Sprechstunde

Kann mein Mann unser gemeinsames Geld ausgeben?

Mein Mann und ich sind schon seit 30 Jahren verheiratet. Die Ehe war aber schon seit längerer Zeit nicht mehr glücklich. Vor einem halben Jahr ist mein Mann dann ausgezogen und wohnt jetzt bei einer Arbeitskollegin, die viel jünger ist als er. Wir haben immer ziemlich sparsam gelebt. Für das Ersparte haben wir verschiedene Fonds gekauft. Leider verwaltet das allein mein Mann. Die Bank verwehrt mir einen Einblick. Ich nehme aber an, dass auf dem Konto mehr als 200.000 Euro sind. Von unseren Kindern habe ich erfahren, dass mein Mann dieses Geld jetzt ausgibt. Er hatte von seinen Eltern ein Mietshaus geerbt, das er seit längerem verwaltet. Nun soll er plötzlich den Auftrag gegeben haben, die Fassade zu renovieren und das Dach zu decken, obwohl das eigentlich gar nicht nötig war. Kann ich mich davor schützen, dass mein Mann unser ganzes Geld ausgibt?

(Cornelia N., Wannsee)

Das Geld auf dem Depotkonto Ihres Mannes haben Sie während der Ehe gemeinsam angespart. Vermutlich haben Sie beide in den langen Jahren ihrer Ehe auch Beiträge dazu geleistet. Und trotzdem gehört das Geld heute Ihrem Mann, einfach deshalb, weil es nun einmal auf seinem Konto liegt. Sie haben also keinen Zugriff darauf, wie Sie ja auch schon aus der Reaktion der Bank gemerkt haben, die Ihnen ja auf Ihre Nachfrage hin trotzdem keinerlei Einblick zu diesem Konto gewähren wollte. Sie haben mit Ihrem Mann vermutlich keinen Ehevertrag geschlossen. Deshalb leben Sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft.

Der Begriff der „Gemeinschaft“ ist dabei allerdings etwas irreführend. Solange die Ehe noch besteht, gibt es kein gemeinschaftliches Vermögen, und keiner von Ihnen hat Zugriff auf das Vermögen des anderen. Erst zu dem Zeitpunkt, wenn die Ehe geschieden wird, bekommt die Gemeinschaft ihre Bedeutung. Es wird angenommen, dass Sie Ihr Vermögen insgesamt gemeinschaftlich erwirtschaftet haben. Wer von Ihnen mehr Vermögen hat, muss an den anderen die Hälfte des Unterschiedes als Zugewinnausgleich abgeben. Über den Zugewinnausgleich werden Sie einmal an dem Depotkonto Ihres Mannes profitieren. Solange es aber kein Scheidungsverfahren gibt, haben Sie daran keine Rechte.

So wie Sie das in Ihrer Frage beschreiben, versucht Ihr Mann offensichtlich ganz stark, sein Vermögen zu verringern. Damit will er vermutlich erreichen, dass beim Beginn eines Scheidungsverfahrens dann weniger vorhanden ist als heute und er Ihnen deshalb dann weniger Zugewinnausgleich zahlen muss.

Wenn er jetzt zum Beispiel die Fassade seines Hauses renoviert, kostet das viel Geld. Das Haus wird dadurch aber nicht in demselben Umfang wertvoller. Auch durch das neue Dach wird das Haus nicht um denselben Betrag im Wert steigen, den das Dach kostet. Der Zugewinn Ihres Mannes könnte sich deshalb verringern. Dennoch können Sie einigermaßen beruhigt sein. Denn für einen solchen Fall werden Sie vom Gesetz geschützt.

Dass Ihr Mann gerade jetzt die Ausgaben tätigt, hat offenbar tatsächlich den Zweck, Sie möglichst zu schädigen, also den Zugewinn so weit wie es geht zu drücken. Doch das ist gar nicht so leicht möglich, wie er vielleicht denkt. Denn wenn später in einem Scheidungsverfahren der Zugewinn berechnet wird, werden auf der Seite Ihres Mannes alle Ausgaben wieder hinzugerechnet, die er zu Ihrem Nachteil bereits gemacht hat. Das heißt: Er muss dann also das volle Depotkonto bei der Zugewinnberechnung berücksichtigen, auch wenn er davon in der Zwischenzeit schon erhebliche Teile ausgegeben hat.

Diese Ausgaben werden für Sie natürlich nicht so ganz leicht nachzuvollziehen sein. Aber auch dafür verschafft Ihnen das Gesetz eine Erleichterung. Denn Sie können von Ihrem Mann verlangen, dass er Ihnen Auskunft erteilt über den Wert seines Depotkontos und seines sonstigen Vermögens an dem Tag, an dem er bei Ihnen ausgezogen ist. Bei einem späteren Zugewinnausgleich wird dann dieser Vermögenswert zugrunde gelegt, sofern Ihr Mann nicht nachweist, dass er seine Geldausgaben vernünftig und loyal gemacht hat.

Haben Sie auch eine Frage zum Thema Erb- oder Familienrecht? Dann schreiben Sie uns: familie@morgenpost.de . Unser Experte Dr. Max Braeuer beantwortet ausgewählte Leserfragen in loser Folge in seiner Kolumne. Ein Anspruch auf Beantwortung der Fragen besteht nicht.

Dr. Max Braeuer, Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht