Sprechstunde

Muss ich mein Erbe durch Gütertrennung absichern?

Ich habe zusammen mit meiner Schwester ein großes Mietshaus in Mitte geerbt. Meine Schwester meint, ich müsse mit meinem Mann Gütertrennung vereinbaren, damit das Haus nicht unter den Hammer kommt, wenn meine Ehe auseinander gehen sollte. Ich bin seit fünf Jahren verheiratet und es gibt keine Anzeichen dafür, dass unsere Ehe in eine Krise kommen könnte. Einen Ehevertrag haben wir bisher nicht, weil wir auch kaum Vermögen haben. Hat meine Schwester Recht?

(Renate S., Charlottenburg)

Ihre Frage lässt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Die Antwort hängt vor allem davon ab, welche Vorstellung Sie und Ihr Mann von der Vermögensverteilung in der Ehe haben.

Für die Ehe mit Ihrem Mann gilt, solange Sie keinen Ehevertrag geschlossen haben, der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Oft wird angenommen, dass bei der Zugewinngemeinschaft alle Vermögensgegenstände den Eheleuten gemeinschaftlich gehören würden. Das ist aber nicht der Fall. Bei der Zugewinngemeinschaft bleibt das Vermögen der Eheleute vollständig voneinander getrennt, so wie das bei einer Gütertrennung auch der Fall ist. Das Haus gehört also nur Ihnen und Ihrer Schwester.

Die Zugewinngemeinschaft erlangt eine Bedeutung erst dann, wenn die Ehe geschieden wird. Dann muss für jeden ermittelt werden, um wie viel sein Vermögen während der Ehe zugenommen hat. Das ist der Zugewinn. Wer den höheren Zugewinn erwirtschaftet hat, muss dem anderen einen Ausgleich zahlen, damit beide mit einem gleich hohen Zugewinn aus der Ehe herausgehen. Das Mietshaus, das Sie geerbt haben, ist allerdings nicht Teil dieses Zugewinns. Alles, was Sie während der Ehe erben, wird bei der Berechnung des Zugewinns so behandelt, als hätten Sie es schon bei der Eheschließung besessen. Deshalb müssen Sie Ihrem Mann im Falle der Scheidung auch keinen Ausgleich für dieses Haus bezahlen.

Wenn es erst in vielen Jahren zu einer Scheidung kommen sollte, dann bleibt das Mietshaus bei der Berechnung des Zugewinns allerdings doch nicht völlig außer Betracht. Es wird so behandelt, als hätten Sie das Haus schon bei der Eheschließung besessen. Allerdings wird es dabei nur mit dem Wert angesetzt, den es beim Erbfall hatte. Es kann durchaus sein, dass das Haus in den folgenden Jahren eine Wertsteigerung erfährt, weil allgemein Immobilien im Wert steigen. Soweit sich der Wert nur nominell erhöht hat, weil das Geld weniger wert geworden ist, ist diese scheinbare Wertsteigerung kein Zugewinn. Wenn es sich aber um eine echte Wertsteigerung handelt, die nicht nur durch die Inflationsrate verursacht ist, gilt sie als Zugewinn. Es ist deshalb möglich, dass Sie diese Wertsteigerung im Wege des Zugewinnausgleiches mit Ihrem Mann teilen müssen. Nur um diesen Zugewinn kann es gehen, wenn Sie über Gütertrennung nachdenken. Sie müssen sich mit Ihrem Mann darüber einig werden, ob Sie einen solchen Zugewinnausgleich gerecht finden oder nicht.

Natürlich führt der Zugewinn nicht automatisch dazu, dass das Haus unter den Hammer kommt. Wenn es nur darum geht, die Wertsteigerung auszugleichen, werden Sie möglicherweise auch eine andere Lösung finden, um den Ausgleich zu bezahlen. Ihre Schwester muss sich aber bewusst sein, dass ihr ein Verkauf oder auch eine Versteigerung des Hauses immer droht, ganz unabhängig von der Ehe mit Ihrem Mann. Weder Ihre Schwester noch Sie können erwarten, dass die Eigentümergemeinschaft auf Dauer bestehen bleibt. Jeder von Ihnen kann verlangen, dass das Haus verkauft und der Erlös verteilt wird. Anstatt mit Ihrem Mann Gütertrennung zu vereinbaren, ist es deshalb vermutlich wichtiger, dass Sie mit Ihrer Schwester eine Verabredung darüber treffen, was zukünftig mit dem Haus geschehen soll. Darüber können Sie einen Vertrag schließen.

Wenn Sie auch eine Rechtsfrage haben, schreiben Sie an: familie@morgenpost.de

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht