Kinder Kinder

Aufgeschnappt und aufgeschrieben

Sonntag, 11 Uhr, in einer Wohnung in Kreuzberg

Die Mutter betritt das Zimmer des sechsjährigen Sohnes. Erschrocken ruft sie: "Warum liegt denn hier so ein riesiger Berg Klamotten auf dem Fußboden?" Daraufhin der Junge, wie selbstverständlich: "Das ist alles dreckig und muss gewaschen werden." Die Mutter: "Aber warum wirfst du die Klamotten dann nicht in den Wäschekorb?" Der Junge: "Das kann ich nicht. Bei mir ist das Veranlagung. Das ist wie bei Papa."

Nicole Dolif

Sonntag, 16 Uhr, in einem Eiscafé in Kreuzberg

Der zwölfjährige Karl ist bei seinem Onkel zu Besuch. Bei Vanilleeis und Kakao führen sie "Männergespräche". Der Onkel: "Was ist eigentlich mit den beiden Mädchen, die du zu deinem Geburtstag eingeladen hattest?" Karl: "Du meinst Luise und Hanna?" Der Onkel: "Ja genau. Die eine war wild, die andere brav. Aber du scheinst dich ja mit beiden gut zu verstehen..." Die ganze Familie hatte schon über eine mögliche Liebelei diskutiert. Karl verdreht die Augen: "Nee, die treffe ich beide nicht mehr so." Onkel: "Aber warum denn nicht?" Karl: "Na, da ist ja jetzt diese Sache mit der Pubertät."

Anne Klesse

Montag, 19 Uhr, an einem Abendbrottisch in Charlottenburg

Die Erstklässlerin ist bestens gelaunt. "Heute haben wir uns in der Schule den Menschen angeschaut." Die Mutter runzelt die Stirn: "Aha. Euch selber oder gab es ein Bild?" Darauf das Mädchen: "Zwei ganz große Bilder. Einen Mann und eine Frau. Und es gab auch ein paar Körperteile, die ich noch gar nicht kannte." Die Mutter: "Tatsächlich? Welche denn?" Tochter: "Die Gurke zum Beispiel." Mutter (irritiert): "Die was?" Das Mädchen (leicht ungeduldig) fasst sich an die Gurgel: "Na, die Gurke, das hier am Hals."

Nicole Dolif

Dienstag, 15 Uhr, auf einem Spielplatz in Schöneberg

Ein Junge, etwa sechs Jahre alt, und ein Mädchen, etwa vier Jahre alt, stehen mit ihren Fahrrädern am Rand des Spielplatzes. Sie überlegen, was sie als nächstes spielen wollen. Das Mädchen zum Jungen: "Ich möchte auf die Rutsche." Der Junge: "Ach nee." Das Mädchen: "Dann zur Seilbahn. Das macht immer Spaß." Der Junge: "Ich habe eine bessere Idee. Wir fahren mit den Rädern die Büsche kaputt." Das Mädchen (ungläubig): "Nein, warum das denn?" Der Junge: "Weil's Spaß macht!" Das Mädchen: "Das finde ich nicht. Wenn du das machst, sage ich das dem Osterhasen, dann bringt der dir nichts." Der Junge (leicht überheblich): "Mach doch. Der Osterhase ist doch eh nur Mama."

Nicole Dolif

Mittwoch, 16 Uhr, auf einer Straße in Spandau

Die Familie will zum Einkaufen. Die Kinder unterhalten sich. Der Neunjährige zu seiner siebenjährigen Schwester: "Sagt ihr eigentlich 'Du' oder 'Sie' zu eurer Lehrerin?" Die Schwester: "So was machen wir nicht. Wir sagen 'Frau Müller'." Er: "Ja, aber sagst du zu ihr 'Gib mir mal bitte eine Schere' oder 'Geben Sie mir mal eine Schere'?" Die Schwester: "Ich sage doch, wir machen so was nicht. Wir holen uns unsere Scheren immer selbst aus dem Bastelkorb."

Guido Fehling

Donnerstag, 18 Uhr, in einer Küche in Potsdam

Die Mutter steht am Tisch und schält Kartoffeln. Die fertig geschälten wirft sie in einen mit Wasser gefüllten Topf. Aber noch ist der Berg der ungeschälten Kartoffeln viel größer. Der kleine Sohn, vier Jahre alt, schaut interessiert zu. Plötzlich sagt er: "Mama, müssen alle Kartoffeln nackig sein?"

Beatrix

Fricke

Freitag, 16 Uhr, in einem Kinderzimmer in Rudow

Die fast Fünfjährige überlegt, wen sie zu ihrem Geburtstag einladen soll. Die Mutter sitzt mit Zettel und Stift daneben. "Mit Leon spielst du doch eigentlich immer gern." "Nee, nicht mehr", entgegnet das Mädchen. "Ach, warum denn nicht?" -"Seit klar ist, dass ich ihn nicht heiraten werde." - "Soso, und seit wann ist das klar?" - "Na, seit neulich. Da haben Emilia und ich uns versprochen zu heiraten. Wir verstehen uns einfach besser."

Nicole Dolif

Freitag, 20 Uhr, in einem Kinderzimmer in Charlottenburg

Tochter (7) und Sohn (4) sind noch immer ganz begeistert von der zurückliegenden Weihnachtszeit. Die Große trällert "Hänsel und Gretel", allerdings in etwas abgewandelter Form, mit Begriffen, die sie auf dem Pausenhof gelernt hat. Sie singt ihren Bruder in den Schlaf: "Hänsel und Gretel verliebten sich im Wald. Es war so finster und bitter, bitter Kacke..."

Anne Klesse

Aufgeschnappt von Nicole Dolif, Guido Fehling, Beatrix Fricke, Sören Kittel, Anne Klesse. Haben Sie auch eine lustige oder denkwürdige Begebenheit mit Kindern erlebt? Schreiben Sie uns: familie@morgenpost.de