Mamas & Papas

Ein Kindergeburtstag mit Folgen

Wir fürchten uns vor dem Montag. Weil dann die Schule wieder losgeht.

Und weil wir dann erfahren, ob wir einem Mitschüler unserer Tochter den Urlaub verdorben haben. Vielleicht sogar mehreren Mitschülern. Und deren Familien.

Unsere Tochter hat nämlich ihren Geburtstag nachgefeiert - am Tag vor der Zeugnisausgabe. In der Schule lief nicht mehr viel an diesem Donnerstagnachmittag. Unser Plan: Kegeln im Dunkeln. Sieben Mädchen aus der Klasse waren eingeladen, unsere Tochter freute sich seit Wochen darauf. Sie hatte bei mir "Kalten Hund" und Kindercocktails bestellt, der MP 3-Player war randvoll mit "Cro"-Liedern, die Geburtstagsgarderobe stand auch fest. Da setzte am Mittwochabend bei mir das Fieber ein. 38,4. Kopf dicht. Gliederschmerzen. An "Kalten Hund" war nicht zu denken.

"Wollen wir den Geburtstag nicht absagen?", fragte mich mein Mann um 20.38 Uhr. Achtzehn Stunden vor Geburtstagsbeginn. "Zu spät", schniefte ich. "Dann komme ich früher von der Arbeit und übernehme die Fahrt zur Kegelbahn", sagte er. Das zweite Auto stellte die Mutter einer Mitschülerin, die uns netterweise half.

Am nächsten Morgen ging es mir immer noch genauso schlecht. Ich schleppte mich in die Küche und zwang mich, den "Kalten Hund" zu bereiten - der muss ja eine Weile im Kühlschrank stehen. Völlig erschöpft legte ich mich danach aufs Sofa und döste weg. Da klingelte das Telefon. Die Mutter der Schulfreundin rief an. "Oh-oh", jammerte ich ins Telefon, "mir geht's schlecht, ich glaub, ich hab' die Grippe." Sie sagte mir lauter nette, besänftigende Dinge, dann legten wir auf. Dann zwang ich mich, den Geburtstagstisch zu decken. Ein Elend, ein einziges elendiges Elend. Das Telefon klingelte wieder. Der Vater der Mitschülerin war dran. "Du hast die Grippe?" "Ja", röchelte ich. "Die Grippe!?", insistierte er heftig. Was meinte er? Es stellte sich heraus, dass seine Schwiegermutter kurz zuvor angerufen und von einer megaschweren Grippe, die gerade eben Berlin erreichte, berichtet hatte. Ein Hühner-Schweine-Affen-weiß-der-Kuckuck-was-Erreger. Jetzt wisse er nicht, ob er seine Tochter und seine Frau überhaupt zu unserem Geburtstag lassen wolle. Schon morgen gehe es in den Skiurlaub. Alles gebucht. Auch der Weihnachtsurlaub sei schon in die Hose gegangen, seine Tochter habe sich mit Magen-Darm durch Italien gequält. Auf den Scheiß habe er nicht noch mal Lust.

Konnte ich verstehen. Aber den Geburtstag abzusagen, hätte unserer Tochter das Herz gebrochen. Hoch und heilig versprach ich, mich von den Geburtstagsgästen fern zu halten. Ich stand vom Krankensofa auf und wischte alle Gabeln mit einem Handtuch ab - hoffend, so mögliche Keime wegzukriegen. Die Kinder kamen, ich hielt Distanz. Kein Händeschütteln, keine Umarmung. Alles ging prima, der Gatte machte die Arbeit, ich konnte mich ausruhen. Am nächsten Tag in der Schule, es war der Tag der Zeugnisausgabe, erschienen alle Geburtstagsgäste gesund und munter im Klassenzimmer.

Alle gesund? Nein, eine leider nicht. Unsere Tochter, das Geburtstagskind, hatte es erwischt. Die übergab sich kurz nach der Zeugnisverteilung in hohem Bogen im Klassenraum. Das Wilmersdorfer Fieberthermometer zeigte 39,9. Nun erwarten wir die Regressforderungen wegen ausgefallener Skiferien und geplatzter Skikurse. Tut uns leid, wirklich leid!

Kommende Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher.