Integration

Mädchen-Freundschaft auf Augenhöhe: Blanka, Elena & Zoe

Du bist anders als ich - das ist gut

Eine lang haltende Freundschaft: Das erhoffen Christian und Iwonne Meier für ihre Tochter Blanka und deren beste Freundin Elena. Die beiden Mädchen besuchen die zweite Klasse einer Kreuzberger Integrationsschule, in der 26 Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet werden. Blanka kam mit dem Downsyndrom zur Welt und wird deshalb im Unterricht mehr unterstützt. Elena braucht diese Förderung nicht. Die Freundinnen lernen den Schulstoff dank des integrativen Schulkonzepts fast immer gemeinsam. Elena erklärt geduldig, wenn Blanka etwas nicht versteht. Andersherum macht Blanka ihrer Freundin Mut, wenn die Schulaufgaben schwierig aussehen - gerade in Mathe.

In ihrer Freizeit übernachten die Freundinnen oft beieinander, treffen sich zum Spielen und gehen ab und zu zusammen reiten. Elena erklärt sofort, warum das Reiten so wichtig für Blanka ist: "Da lernt sie, das Gleichgewicht zu halten. Blanka ist auch schon Galopp geritten, das kann sie richtig gut." Auch im Kindertheater waren die beiden Freundinnen schon gemeinsam. "Elena mochte Blanka von Anfang an", sagt Iwonne Meier. "Als meine Tochter mal im Krankenhaus war, hat vor allem Elena sie sehr vermisst."

Als Blanka vor einem Jahr eingeschult wurde, kamen Zoe und Nurea als Patinnen an Blankas Seite. Auch sie freundeten sich schnell mit ihr an. Obwohl die beiden Mädchen jetzt in eine höhere Klasse gehen, verbringen die Kinder nach wie vor viele Pausen zusammen. Jetzt ist Blanka selber Patin für eine Erstklässlerin, zusammen mit Elena. "In den Pausen soll jeder sein Patenkind zum Spielen mitnehmen, damit es nicht alleine ist", sagt Blanka. Gemeinsam helfen sie den Patenkindern auch im Unterricht.

Wenn die Kinder in den Schulstunden gut mitmachen, dürfen sie in den Pausen in das Bällebad der Schule. Oder sie gehen gemeinsam in die Leseecke. "Da stapelt Blanka oft die Bücher oder sie räumt im Bällebad auf. Aufräumen kann sie nämlich richtig gut", sagt Zoe. "Und das ,L' schreiben, das fällt ihr auch leicht", ergänzt Elena.

Wenn Blanka redet, spricht sie für Fremde meist zu undeutlich, als dass diese sie auf Anhieb verstehen würden. Ihre Freundinnen begreifen dagegen jedes Wort, wiederholen es sofort. Und wenn Blanka in der Schule nach der Pause keine Lust hat, wieder in den Unterricht zurückzukehren, schicken die Lehrer die Kinder runter. "Uns fällt immer ein Spiel ein, damit Blanka schnell mitkommt. Da müssen wir nie lange überlegen", erzählt Elena.

"Die Kinder kommen immer an Blanka ran", bestätigt Blankas Vater Christian Meier. "Sie sprechen unsere Tochter aber auch mal direkt an, wenn etwas nicht geht. Da sind beide Seiten sehr offen zueinander", ergänzt er. In seinen Augen sind Blankas Freundschaften vor allem sehr liebevolle Beziehungen. "Blanka ist sehr herzlich und kümmert sich gern", sagt er stolz.

Wenn seine Tochter in der Schule ankommt, geht sie auf alle Mitschüler fröhlich zu und umarmt ihre Freunde. Und Elena schätzt vor allem auch Blankas witzige Art. Da ist es nicht verwunderlich, dass Blankas Kinderzimmer mehrmals in der Woche voller Kinder ist. Dann spielen sie und ihre Freundinnen Memory oder Familie, malen zusammen oder schauen einen Film. "Wenn wir Familie spielen, will Blanka immer die Mutter sein und wir sind dann die Kinder. Dann spielen wir Haare waschen oder ins Bett bringen", berichtet Zoe lachend. Blanka nickt zustimmend.

Zu ihrem Geburtstag lud die Achtjährige nicht weniger als 18 Freunde ein. Blankas Eltern freuen sich, dass ihre Tochter die Besuche ihrer Freundinnen selbst organisiert und sie als Eltern gar nicht die Initiative ergreifen müssen. "Blankas Freundinnen werden sie nicht vergessen", sagt Mutter Iwonne Meier zuversichtlich: "Natürlich wird das anders sein, wenn die Mädchen fünfzehn sind. Aber ich hoffe, dass vor allem Elena für immer in Blankas Leben bleibt."