Dinge des Lebens

Nicht ohne meinen Kuschelaffen

Gina Rösch, 21 Jahre, angehende Erzieherin aus Rudow

Einen Platz in ihrem Bett hat Charly heute nicht mehr. Er sitzt lieber ganz gemütlich auf dem Regal. Gut sichtbar. Aber sollte es im Haus mal brennen, „dann ist Charly auf jeden Fall der Erste, den ich retten würde“, sagt Gina Rösch und lacht. „Meine Eltern, meine Schwester und unser Hund können ja auch alle selber laufen.“

Der kuschelige Affe Charly teilt mit Gina das Zimmer, seit sie vier Jahre alt ist. „Mein Vater hat ihn mir damals geschenkt“, sagt die 21-Jährige, „es war das erste und einzige Mal, dass nur wir zwei zusammen verreist sind.“ In den Skiurlaub nach Österreich sollte es gehen. Mutter und Schwester konnten nicht mit, weil die ältere Schwester schon zur Schule ging und gerade keine Ferien waren. „Das Taxi hielt vor dem Haus, wir verabschiedeten uns von Mama und meiner Schwester und stiegen ein“, sagt Gina. „Und bevor im Auto der Abschiedsschmerz aufkommen konnte, holte mein Vater den plüschigen Affen hervor.“ Gina nahm ihn in den Arm - und ließ ihn nicht mehr los.

Etwa 30 Zentimeter ist Charly groß. Ginas Vater sah den süßen Affen in einem Spielwarenladen in Buckow. Da saß er zwischen all den anderen Stofftieren mit seinen blanken Augen und aus ganz weichem Plüsch. Heute ist das früher so flauschige Fell ein bisschen strubbelig und abgeliebt. Auch die Affennase sieht mitgenommen aus. Sie ist schief und der Stoff wird mit ein paar groben Stichen zusammengehalten. „Das war unser Hund Sammy“, sagt Gina, „er hat ihn mal zu fassen bekommen, als er noch jung war.“ Die Nase hat er ihm zerkaut, das Fell vollgesabbert. Gina war verzweifelt. Sehr wütend auf Hund Sammy - den sie aber ja eigentlich auch liebt. „Das war ein echter Zwiespalt für mich“, sagt Gina, „meine Mutter hat Charly dann in die Waschmaschine gesteckt.“ Danach war er wieder sauber - aber nicht mehr ganz so flauschig.

Ginas Liebe tat das keinen Abbruch. Charly musste überall hin mit. In den Urlaub nach Spanien, Griechenland, Portugal und in die USA. Charly ging zu jeder Übernachtung mit und fuhr mit auf Klassenreise. „Ich brauchte ihn zum Einschlafen“, sagt Gina. „Ich habe ihn immer abends im Bett ganz fest in den Arm.“ Nur einmal, da war Gina etwa sieben Jahre alt, entschied sie sich, in den Sardinien-Urlaub nicht ihren alten Charly, sondern das neue Känguru mitzunehmen. „Es war so toll und neu“, sagt Gina. Aber schon kurz nach der Ankunft vermisste sie ihren Charly schrecklich. „Ich hatte auch ein richtig schlechtes Gewissen ihm gegenüber.“ Danach war klar: Als erstes landet immer Charly im Urlaubsgepäck.

Mittlerweile hat Gina schon eine Reihe Urlaube ohne Charly hinter sich. „Aber trotzdem ist es immer noch schön, nach Hause zu kommen und Charly sitzt da auf dem Regal und wartet auf mich“, sagt Gina. Und sie weiß auch schon, wer als einer der ersten im Umzugskarton verschwindet, wenn sie nach ihrer Ausbildung zu Hause auszieht: Affe Charly.

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