Interview

„Internate bieten die Chance, in der Gruppe zu lernen“

Pädagogin Heidemarie Arnhold über Förderung und Heimweh

Bei Hanni und Nanni im Internat geht es ausgesprochen aufregend zu. Verrückte Streiche, lustige Geheimnisse und der erste Liebeskummer bestimmen den Alltag. Das klingt für viele Kinder sehr verlockend. Aber ist ein Internat für jedes Kind etwas? Und was tun, wenn das Heimweh zuschlägt? Darüber sprach Nicole Dolif mit Heidemarie Arnhold, Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE).

Berliner Morgenpost:

Für wen ist ein Internat eine gute Entscheidung?

Heidemarie Arnhold:

Ein Internat ist eine kostspielige Angelegenheit. Eine der ersten Fragen muss deshalb lauten: Können wir uns als Familie das leisten? Und will das Kind das überhaupt? Erst dann sollte man gemeinsam überlegen, ob ein Aufenthalt in Frage kommt.

Und wovon hängt das ab?

Das können ganz unterschiedliche Dinge sein. Wenn Eltern zum Beispiel sehr viel unterwegs sind, kann ein Internat eine gute Lösung sein. Oder auch, wenn es ein Internat mit einem besonderen Schwerpunkt ist, das die Fähigkeiten des Kindes besonders fördert. Das ist für Kinder eine tolle Möglichkeit, sich zu entwickeln. Eine Förderung wie beispielsweise in einem Sportinternat ist zu Hause oft gar nicht möglich.

Entwickeln sich Kinder in einem Internat anders?

Ja, da gibt es große Unterschiede. Vor allem in der heutigen Zeit, in der sehr viele Kinder als Einzelkind oder mit höchstens einem Geschwister aufwachsen. Im Internat haben sie dann die Chance, ganz viel in der Gruppe zu lernen. Mit gleichaltrigen, aber auch mit älteren und jüngeren Kindern. In Ländern wie England, in denen Internate eine große Rolle spielen, ist man davon überzeugt, dass sich auf diese Weise schon bei Kindern ganz nebenbei Führungsqualitäten entwickeln.

Gibt es auch Risiken für die Kinder?

Wenn es in dem Internat zu Mobbing kommt, ist das eine schwierigere Situation. Zum einen, weil das Kind dem dann 24 Stunden am Tag ausgesetzt ist. Zum anderen aber auch, weil die Eltern es allein auf Grund der Entfernung viel schlechter mitbekommen. Da muss dann die Kommunikation zwischen Internat und Elternhaus sehr gut funktionieren.

Ab welchem Alter kann ein Internat Thema sein?

Das hängt ganz von der Familie ab. Aber im Prinzip kann das schon ab der ersten Klasse funktionieren.

Aber haben gerade die kleinen Kinder dann nicht unheimlich Heimweh?

Doch, das gehört dazu. Aber das ist vor allem eine Einstellungssache. Wenn die Eltern ihren Kindern die Chance geben, ihr Heimweh zu überwinden, werden sie es auch schaffen.