Sprechstunde

Kann mein unehelicher Sohn mich auch beerben?

Meine Frau und ich haben ein Berliner Testament aufgesetzt. Danach sollen unsere beiden Kinder erben, wenn der letzte von uns beiden gestorben ist. Ich habe noch einen weiteren Sohn. Meine Frau weiß davon, und die Beziehung mit der Mutter ist beendet. Ich möchte, dass auch mein jüngster Sohn genauso Erbe wird wie die beiden anderen Kinder. Meine Frau würde dem nie zustimmen. Nun gibt es aber das Berliner Testament, durch das mein Sohn ausgeschlossen wird. Ich möchte fragen, ob es einen Weg gibt, meinen Sohn zum Erben zu machen, ohne dass meine Frau davon erfährt.

(anonym, Spandau)

Ein Berliner Testament ist eigentlich dafür bestimmt, genau das zu verhindern, was Sie jetzt vorhaben. Der erste und der zweite Erbfall hängen miteinander zusammen. Sollte Ihre Frau zuerst sterben, dann erben Sie zunächst alles. Ihre gemeinsamen Kinder müssen vorläufig zurückstehen. Die Kinder stehen nur deshalb zurück, weil sie sicher sein können, dann beim Tod des zweiten Elternteils alles zu erben, was beide Eltern hinterlassen haben.

Für diese Sicherheit sorgt das Berliner Testament. Denn sobald einer der Eheleute gestorben ist, kann das bestehende Berliner Testament auch nicht mehr verändert werden. Das heißt auch, dass Außenstehende nicht mehr einfach dazwischen kommen können. Wenn also etwa der Witwer neu heiratet oder weitere Kinder hat, dann sind diese aufgrund des Berliner Testaments von der Erbfolge ausgeschlossen.

Solange beide Eheleute noch am Leben sind, können die Kinder noch nicht sicher sein, ihre Eltern irgendwann auch wirklich zu beerben. Die Erbfolge kann faktisch jederzeit noch einmal anders geregelt werden. Trotzdem hat das Berliner Testament auch schon zu Lebzeiten eine gewisse Bindungswirkung. Sie und Ihre Ehefrau können zum Beispiel nur gemeinsam andere Erben bestimmen. Ein Testament, das Sie ganz alleine errichten würden, wäre auf jeden Fall unwirksam. Der Sachverhalt ist ganz klar: Erst wenn Sie zusammen mit Ihrer Frau durch ein neues Testament das Berliner Testament aufgehoben haben, ist jeder von Ihnen wieder frei, ganz alleine und noch dazu auch ohne Kenntnis des anderen ein eigenes Testament zu machen.

Möglicherweise ist Ihre Frau auf Grund der Vorgeschichte ihrer Beziehung nicht bereit dazu, das Berliner Testament aufzuheben. Denn sie wird sich wahrscheinlich denken können, weshalb Sie das vorhaben. Aber auch dann haben Sie die Möglichkeit, das gemeinschaftliche Testament alleine, ohne Mitwirkung Ihrer Ehefrau, zu beseitigen. Allerdings ist das nicht einfach so heimlich möglich. Ein einseitiger Widerruf des Berliner Testamentes ist nämlich an eine ganz bestimmte Form gebunden.

Zunächst müssen Sie den Widerruf von einem Notar beurkunden lassen. Diese Urkunde muss dann Ihrer Frau förmlich, also nicht nur ganz normal per Post, zugestellt werden. Denn nur damit ist wirklich sichergestellt, dass sie auf jeden Fall davon erfährt, wenn Ihr gemeinschaftliches Testament unwirksam wird. Zwar müssen Sie Ihrer Frau das neue Testament, was Sie dann statt dessen errichten, nicht mehr zugänglich machen. Aber es ist die Frage, ob das wirklich sinnvoll in einer Partnerschaft ist. Denn sicher wird Ihre Frau sich schon denken können, weshalb Sie das gemeinschaftliche Testament widerrufen haben.

Ihr Wunsch, alle drei Kinder nach Ihrem Tod gleichmäßig zu bedenken, ist natürlich sehr gut nachzuvollziehen und völlig legitim. Und möglicherweise werden Sie dafür - entgegen Ihren jetzigen Vermutungen - mit etwas Überzeugungsarbeit auch bei Ihrer Frau Verständnis wecken können. Vermutlich wird sie aber trotzdem das, was sie selbst zu hinterlassen hat, nicht allen drei Kindern zugute kommen lassen wollen, sondern nur ihren beiden eigenen. Auch das ist nachzuvollziehen.

Wenn Sie sich mit Ihrer Frau irgendwie darauf verständigen, können Sie natürlich auch wieder ein gemeinschaftliches Testament machen, in dem das dann alles ganz genau geregelt wird. Das kann dann aber nicht mehr nur ein einfaches Berliner Testament sein, sondern wird etwas komplizierter. Bei der Formulierung eines solchen Testamentes, das sowohl Ihren Wünschen entspricht als auch denen Ihrer Ehefrau, wird Ihnen am ehesten ein Notar Ihres Vertrauens behilflich sein können.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht