Partnerschaft

Ungleiche Freunde

Wer sagt, dass ein Größenunterschied von 38 cm zu viel ist? Zwischen Berlins größtem Volleyballer Robert Kromm und Freundin Kathleen passt es trotzdem. Vier Beispiele, wie sich Unterschiede überbrücken lassen - und das Leben bereichern

Den Überblick verliert Robert Kromm selten. Mit seiner Körpergröße von 2,12 Metern kann sich der 28-Jährige problemlos orientieren und jede Menschenmasse überblicken. "Mich finden alle wieder", scherzt der Volleyball-Nationalspieler. Seine Freundin Kathleen Walke findet das ganz praktisch. 38 Zentimeter trennen die beiden. "Ich gehe ihm bis zur Brust", sagt Kathleen (1,74 m) und lacht. Vor fünf Jahren lernten sich die beiden in einer Disko kennen. Robert fiel auf, Kathleen sprach ihn an, sie tanzten. Seitdem sind sie ein Paar, trotz anfänglicher Zweifel anderer. "Mir wurde geraten, mir das noch mal zu überlegen mit Robert", erzählt Kathleen. Eine Freundin stellte den Größenunterschied sogar mithilfe eines Stuhles nach. "Lächerlich", kommentiert die 28-jährige Berlinerin. Für das Paar ist der Größenunterschied nicht relevant. Kathleen findet große Männer attraktiv, Robert mag Frauen, die nicht unbedingt 1,90 Meter messen.

Gemeinsam lachen, gemeinsam traurig sein, Hilfsbereitschaft und ehrliche Ratschläge: Das wünschen sich Menschen von einem guten Freund an ihrer Seite. Gemeinsam will man durch dick und dünn gehen - und wenn es passt, dann ist es nebensächlich, ob der eine dick und der andere dünn ist. Der eine groß, der andere klein. Der eine behindert, der andere nicht behindert. Auch Alter, Bildung, Hautfarbe oder Kleidungsstil spielen keine Rolle. Wenn solche äußerlich verschiedenen Freundschaftspaare in der Öffentlichkeit auftauchen, müssen sie allerdings oft mit neugierigen, manchmal sogar abschätzigen Blicken rechnen.

Am schnellsten schließen wir Freundschaften als Kinder und Jugendliche. In diesem Alter stehen oft Gemeinsamkeiten im Vordergrund: die gleichen Hobbies, ähnliche schulische Interessen und Leistungen, dasselbe Alter. Doch gerade auch Gegensätze können zu engen Bindungen führen. "Eine gewisse Fremdheit ist aufregend und schafft Anreize", erklärt Psychologieprofessor Peter Walschburger. Unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen könnten sich ergänzen und daraus neue Möglichkeiten entstehen.

So ist es auch bei Käthe Wagner und Linda Weiß. Die beiden trennen 61 Lebensjahre, doch durch ihren Austausch fühlen sie sich sehr verbunden und bereichert. Die achtjährige Blanka und ihre beste Freundin Elena spielen und lernen ganz selbstverständlich zusammen. Dank ihrer Integrationsschule ist das möglich, da Blanka mit dem Downsyndrom lebt und Elena nicht. Ebenso kann zwischen Mensch und Tier eine besondere Freundschaft entstehen, wie Karina Wuttke und ihr Blindenführhund Portis beweisen.

Bei Sportler Robert Kromm und Kathleen Walke ist sogar eine glückliche Partnerschaft gewachsen. Denn die beiden wissen noch ganz andere Herausforderungen zu meistern als skeptische Bemerkungen. Vier Monate waren die beiden zusammen, da wechselte Robert seinen Volleyballverein und zog nach Italien. Kathleen kündigte ihren Job und kam mit. "Die fünf Jahre im Ausland haben uns zusammengeschweißt", berichtet Kathleen. Auch zu den Olympischen Spielen in Peking 2008 begleitete Kathleen Robert. Sie besuchte das Olympische Dorf und schaute sich die Spiele ihres Freundes in der Nationalmannschaft voller Stolz an. Für Robert war das einer der wichtigsten Momente seiner Sportler-Karriere. Er ist glücklich, dass er ihn teilen konnte.

Die Körpergröße ist nicht der einzige Unterschied zwischen Robert Kromm und Kathleen Walke. "Ich bin ein Realitätsmensch, du ein Gefühlsmensch", sagt Robert zu seiner Freundin, sie nickt. Sie empfinden das als Bereicherung. Auch im Alltag ergänzen sich die beiden gut. Schließlich hat Robert dank seiner Größe von 2,12 Metern nicht nur auf dem Spielfeld viele Vorteile. Fenster putzen ohne Leiter, auf den Schränken wischen und eine Gardinenstange anbringen, das fällt Robert nicht schwer. Kathleen hat sogar extra einen Staubsauger mit besonders langem Saugrohr gekauft. "Damit er sich nicht rausreden kann", sagt sie und grinst.

Seit Juni spielt Robert wieder bei den Berlin Recycling Volleys. "Es ist schön, wieder bei der Familie und den Freunden zu sein", sagt der erfolgreiche Sportler, der mittlerweile auch Vater von Sohn Henry (3) ist. Auch Kathleen fühlt sich wohl. Bei jedem Heimspiel sitzt sie in der Max-Schmeling-Halle auf der Tribüne, trägt ein Trikot mit Roberts Namen und feuert lautstark ihren großen Freund an. Für Kathleen steht fest: Nicht nur wegen seiner Größe ist Robert überragend.