Blindenführhund

Ein Stück Freiheit: Karina & Portis

Du bist anders als ich - das ist gut

Wenn der Golden Retriever Portis sein Frauchen Karina Wuttke in seinem Führhundegestell durch die Steglitzer Schlossstraße lotst, hat er meist ein Ziel: den Juwelier im Einkaufszentrum. "Portis geht sehr gern shoppen", sagt Karina Wuttke und lacht. "Vielleicht möchte er, dass mein Freund und ich uns Eheringe kaufen?" Portis bellt zustimmend.

Für die blinde Karina Wuttke ist der fünfjährige Portis ein guter Freund, der ihr neben Geselligkeit auch Freiheit schenkt. "Jede Ampel, über die mich Portis herüberbringt, jedes Hindernis, das er meistert, stärkt unsere Bindung unwahrscheinlich", sagt die 35-Jährige. An der Blindenführhundeschule lernte der Rüde über 40 Hörlaute, so dass er Karina Wuttke problemlos zu Eingängen, Sitzgelegenheiten, Briefkästen und Ampeln führen kann.

Karina Wuttke will ihrem vierbeinigen Freund viel zurückgeben. "Mir ist wichtig, dass er seine Freizeit hat. Deshalb spielen wir viel zusammen, spazieren am See und ich massiere ihn zur Entspannung.", erzählt die gelernte Erzieherin, die heute als PR-Beraterin arbeitet.

Seit ihrer ersten Begegnung vor drei Jahren funktioniert es zwischen den beiden. Wenn Karina Wuttke erzählt, schaut Portis sie immer wieder neugierig an. Er ist ein ruhiger, interessierter Hund. Als vorsichtigen und klugen Begleiter bezeichnet ihn Karina Wuttke. Doch auch er kommt an Grenzen. Die vergangenen kalten Winter waren eine Herausforderung für das Duo, da die Schneemassen um die Ampelmasten und an den Bordsteinen so hoch aufgetürmt wurden, dass Portis weder Wege noch Straßenübergänge fand. "Für Portis waren das Hindernisse. Er wusste nicht, ob er über den Schnee laufen kann oder ob er ihm ausweichen muss", erinnert sich Karina Wuttke. So musste oft fremde Hilfe her.

"Durch Portis lerne ich, auch mit Menschen geduldiger zu sein. Viele Freundschaftspaare scheitern im Leben, weil sie sich nicht genügend Zeit füreinander nehmen und schon bei den ersten Schwächen davon laufen. Ich kann das nicht. Wenn man bei einem Hund davon läuft, dann landet das arme Tier im Tierheim", sagt Karina Wuttke.

Im Alter von zehn Jahren gehen Blindenführhunde in Pension. Doch Karina Wuttke wünscht sich, dass Portis auch dann noch als Familienhund bei ihr weiterlebt - auch wenn dann ein anderer Blindenführhund zu ihr kommen wird.