Kinder Kinder

Aufgeschnappt und aufgeschrieben

Montag, 7 Uhr, in einer Küche, Schöneberg

Die Kinder unterhalten sich am Frühstückstisch über Fremdsprachen. Die elfjährige Tochter erzählt, dass eine Freundin als zweite Fremdsprache jetzt Spanisch lernt und fragt die Mutter: "Ist das besser als Französisch?"

Mutter: "Na, besser kann man nicht sagen, aber mehr Menschen auf der Welt sprechen Spanisch."

Tochter: "Aber die meisten Menschen sprechen doch Aprikose, oder?"

Mutter: "Was bitte?"

Tochter: "Na, Chinesisch, das heißt doch Aprikose."

Annette Kuhn

Mittwoch, 17 Uhr, vor einem Haus in Charlottenburg

Zwei Achtjährige sitzen nebeneinander auf einer Stufe und reden. Der Erste: "Ich weiß genau: Ich will nie S-E-X machen."

Der Zweite: "Aber wenn du mal Kinder haben willst, dann musst du."

Der Erste macht Würgegeräusche und schüttelt dazu energisch den Kopf. Der Zweite: "Anders geht das nicht. Glaubst du, für mich wird das später toll? Aber da muss man sich eben zusammenreißen."

Anette Nayhauß

Donnerstag, 16.30 Uhr, vor einer Schule in Charlottenburg

Die Mutter hat den Sechsjährigen gerade aus dem Hort abgeholt und fragt: "Hast du denn heute alle Hausaufgaben fertig?" Der Junge verneint und hat auch eine gute Begründung: "Mathe macht mir so einen Spaß. Da hab ich mir extra noch Aufgaben für morgen übrig gelassen."

Anette Nayhauß

Donnerstag, 16 Uhr, ein Spielplatz in Schöneberg

Zwei Schwestern, etwa acht und fünf Jahre alt, hocken im Spielhaus und streiten sich. Die Große: "Ich kenne Mama schon länger als Du." Die Kleine: "Das ist gar nicht wahr. Ich kenne sie mein ganzes Leben." Die Große: "Ich auch, aber ich lebe schon viel länger als du." Die Mutter schaltet sich ein. "Das ist doch jetzt wirklich völlig egal", sagt sie. Ihr kennt mich beide schon so lange, wie ihr auf der Welt seid." Einen Moment ist Ruhe. Dann sagt das größere Mädchen: "Aber ich war auch zuerst in Mamas Bauch." Die Kleine zieht eine Schnute und denkt angestrengt nach. Dann lächelt sie und sagt: "Dafür hatte ich es in Mamas Bauch gemütlicher, weil er schon von dir ausgeleiert war."

Nicole Dolif

Freitag, 18 Uhr, ein Restaurant in Kreuzberg

Eine Familie mit zwei Kindern, vier und sieben, sitzt am Tisch. Alle lesen in der Karte - vor allem das jüngste Familienmitglied blättert angestrengt. Dann sagt die Mutter: "Ich glaube, ich möchte Hefeklöße essen." Die Kleine schaut irritiert hoch und sagt: "Und wobei helfen die dir?"

Nicole Dolif

Sonnabend, 16 Uhr, ein Schwimmbad in Schöneberg

Ein etwa fünfjähriges Mädchen knöpft sich die Hose zu. "Fertig", sagt es stolz, denn es hat sich ganz allein angezogen. Die Mutter lobt: "Das hast du wirklich super gemacht." Darauf die Kleine: "Ich weiß. Aber mit den Schuhen musst du mir helfen. Mit denen komme ich nicht klar, kannst du die für mich zuschleifen?"

Nicole Dolif

Sonnabend, 18 Uhr, vor einem Haus in Rudow

Der Vater steigt aus dem Auto, er war den ganzen Tag unterwegs, um einem Freund beim Umzug zu helfen. Er sieht müde aus, trägt Arbeitsklamotten und ist unrasiert. Seine vierjährige Tochter läuft ihm entgegen. "Endlich bist du da", ruft sie. Er nimmt sie auf den Arm und ihre Wange streift die Bartstoppeln. "Aua", sagt sie und reibt sich das Gesicht, "du bist heute aber wieder scharf, Papa."

Nicole Dolif

Sonntag, 14 Uhr, in der U 7 Richtung Spandau

Eine Mutter sitzt mit ihrer kleinen Tochter auf einer Sitzbank in der U-Bahn. Gegenüber nimmt eine ältere Dame Platz. Das Mädchen plappert fröhlich vor sich hin, die Mutter schaut aus dem Fenster. Nach ein paar Minuten sagt die ältere Frau zu dem Mädchen. "Du bist aber schon toll groß. Wie alt bist du denn?"

Das Mädchen streckt der Frau stolz vier Finger hin.

Darauf die Frau: "Ach so. Wie viel ist denn das?"

Das Mädchen (entrüstet): "Das musst du doch wissen, du bist doch schon ganz groß."

Nicole Dolif

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