Ratgeber

Wie begeistern wir unseren Sohn für die Schule?

Unser Sohn Marcus (6) wird in dieser Woche eingeschult. Vor ein paar Monaten schien noch alles gut, er hat sich sehr auf die Schule gefreut. Aber dann am letzten Kindergartentag hat er geweint, weil er dort nicht weg wollte und hat erklärt, er wolle nicht in die Schule gehen. Ich fürchte, wenn ihm die Freude fehlt, dass er dann auch von Anfang an schlechter lernen wird. Was kann ich tun um ihm den Einstieg leichter zu machen?

Sarah F., Steglitz

Der Tag der Einschulung ist ein wichtiger Tag im Leben einer Familie. Es ist gerade auch auf Seiten der Eltern ein sehr emotionaler Tag, wobei nicht nur Stolz und Freude im Vordergrund stehen, sondern vielfach sehr gemischte Gefühle. Eltern sehen diesen Tag mit Blick auf die Zukunft ihres Kindes, als neuen Lebensabschnitt. Sie denken an die neuen Leistungsanforderungen in den nächsten Jahren, überlegen sich, ob ihr Kind wohl bestehen kann und wie sich seine Schulkarriere entwickeln mag. Wird ihr Kind alleine zu recht kommen? Oft kommen auch Erinnerungen an die eigene Schulzeit hoch, positive und negative, und bestimmen die Gefühle bei der Einschulung des eigenen Kindes.

Lassen Sie Ihren Sohn Marcus seine Erfahrungen mit den ersten Schultagen selbst machen. Belasten Sie ihn nicht mit Ihren Sorgen, es könne etwas schief gehen und ihr Sohn könne dann schlechter lernen. Denn Kinder erleben nicht nur ihre eigenen Gefühle und Anspannungen am Tag der Einschulung, sondern werden gerade in der Einschulungsphase mit den Anspannungen und Erwartungen ihrer Eltern, oft auch Großeltern, konfrontiert.

Eltern sollten aber wissen: Die allermeisten Kinder gewöhnen sich innerhalb des ersten halben Jahres schnell in die Schulsituation ein, finden Freunde, lieben ihre Lehrerin oder ihren Lehrer und gehen gern zur Schule. Auch wenn Ihr Kind im Moment noch skeptisch reagiert oder seinen Kindergartenfreunden hinterher trauert, ist dies kein Grund für die Annahme, dass er einen schlechten Start haben wird. Für die meisten Kinder stehen am Einschulungstag meist ganz andere wirklich wichtige Dinge im Vordergrund: die Schultüte (und deren Inhalt), der neue Schulranzen oder die Schulfeier und Vorführungen der anderen Kindern.

Falls Sie doch etwas tun wollen, um Marcus den Übergang leichter zu machen, können Sie ihn in die Planung der Familienfeier zur Einschulung mit einbeziehen, einige Kindergartenfreunde einladen und versuchen, den Tag mit Gelassenheit und möglichst wenig Hektik zu begehen. Und lassen Sie Ihrem Sohn die Zeit, die er braucht, um sich einzugewöhnen.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung