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Aufgeschnappt und aufgeschrieben

Montag, 18 Uhr, in einem Büro in Kreuzberg

Eine Frau telefoniert mit ihrem Sohn, der allein zu Hause ist und Pudding kochen will. Sie erklärt ihm, wo er das Puddingpulver findet: „Wir müssten noch Schokolade und Vanille haben“, vermutet sie, schärft ihm ein, gut auf den Milchtopf aufzupassen, dann legt sie auf. Zwei Minuten später klingelt das Telefon wieder. Der Neunjährige ist dran: „Schoko und Vanille haben wir nicht, nur Bauer Bong“, sagt er. Die Mutter ist verwirrt: Bauer Bong? Dann dämmert es ihr: Der Junge hat offenbar ein Päckchen Bourbon-Vanillepudding gefunden.

Dienstag, 7.30 Uhr, in einer Küche in Reinickendorf

Die Tochter (8 Jahre) erzählt am Frühstückstisch von einem Streit in der Schule. Zwei Mädchen, die bis dahin sehr gut befreundet waren, haben sich offenbar ordentlich in die Wolle gekriegt. Die Tochter fragt sich nun, ob die Freundschaft beendet sein könnte. „Wohl eher nicht. Manchmal versteht man sich besser, manchmal schlechter…“, beginnt die Mutter laut ihre Überlegungen. „Du verstehst dich doch auch nicht immer gleich gut mit deiner kleinen Schwester.“ Daraufhin die Tochter grinsend: „Doch, verstehen tu’ ich sie immer gut, ich bin doch nicht taub. Aber wer mich ärgert, fliegt aus meinem Zimmer raus. Blöd bin ich nämlich auch nicht.“

Mittwoch, 13 Uhr, an einem Esstisch in Lankwitz

Die dreijährige Tochter sitzt mit der Mama, dem Papa und dem kleinen Brüderchen beim Nudelessen, als die Mama plötzlich bemerkt, dass Josephine einen großen Tomatenfleck auf ihrem T-Shirt hat. Als sie die Tochter auf das Geklecker anspricht, widerspricht diese vehement mit den Worten: „Mama, ich habe nicht gekleckert, ich habe nur mein T-Shirt gefüttert. Das hatte großen Hunger…“

Mittwoch, 21 Uhr, in einem Kinderzimmer in Mitte

Die Mädchen (sechs und neun Jahre alt) können nicht einschlafen und tuscheln im Dunkeln. „Du, ich habe ein ganz großes Geheimnis“, flüstert die Kleine geheimnisvoll. „Nun sag schon“, fordert die Ältere forsch. Nach längerem Zieren rückt die Kleine mit ihrem Geheimnis heraus: Sie ist gleich in zwei Jungen aus ihrer Klasse verliebt. „Pah, das ist doch voll egal! Wen interessiert das schon?“, kommentiert die Ältere das Geständnis brutal. Ihre beste Freundin, erzählt sie der Schwester, habe im übrigen ein viel größeres Problem: Sie sei in einen Jungen aus der Parallelklasse verliebt, er aber nicht in sie. Darauf die Kleine: „Na, dann lieber zwei als keinen!“

Donnerstag, 15 Uhr, in einem Freibad in Kreuzberg

Ein etwa dreijähriges Mädchen schaut begeistert auf das schimmernde Wasser im Becken, nimmt dann Anlauf und springt hinein. Rudernd versucht es zu schwimmen. Doch leider geht die Kleine sehr schnell unter. Ihr Vater zieht sie schockiert aus dem Wasser. Aber sie hustet nur kurz, grinst ihn an und sagt: „Guck mal Papa, kann ich nicht schon toll schwimmen?“

Sonnabend, 19 Uhr, in einem Wohnzimmer in Steglitz

Eine 14-Jährige und ihr kleiner Cousin, vier Jahre alt, sind bei der Oma zu Besuch. Müde legt sich das Mädchen auf das Sofa. Der Kleine versucht vergeblich sie aufzuwecken. Der Junge: „Du darfst nicht schlafen, wir wollten doch spielen!“ Das Mädchen: „Dornröschen muss schlafen.“ Zum Schutz hält es sich ein Kissen vor den Kopf. Tapfer kämpft der Kleine gegen das störende „Kissenungeheuer“ an, bis es sich geschlagen gibt. Zufrieden legt er sich neben „Dornröschen“ und versucht sie wach zu küssen. Das Mädchen guckt ihn mit einem misstrauischen Blick an, steht auf und setzt ihn energisch auf das benachbarte Sofa. Doch er gibt nicht so einfach auf, kämpft sich wieder vor und legt sich neben sie. Das Mädchen: „Aber du kannst doch nicht auch noch hier schlafen.“ Verzweifelt guckt er sie an und sagt: „Doch, ich darf das, ich bin doch dein Freund!“

Sonntag, 14 Uhr, in einem Garten in Buckow

Der Vater kniet mit seiner kleinen Tochter, etwa vier Jahre alt, vor einem Busch im Garten. Die beiden genießen den schönen sommerlichen Tag und bestaunen die Natur. „Schau mal“, sagt der Vater, „auf dem Blatt krabbelt eine Raupe.“ Der Vater streckt die Hand aus und berührt vorsichtig das kleine Insekt. Die Tochter zuckt zusammen, greift dann entsetzt nach seinem Arm und zerrt ihn heftig zurück. „Pass auf“, ruft sie total aufgebracht. Der Vater (verstört): „Was ist denn los?“ Das Mädchen mit lauter Stimme: „Mensch Papa, die Raupe ist ein Raubtier, die heißt doch schon so. Die wird dich beißen.“