Bildung

„Wir brauchen gemeinsame Erlebnisse“

Sarolta Szabo (32) ist eine der beiden Sprachmittlerinnen, die an der Hans-Fallada-Schule arbeiten.

Sie spricht Rumänisch und Ungarisch. Szabo ist Lehrerin, sie hat in Rumänien studiert. Sie lebt seit 2003 in Berlin und hat dort auch noch Theaterwissenschaften und niederländische Philologie studiert. Regina Köhler sprach mit ihr über ihre Arbeit mit den Roma-Familien.

Berliner Morgenpost:

Frau Szabo, warum kommen die Roma-Familien nach Berlin?

Sarolta Szabo:

Die meisten haben zwei wesentliche Gründe. Zum einen wollen sie ihren Kindern eine bessere Zukunft garantieren, wozu für sie eine gute Ausbildung gehört. Zum anderen kommen sie aus wirtschaftlichen Erwägungen. Zu Hause ist es ihnen sehr schlecht ergangen.

Welche Hilfe brauchen die Familien am dringendsten, wenn sie hier ankommen?

Das Wichtigste für sie ist es, eine Wohnung zu finden. Doch das ist ein großer bürokratischer Akt. Da die meisten kein Deutsch sprechen, ist es sehr schwierig für sie. Nicht selten lassen sie sich deshalb darauf ein, eine Wohnung schwarz zu mieten. Das sind dann meist heruntergekommene Wohnungen, die überteuert vermietet werden. Unsere Familien, die in der Nähe der Fallada-Schule leben, haben es da wesentlich besser. Fast alle wohnen in dem Komplex an der Harzer Straße 65-69. Die Häuser gehören Benjamin Marx. Vor knapp einem Jahr hat er das Gebäude für die Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft gekauft, ein Unternehmen, das sich zu christlichen Werten wie Nächstenliebe bekennt. Die Wohnungen sind saniert, es gibt Beratungsangebote und Kinderbetreuung, Deutschkurse für Eltern und gesundheitliche Aufklärung. So gut wie jetzt ist es diesen Menschen noch nie gegangen.

Was sind Ihre Aufgaben als Sprachmittlerin?

Ich unterrichte die Roma-Klasse, in der die Schulanfänger starten. Die Kinder bleiben solange in dieser Klasse, bis sie gut genug Deutsch sprechen, dann kommen sie in eine reguläre Gruppe des jahrgangsübergreifenden Lernens. Einen großen Teil meiner Tätigkeit nimmt die Arbeit mit den Eltern ein. Schriftliche Informationen kommen bei ihnen nicht an, weil sie kein Deutsch verstehen. Doch selbst wenn wir ihnen auf Rumänisch schreiben, reagieren sie nicht, weil sie oft weder lesen noch schreiben können. Wir müssen deshalb sehr viel mündlich erledigen, direkt in Kontakt treten. Das kostet viel Zeit.

Wie werden die Roma-Kinder von den anderen Kindern aufgenommen?

Man merkt vor allem in den Pausen, dass es schwierig ist. Die türkischen und arabischen Kinder sind oft von den Vorurteilen ihrer Eltern geprägt. Sie beschimpfen die Roma-Kinder und streiten mit ihnen. Wir müssen stärker aufklären, brauchen gemeinsame Projekte. Wir haben schon mit den Kindern gekocht, sind zusammen weggefahren. Leider nicht regelmäßig.