abitur genug Begabung hat. Sie leben außerdem selbst in wirtschaftlich sehr engen Verhältnissen. In dieser Situation werden Sie Ihren Sohn wohl nicht weiter unterstützen müssen.

Wenn Ihr Sohn doch noch einen Unterhaltsanspruch gegenüber seinen Eltern hat, dann muss er sich jedenfalls auch an seinen Vater wenden. Bei erwachsenen Kindern sind beide Eltern unterhaltspflichtig, nicht etwa gemeinsam, sondern beide Eltern jeweils nur für einen Teil des Bedarfs. Wie groß der Anteil ist, richtet sich nach der Leistungsfähigkeit jeden Elternteils. Ob Ihr Sohn noch bei Ihnen lebt oder eine eigene Wohnung hat, ist für den Unterhaltsanspruch gegenüber seinen Vater ohne Bedeutung. Um diesen Anspruch muss er sich jedenfalls selbst kümmern.

Für einen kleinen Teil des Unterhaltsbedarfes müssen möglicherweise auch Sie aufkommen. Natürlich dürfen Sie Ihren eigenen Lebensbedarf und den eines minderjährigen Kindes, für das Sie zu sorgen haben, nicht gefährden. Wenn der Vater Ihres weiteren Kindes, das noch minderjährig ist, keinen Unterhalt zahlt, dann müssen Sie zuerst dieses Kind versorgen. Für Ihren erwachsenen Sohn bleibt dann wohl nichts mehr übrig. Solange Sie Ihrem Sohn in Ihrem Haus Unterkunft gewähren, leisten Sie ihm im übrigen bereits Unterhalt. Zu mehr sind Sie zweifellos nicht verpflichtet.

Haben auch Sie eine Frage zum Thema Familien- oder Erbrecht? Dann schreiben Sie an familie@morgenpost.de . Wir leiten Ihre Anfrage dann an Herrn Dr. Braeuer weiter. Er beantwortet die Leseranfragen in loser Folge in seiner Kolumne. Ein Rechtsanspruch auf Beantwortung besteht allerdings nicht.