Sprechstunde

Muss der Vater für den Sohn (18) noch Unterhalt zahlen?

Ich bin von meinem Mann schon lange geschieden, aber es gibt immer noch Streit. Mein Sohn ist gerade volljährig geworden, muss aber noch ein Jahr zur Schule gehen. Der Vater zahlt plötzlich keinen Unterhalt mehr, weil der Sohn sich alleine versorgen könne. Die Mutter meines Mannes hatte immer zu uns gehalten, deshalb ihre Eigentumswohnung direkt an unseren Sohn vererbt und damit ihren eigenen Sohn umgangen. Wir haben die Wohnung vermietet. Die Miete reicht nicht zum Leben. Trotzdem beruft sich mein Mann auf die Wohnung. Dabei hatte seine Mutter ausdrücklich den Wunsch gehabt, dass er nicht davon profitiert. Was kann ich unternehmen?

Sieglinde P. aus Kladow

Ihr Sohn hat gegenüber seinen Eltern einen Anspruch, dass sie ihm eine vollständige Ausbildung finanzieren. Die Ausbildung geht nicht nur bis zum Abitur, sondern auch bis zum Ende eines Studiums. Deshalb haben Kinder normalerweise einen Unterhaltsanspruch. Kinder können noch nicht selbst Geld verdienen. Sie müssen das auch nicht, solange sie in der Ausbildung sind. Während der Zeit sind die Eltern noch für den Bedarf ihrer Kinder zuständig. Das trifft aber dann nicht zu, wenn Ihr Sohn eigene Mittel hat, aus denen er seinen Unterhaltsbedarf bestreiten kann. Unterhalt ist nur für die Bedürftigen da. Wer sich selbst versorgen kann, braucht keinen Unterhalt.

Solange Ihr Sohn minderjährig war, musste der Vater sicher Unterhalt für ihn zahlen. Zwar hätte wohl die Miete, die aus der geerbten Eigentumswohnung fließt, auf den Unterhalt angerechnet werden müssen. Wenn die Miete nicht reichte, musste der Vater aber die Differenz als Unterhalt zahlen. Seit dem 18. Geburtstag ist das nun anders. Für minderjährige Kinder müssen die Eltern gleichsam ihr letztes Hemd hergeben, um ihnen eine Erziehung und Ausbildung zu ermöglichen. Volljährige Kinder sind in erster Linie für sich selbst verantwortlich und müssen alle Möglichkeiten ausnutzen, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Ihr Sohn muss deshalb, seit er erwachsen ist, nicht mehr nur von der Miete aus seiner Eigentumswohnung leben. Wenn die Miete nicht reicht, muss er die Wohnung verkaufen und den Erlös verbrauchen. Der Vater muss frühestens dann wieder Unterhalt zahlen, wenn der Erlös verbraucht und die Ausbildung dann immer noch nicht beendet ist. Auf diese Weise profitiert Ihr geschiedener Mann doch von dem Erbe, auch wenn seine Mutter das gerade vermeiden wollte.

Seit Ihr Sohn volljährig ist, sind Sie auch nicht mehr dafür zuständig, sich mit dem Vater über den Unterhalt zu streiten. Das kann Ihr Sohn jetzt nur noch selbst tun. Er muss sich mit seinem Vater darüber auseinandersetzen, was ihm zusteht. Meist werden Kinder, wenn die Eltern geschieden sind, nicht gegen einen Elternteil klagen wollen. Deshalb wird Ihr geschiedener Mann voraussichtlich Erfolg haben mit seiner Weigerung, weiterhin Unterhalt zu zahlen.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht