Sprechstunde

Wie kann ich meine Enkelin von der Erbfolge ausschließen?

Sprechstunde bei Dr. Max Braeuer, Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Ich bin lange verwitwet und habe nur noch meine Tochter und zwei Enkelinnen, Töchter meines verstorbenen Sohnes. Dieser bezog Grundsicherung und hatte selbst nichts zu vererben. Von seinen Töchtern hat sich nur eine um ihn gekümmert, die andere hatte zu seinen Lebzeiten schon lange jeden Kontakt zu ihm verweigert, wollte nach seinem Tod aber Erbschein und Testament sehen. Beides war nicht vorhanden. Ich bin über die Forderung sehr verärgert. Wie sollte ich nun mein Testament aufsetzen, damit diese Enkeltochter auf keinen Fall doch noch etwas erbt? Meine Tochter soll Alleinerbin sein, nur der „guten“ Enkeltochter möchte ich etwas Geld hinterlassen. (Brigitte S., per E-Mail)

Um Ihr Ziel zu erreichen, müssen Sie auf jeden Fall ein Testament machen. Ohne ein Testament würde bei Ihrem Tode nämlich die gesetzliche Erbfolge eintreten. Sie würden von Ihren beiden Kindern beerbt werden, beide zu gleichen Teilen. Da Ihr Sohn nicht mehr lebt, treten an dessen Stelle seine beiden Kinder. Diese erben, was Ihr Vater bekommen hätte, wenn er den Tod seiner Mutter noch erlebt hätte. Sie teilen sich also die andere Hälfte Ihres Nachlasses. Jede der beiden Enkelinnen bekommt ein Viertel.

Sie können diese Erbfolge ändern, indem Sie ein Testament machen. Darin werden Sie sinnvollerweise Ihre ungetreue Enkelin enterben. Der Nachlass verteilt sich dann nur noch auf deren Schwester und auf Ihre Tochter. Ob beide gleich viel erben oder ob Ihre Tochter den größeren Teil bekommt, können Sie entscheiden. Die Anteile regeln Sie in Ihrem Testament. Sie können auch Ihre Tochter zur Alleinerbin einsetzen und nur bestimmen, dass die Enkelin einzelne Gegenstände oder einen bestimmten Geldbetrag bekommt. Das nennt man dann ein Vermächtnis.

Es spricht allerdings viel dafür, dass Sie mit Ihrem Mann zu dessen Lebzeiten ein gemeinsames Testament, ein Berliner Testament errichtet haben. Ihre Kinder hätten nämlich schon beim Tod des Vaters geerbt, wenn es kein Testament gegeben hätte, und Sie wären jetzt nicht alleine Inhaberin des Vermögens. Aufgrund eines Berliner Testaments wären Sie Alleinerbin geworden. Ihre gemeinsamen Kinder wären zu Schlusserben nach Ihrem Tod bestimmt. Ein solches Berliner Testament könnten Sie heute nicht mehr ändern. Auch wenn Ihr Mann schon sehr lange tot ist, ändert das an der Verbindlichkeit des gemeinsamen Testaments nichts. Nach dem Berliner Testament würde auch dem ungetreuen Enkel ein Viertel Ihres Nachlasses zustehen. Das können Sie nur noch dadurch einschränken, dass sie selbst zu Lebzeiten noch möglichst viel von Ihrem Vermögen verbrauchen. Das belastet dann natürlich auch die anderen Erben.

Sollte es kein bindendes Ehegattentestament geben, können Sie Ihre Enkelin durch ein neues Testament wirksam enterben. Ihr bleibt dann aber immer noch ein Pflichtteilsanspruch. Enkelkinder haben gegenüber ihren Großeltern einen Pflichtteilsanspruch, wenn die Eltern, die zwischen Enkeln und Großeltern gestanden haben, schon gestorben sind. Der Pflichtteilsanspruch, den Ihr Sohn gehabt hätte, ist also auf dessen Kinder übergegangen. Diesem Anspruch können Sie Ihrer Enkelin nicht entziehen, auch wenn sie sich beim Tode ihres Vaters schäbig benommen hat. Durch das Pflichtteil wird Ihre Enkelin nicht zur Miterbin. Sie hat aber gegenüber ihrer Tante, die von Ihnen alles erben soll, einen Zahlungsanspruch. Dieser Zahlungsanspruch rechnet sich nach dem Wert dessen, was Sie hinterlassen, und ist ein Achtel davon.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht