Kinder Kinder

Aufgeschnappt und aufgeschrieben

Sonntag, 10 Uhr, eine Küche in Schöneberg

Eine Familie sitzt am Tisch. Der Vater streckt sich und stöhnt: "Meine Güte, bin ich verspannt. Ich müsste dringend mal wieder Sport machen." Die achtjährige Tochter (Turnerin): "Dann geh' doch einfach mit mir zum Training." Der Vater, entsetzt: "Du liebe Zeit, nein, schon bei dem Gedanken an die Verrenkungen, die ihr da macht, bekomme ich einen Muskelfaserriss." Die Tochter: "Quatsch, bekomme ich doch auch nicht." Der Vater: "Aber du lässt dich da ja auch verbiegen, seit du ganz jung bist." Das Mädchen: "Ich hab da mit sechs Jahren angefangen. Da ist man doch nicht mehr ganz jung."

Nicole Dolif

Montag, 7.30 Uhr, ein Hausflur in der Gropiusstadt

Zwei Geschwister, er 18, sie 15 Jahre alt, warten auf den Aufzug, schweigend.

Der Aufzug kommt, sie steigen ein und er brüllt seine Schwester an: "Warum hast du Mutti erzählt, wann ich am Sonntag nach Hause gekommen bin?" Sie grient ihn an und sagt: "Hab' ich doch gar nicht. Ich habe nur gesagt, dass ich nicht auf die Uhr sehen konnte, weil ich gerade am Frühstücken war."

Christa Hüther

Dienstag, 20.30 Uhr, ein Wohnzimmer in Charlottenburg

Seit einer Viertelstunde versucht die Mutter, ihre vierjährige Tochter zu überreden, sich endlich bettfertig zu machen. Doch die Kleine spielt ganz versunken weiter mit Playmobil-Figuren. Die Mutter wird langsam ungehalten. "Es reicht jetzt. Bitte zieh' jetzt deinen Schlafanzug an. Wir müssen morgen früh raus." "Gleich. Nur noch schnell den Schultag zu Ende spielen", versucht das Mädchen zu verhandeln. "Nein", sagt die Mutter entschieden. "Sofort."

Maulig macht sich das Mädchen auf den Weg ins Kinderzimmer. Nach ein paar Minuten steht sie wieder im Wohnzimmer - den Schlafanzug hat sie sich kurzerhand über ihren Rock und den Pullover gewurschtelt.

"Was soll das denn jetzt?", fragt die Mutter entsetzt. Die Kleine grinst. "Na, ich hab' das gemacht, was du gesagt hast: meinen Schlafanzug angezogen. Du hast ja nicht gesagt, dass ich mich vorher ausziehen soll."

Nicole Dolif

Mittwoch, 16 Uhr, ein Garten in Rudow

Das geliebte Kaninchen namens Schnucki ist verstorben. Nun stehen die Mutter und ihre beiden Töchter, vier und acht Jahre alt, mit dem liebevoll bemalten Sarg - ein Schuhkarton - im Garten, der Vater gräbt ein Loch. Beide Kinder weinen. Die Mutter stellt den Karton in das Loch, dann werfen alle Erde darauf, bis er vollständig bedeckt ist. "Jetzt bekommt das Grab von Schnucki noch einen schönen Grabstein", sagt die Mutter. Die Kinder nicken. Plötzlich sagt die Kleine: "Vielleicht wächst da jetzt auch ein neuer Hase."

Nicole Dolif

Donnerstag, 15 Uhr, U-Bahnhof Eisenacherstraße

Eine Mutter steht mit ihrem etwa sechsjährigen Sohn am Fahrkartenautomat. Immer wieder steckt sie einen Fünf-Euro-Schein in das Gerät. Doch er kommt immer wieder heraus. Sie versucht es mit Münzen. Es klappt auch nicht. "Verdammter Mist", sagt die Mutter. Da fährt die U-Bahn ein. Die Mutter überlegt kurz. Dann nimmt sie ihren Sohn an die Hand und sagt: "Los, komm, wir fahren jetzt ohne Fahrschein." Der Junge (sehr entsetzt und sehr laut): "Mama, das geht nicht. Du bist ja Schwarzfahrerin. Und das ist kriminell."

Nicole Dolif

Diesmal aufgeschnappt und aufgeschrieben von Nicole Dolif und Christa Hüther. Haben auch Sie eine lustige oder denkwürdige Begebenheit mit Kindern erlebt? Dann schreiben Sie uns doch: familie@morgenpost.de