Kinder Kinder

Aufgeschnappt und aufgeschrieben

Sonnabend, 14 Uhr, in einer Wohnung in Schöneberg

Die Vierjährige spielt im Kaufmannsladen. Aus der Kasse zieht sie eine silberne Münze. „Mama, was ist das für ein Geld?“, fragt sie. Die Mutter: „Das ist eine Mark.“ Das Mädchen: „Eine Mark?“ Die Mutter: „Ja, so hieß der Euro früher.“ Das Mädchen, nachdenklich: „Und unser Freund Mark, heißt der denn jetzt noch Mark?“

Sonntag, 16 Uhr, in einem Haus in Rudow

Die Fünfjährige hat Besuch von ihrer besten Freundin. Versunken spielen die Mädchen eine Geschichte aus dem Feenland nach. „Ich bin die Fee und du bist mein Einhorn“, legt die kleine Gastgeberin fest. Die beiden spielen friedlich. Plötzlich kommt die größere Schwester des Mädchen rein. „Seid ihr wieder so blöde rosa Feen?“, fragt sie giftig. Die Kleine will wutentbrannt und so gar nicht feenlike auf die Große losgehen, doch die Freundin hält sie zurück. „Lass sie doch“, sagt sie in verschwörerischen Ton, „sie hat keine Ahnung. Aber du hast dafür ein eigenes Einhorn.“

Montag, 15 Uhr, in einer Grundschule in Schöneberg

Es ist voll vor dem Schultor. Jede Menge Mütter wollen ihre Kinder in Empfang nehmen. Auch eine Siebenjährige stürmt auf ihre Mutter zu, in der Hand hält sie eine bunte Eule aus Stoff mit Knopfaugen. Die Mutter: „Oh, das ist ja ein tolles Tier.“ Das Mädchen: „Eine Eule, haben wir in Kunst genäht.“ Die Mutter: „Die sieht wirklich super aus.“ Das Mädchen: „Ja, ich weiß. Wollte sie dir auch eigentlich zum Muttertag schenken. Aber nun finde ich sie auch so schön, dass ich sie lieber selber behalte.“

Dienstag, 17 Uhr, vor dem Roten Rathaus

Ein Vater radelt mit seinem vierjährigen Sohn auf dem Kindersitz am Roten Rathaus vorbei. Der Verkehr zwingt sie zum Halten. Dem Jungen ist das sehr recht, er schaut interessiert auf das große Gebäude zu seiner Linken. Dann sagt er zu seinem Vater: „Weißt du, Papa, ich glaube, hier drin wohnt der liebe Gott.“ Der Vater (leicht verstört): „Wie kommst du denn darauf?“ Der Junge: „Es ist die schönste Kirche, die ich bis jetzt gesehen habe. Und die wird sich Gott dann ja wohl als Wohnung aussuchen.“

Mittwoch, 16 Uhr, vor einer Zahnarztpraxis in Kreuzberg

Eine Mutter kommt mit ihrer vierjährigen Tochter aus der Praxis. Das Mädchen hat geduldig zugeschaut, wie der Zahnarzt bei seiner Mutter ein Loch gefüllt und Zahnstein entfernt hat. Nun machen sie sich auf den Weg nach Hause. Dort angekommen, fragt der Vater seine Tochter: „Na, war es interessant beim Zahnarzt?“ Das Mädchen: „Es geht so. Aber immerhin hat die Mama jetzt kein Zahnschwein mehr.“

Donnerstag, 14 Uhr, in einer Umkleide auf der Friedrichstraße

Die Mutter ist unsicher. Sie probiert Oberteile an. Erst ein Top, dann ein weites T-Shirt, danach eine schimmernde Bluse. Ihre Tochter, fünf Jahre alt, steht ihr beratend zur Seite. „Welches sah jetzt am besten aus?“, fragt die Mutter. Die Tochter: „Das letzte. Da sieht man den Busen am besten.“

Diesmal aufgeschnappt von Nicole Dolif und Beatrix Fricke. Haben auch Sie eine lustige oder denkwürdige Begebenheit mit Kindern erlebt? Dann schreiben Sie uns doch: familie@morgenpost.de