Mamas & Papas

Geheime Tricks gegen Ekel-Essen

Nun hat die Schule wieder angefangen, und schon Mitte der Woche meuterte der Sohn: Ob er wirklich jeden Tag in den Hort müsse.

Seine Freunde dort, alles schön und gut - aber das Essen! Er schaute mich mit großen, unglücklichen Augen an.

Ja, ja, das Hortessen, die Zeitungen sind voll davon. Virenverseuchte Tiefkühl-Erdbeeren aus China in unseren Kinderkantinen - darauf muss man erst mal kommen. Bislang hatte ich bloß die Erdbeeren aus Spanien im Verdacht, weil die als stark gespritzt gelten. Nun frage ich mich, wie werden chinesische Erdbeeren angebaut - noch in einer Handvoll Erde oder gleich im Labor?

Dass das Hortessen ein Problem ist, war schon vor dem Erdbeer-Skandal klar. "Soll ich irgendwas ansprechen beim Hort-Elternabend?", fragte ich meinen Sohn vor Wochen. "Das Essen!", antwortete er, "es ist total eklig". Sein bester Freund stand heftig nickend daneben. Zu meiner Überraschung wurde ich aber auf dem Elternabend ausgebremst, bevor ich überhaupt ein Wort dazu äußern konnte. "Eines möchte ich gleich vorweg sagen", begann die Erzieherin in begeistertem Ton, "alle Kinder sind gute Esser! Bei uns bleibt kaum etwas übrig, das geht alles weg." Viele Eltern nickten freudig, ja, das hört man gern. Was nun? Sollte ich jetzt mit der Essenskritik meines Sohnes die gute Laune verderben, zumal er ja auch daheim ein schwieriger Esser ist? Vielleicht ist er nur ein Einzelfall. Und der Caterer der Schule hat auch einen viel netteren Namen als "Sodexo" - so heißt der Caterer mit den China-Erdbeeren. "Sodexo" klingt wie ein scharfes Reinigungsmittel. Der Lieferservice unseres Horts hat einen musikalischen Namen, so was wie "Die swingenden Kochlöffel". Kochen die Kochlöffel also doch ganz gut? War des Sohnes Gerede von "ekligen Soßen" und "fiesen Suppen" Quatsch? Gut findet er eigentlich nur die Grießbrei- und die Hühnchentage. Oft ist er, wenn ich ihn abhole, hungrig. Wir gehen dann erst mal zum Bäcker, damit er sein Fußballtraining danach durchhält. Irgendwer also erzählt mir Blödsinn - mein Sohn oder die Erzieherin?

Als wir neulich wandern gingen, nahm ich ihn zur Seite. Wir liefen durch einen schönen Buchenwald, die Herbstsonne schien angenehm warm durchs Blätterdach - das sind so Momente, in denen man mal offen miteinander reden kann. "Du hast doch gesagt, niemand mag das Essen bei euch. Aber die Erzieherin sagte, ihr mögt es alle sehr. Isst du wirklich nichts?" Der Sohn grinste verdächtig. Dann erklärte er mir, er und auch andere hätten ein System entwickelt, sich mit halbvollen Tellern an den Erzieherinnen vorbeizuschleichen und das eklige Essen danach elegant zu entsorgen. Er sei darin inzwischen geübt. Und nein, essen könne er das meiste auf keinen Fall. Eierragout in Senfsoße - nicht in diesem Leben.

Gäbe es einfach öfter mal Pfannkuchen oder Milchreis mit Zimt und Zucker, beides isst unser Sohn - wie viele Kinder - besonders gern, dann wäre das Schulessen übrigens günstiger, sagte eine Expertin in einem Interview. Damit sind schon viele Kinder groß und stark geworden. Und warum macht man das nicht so? Weil es nicht den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht - die wollen unbedingt alles abdecken: Rohkost, Fisch, Obst. Karotten-Sesam-Schnitzel mit Petersiliensoße finden die ganz toll. Steht für Mittwoch auf dem Hort-Speiseplan. Und landet bestimmt auf sehr eingespielte, sehr elegante Art im Müll. Kinder sind nicht doof.

Kommende Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher