Sprechstunde

Wie viel Unterhalt bekommen die erwachsenen Kinder?

Meine Frau hat nach langer Trennung die Scheidung beantragt. Dafür müssen jetzt die wirtschaftlichen Dinge geklärt werden. Es sieht so aus, dass ich mich mit meiner Frau einigen kann. Meine Frau hat einen Anspruch auf Unterhalt, weil sie nicht berufstätig ist. Ich bin Geschäftsführer eines Bauunternehmens mit einem einigermaßen guten Einkommen. Nun stellt sich aber die Frage, was meine Kinder zu bekommen haben. Meine Tochter ist 18 Jahre alt und macht im nächsten Jahr Abitur. Sie wohnt bei der Mutter. Unser Sohn studiert in München.

(Klaus W., per E-Mail)

Wenn Sie sich mit Ihrer Frau über die Scheidungsfolgen einigen wollen, dann wird das vermutlich ein notariell beurkundeter Vertrag. Es ist anzunehmen, dass Ihre Frau erwartet, dass in diesem Vertrag auch der Kindesunterhalt geregelt wird, und deshalb stellen Sie die Frage, welche Ansprüche Ihre Kinder haben. Eigentlich gehört aber der Kindesunterhalt nicht in eine Vereinbarung zwischen den Eltern, die sich scheiden lassen. Der Vertrag ist notwendig, weil Sie mit Ihrer Frau einen Konflikt haben. Mit Ihren Kindern haben Sie aber keinen Konflikt und brauchen deshalb normalerweise auch keinen Vertrag. Solange Ihre Kinder minderjährig waren, war es Sache der Eltern, den Unterhaltsbedarf der Kinder zu regeln. Ihre beiden Kinder sind aber erwachsen. Seitdem müssen sich die Eltern unmittelbar mit den Kindern über den Unterhalt verständigen. Das ist nicht mehr eine Sache der Eltern untereinander. Sie sollten deshalb den Kindesunterhalt aus dem notariellen Vertrag mit Ihrer Frau heraushalten.

Wenn Ihre Ehe nicht geschieden würde, dann würden Sie sich vermutlich mit Ihren Kindern darauf verständigen, welchen Wechsel sie zu bekommen haben. Möglicherweise ist es aber hilfreich zu wissen, was ein Gericht entscheiden würde, wenn der Kindesunterhalt streitig würde. In diesem Fall sind die Ansprüche Ihrer Tochter, die noch im Hause der Mutter wohnt, und der Unterhalt des studierenden Sohnes ganz unterschiedlich zu ermitteln. Der Unterhalt der volljährigen Tochter richtet sich noch nach der Düsseldorfer Tabelle, solange sie zur Schule geht und bei der Mutter wohnt. Die Höhe des Unterhaltes ist also abhängig von der Höhe des Einkommens ihrer Eltern. Dabei kommt es aber, anders als bei minderjährigen Kindern, nicht mehr allein auf das Einkommen des Vaters an, sondern auf das Einkommen beider Eltern. Den Unterhalt müssen Vater und Mutter anteilig aufbringen. Die Anteile sind nicht gleich groß, sondern richten sich nach der individuellen Leistungsfähigkeit eines jeden Elternteils. Wenn allerdings die Mutter nicht berufstätig ist, zahlt der Vater den Unterhalt allein. Für den studierenden Sohn, der auswärts wohnt, ist der Unterhaltsanspruch unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Oberlandesgerichte haben sich für einen Studenten auf einen festen Betrag geeinigt. Das sind monatlich 670 Euro. Hierfür muss zunächst das staatliche Kindergeld verwendet werden. Den Rest müssten Sie als Vater aufbringen.

Die Unterhaltszahlung, die für Ihre Tochter bestimmt ist, leisten Sie seit der Volljährigkeit nicht mehr an die Mutter, sondern unmittelbar an die Tochter. Es ist dann Sache von Mutter und Tochter, eine Einigung darüber zu finden, wie viel die Tochter als Kostgeld zu Hause abgibt.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht