Sprechstunde

Wie kann ich meiner Tochter einen Hausanteil steuerfrei schenken?

Sprechstunde bei Dr. Max Braeuer, Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Ich bin in der glücklichen Lage, Besitzer eines Mehrfamilienhauses zu sein. In dieser Eigenschaft möchte ich meiner minderjährigen Tochter gern den steuerfreien Schenkungsanteil schenken und dabei den Nießnutz behalten. Meine Tochter ist im Moment sechs Jahre alt. Nun meine Frage an Sie: Ist ein solches Vorgehen bei minderjährigen Kindern in diesem Alter bereits möglich? Und was muss ich gegebenenfalls beachten, damit keine Steuern fällig werden und die Schenkung rechtmäßig ist? Vielen Dank für Ihre Antwort.

(Thomas S., per E-Mail)

Wenn Kinder von Ihren Eltern etwas erben, dann müssen sie dafür Erbschaftsteuer zahlen. Wenn die Eltern ihren Kindern etwas schenken, wird genauso Steuer fällig. Schenkung und Erbschaft sind in steuerlicher Hinsicht dasselbe. Nicht jedes Geschenk löst aber gleich Steuer aus. Es gibt in Deutschland einen Freibetrag, der auf die Höhe von 400.000 Euro festgesetzt ist. Wenn das Geschenk oder die Erbschaft nicht mehr als diesen Wert hat, dann ist definitiv noch keine Steuer zu bezahlen. Dieser Freibetrag kann im Übrigen alle zehn Jahre ausgenutzt werden. Wenn Sie also noch zehn Jahre leben, dann kann Ihre Tochter erneut 400.000 Euro steuerfrei von Ihnen erben, oder Sie können erneut ein solches Geschenk machen. Sie haben offenbar vor, diesen Steuervorteil auszunutzen.

Das Mehrfamilienhaus, dessen Besitzer Sie sind, hat vermutlich einen höheren Wert als 400.000 Euro. Wenn Sie Ihrer Tochter nun das ganze Haus schenken würden, dann würde dadurch Schenkungsteuer fällig. Sie können Ihrer Tochter aber auch nur einen Bruchteil des Hauses schenken, also etwa ein Viertel oder ein Achtel des Hauses, dessen Wert jedoch in jedem Fall 400.000 Euro nicht übersteigt. Dann sind Sie mit Ihrer Tochter gemeinsam Eigentümer und Steuer auf dieses Geschenk fällt nicht an.

Ihrer Tochter würden als Folge des Geschenkes natürlich auch die Mieteinnahmen aus dem Mehrfamilienhaus zustehen. Um das zu verhindern, kann das Geschenk mit einem Nießbrauch belastet werden. Der Nießbrauch wird im Grundbuch eingetragen. Aufgrund dieses Nießbrauches sind Sie auch nach der Schenkung noch alleine für die Verwaltung des Hauses zuständig, und Ihnen fließen die Erträgnisse zu, so als wären Sie weiterhin Alleineigentümer. Dieser Nießbrauch besteht für Sie auf Lebenszeit. Erst mit Ihrem Tode erlischt das Nießbrauchsrecht, und Ihre Tochter ist dann Eigentümerin eines unbelasteten Hauses.

Sie können dieses Geschenk mit Ihrer Tochter vereinbaren, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt mit ihren sechs Jahren noch minderjährig ist. Allerdings ist das bei einer sechsjährigen Tochter einigermaßen mühsam. Folgendes müssen Sie zwingend beachten: Der Schenkungsvertrag muss notariell beurkundet werden. Weil Ihre Tochter allerdings noch nicht geschäftsfähig ist, muss der gesetzliche Vertreter für Ihre Tochter den Vertrag abschließen. Normalerweise wird Ihre Tochter von ihren Eltern gesetzlich vertreten. Das ist bei dem von Ihnen angedachten Schenkungsvertrag aber nicht möglich, weil der Vater schließlich auch selbst an dem Schenkungsvertrag beteiligt ist. Sie müssten also, um Ihrer sechs Jahre alten Tochter das Mehrfamilienhaus beziehungsweise einen Anteil an dem Haus zu schenken, beim Gericht erst die Bestellung eines Ergänzungspflegers beantragen.

Wesentlich einfacher wird das Procedere, wenn Sie abwarten, bis Ihre Tochter sieben Jahre alt ist. Als Siebenjährige gilt Ihre Tochter nämlich bereits als beschränkt geschäftsfähig. Sie kann dann selbst Verträge abschließen, die für sie nur vorteilhaft sind. Wenn Ihre Tochter von ihrem Vater ein Mehrfamilienhaus oder einen Anteil daran geschenkt bekommt, dann hat dieses Geschäft für Ihre Tochter nur Vorteile.

Ab dem siebten Geburtstag können Sie also mit Ihrer Tochter zum Notar gehen und ihr das Haus schenken. Ihre Tochter kann dann diesen Vertrag selbstständig unterschreiben.

Haben auch Sie eine Frage zum Familien- oder Erbrecht? Dann schreiben Sie doch an folgende Adresse: familie@morgenpost.de . Unser Rechtsexperte Dr. Max Braeuer beantwortet Leserfragen in loser Folge in seiner Kolumne an dieser Stelle. Ein Anspruch auf Beantwortung der Fragen besteht nicht.