Kinder Kinder

Aufgeschnappt und Aufgeschrieben

Sonntag, 13 Uhr , auf einem Fußballplatz in Rudow

Nachdem die Nachwuchs-Kicker erneut eine Niederlage einstecken mussten, knöpft sich der Trainer seine Jungs vor und macht einen Rundgang über den Platz. „So, Jungs“, sagt er, „wo die Fotografen stehen, wisst ihr ja. Wo eure Freundinnen stehen, wisst ihr auch. Und nun zeige ich euch noch, wo die Tore stehen!“

Sonntag, 18 Uhr, in einem Hausflur in Buckow

Die Mutter war mit ihrem fünfjährigen Sohn zu ersten Mal im Kino. Die nette Nachbarin trifft die beiden im Hausflur und fragt den Kleinen: „Na, war’s schön?“ Daraufhin der: „Nein, da geh‘ ich nicht mehr hin, da kann man ja gar nicht umschalten!“

Montag, 19.30 Uhr, in einem Badezimmer in Friedenau

Die Mutter ist sehr stark erkältet und froh, dass sich der Tag dem Ende zuneigt, denn sie ist mit ihren Kräften am Ende und die Stimme kurz vor dem Versagen. Das abendliche Leseritual wollen die Kinder (zwei, vier und neun Jahre alt) aber trotz mütterlicher Schwäche auf keinen Fall missen. Daher befiehlt die Älteste ihren jüngeren Geschwistern ganz streng: „Ruhe jetzt! Niemand darf mehr mit Mama reden! Sie braucht die Stimme schließlich noch für die Bücher!“

Dienstag, 18 Uhr, in einer Diele in Tempelhof

Der Vater war mit der Tochter (fünf Jahre alt) beim Sandalen einkaufen und hat mit ihr gleich auch noch ein sommerliches Kleid erstanden. Beides zieht die Kleine sofort nach dem Nachhausekommen noch einmal an und dreht sich begeistert vor dem Spiegel im Kreis. „Du siehst aber wirklich gut aus“, sagt die Mutter. Die Kleine (laut ausrufend): „Wieso denn gut? Ich finde mich soooo toll!“

Mittwoch, 15 Uhr, in einem Garten in Kleinmachnow

Es ist sonnig und warm, und die Mutter spendiert den Kindern deshalb eine Runde Eis am Stil. Jan (5) schleckt seins ganz genüsslich auf, läuft dann zu seiner Mutter und reicht ihr den leeren Holzstil mit den Worten: „Hier, Mama, das ist für dich. Jetzt mag ich nicht mehr.“

Mittwoch, 17 Uhr, in einem Flur in Reinickendorf

Die Schwestern (sieben und zehn Jahre alt) lieben sich heiß und innig, können sich aber auch ganz hervorragend zoffen. Dabei kommt es ab und an zu auch schon mal zu Handgreiflichkeiten. Vor kurzen hat die jüngere der Schwestern eine Brille bekommen. Die Mutter hat ihr eingeschärft, sehr gut darauf aufzupassen, weil das Gestell sehr empfindlich sei. Das hat auch die Ältere mitbekommen. Daher baut sie sich nun, wieder mal im Zorn, drohend vor der Jüngeren auf und schreit sie an: „Nimm sofort die Brille ab! Und zwar so-fort! Ich will dir nämlich eine scheuern!“

Donnerstag, 7.30 Uhr, an einem Frühstückstisch in Mitte

Eine ausnehmend gut gelaunte Sechsjährige sitzt vor ihrer Cornflakes-Schüssel und schaut munter in die Runde. „Warum strahlst du denn heute so?“, fragt die Mutter ein bisschen erstaunt, weil die Tochter sonst morgens gern ein bisschen muffelig und wortkarg ist.

Das Mädchen: „Ich habe total gut geschlafen und hatte heute Nacht überhaupt keine Angst vor Gespenstern und Monstern.“

„Pah“, meint die ältere Schwester abschätzig, „seit wann hast du denn Angst gehabt?“

Daraufhin die Sechsjährige, ganz wichtig: „Davon hast du ja mal überhaupt keine Ahnung. Ich habe schon Angst seit überübermorgen!“

Freitag, 16 Uhr, in einem Wohnzimmer in Hermsdorf

Der kleine Tilman (2) hat Husten und muss deshalb regelmäßig inhalieren. Um ihn bei der Stange zu halten, machen die Eltern während des Inhalierens den Fernseher an. Den Zusammenhang hat Tilman schnell kapiert. „Injala! Injala!“, ruft er an diesem Nachmittag und positioniert sich schon mal vor der Mattscheibe. Der Vater, gerade beim Zeitung lesen, schaut Tilman fragend an. Der hustet, grinst und rennt lachend weg.

Sonnabend, 15 Uhr, auf einem Spielplatz in Schöneberg

Ein kleines Mädchen bietet einem kleinen Jungen großzügig ihr Sandspielzeug an. Die beiden beginnen zusammen zu spielen. Die Mutter des Jungen zu dem Mädchen: „Bist du die kleine Schwester von Julius?“ Das Mädchen zuckt die Schultern. Die Mutter weiter: „Wie heißt du denn?“ „Maja“, sagt das Mädchen. Die Frau: „Und mit Nachnamen?“ Das Mädchen überlegt, dann sagt sie: „Drei Jahre.“

Diesmal aufgeschnappt und aufgeschrieben von Nicole Dolif, Beatrix Fricke, Christa Hüther, Angelika Schneider und Jutta Schünemann.

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