Mamas & Papas

Pilgerfahrt ins Legoland

Wir sind eine furchtlose Familie.

Uns schrecken weder kirgisische Autorenfilme für Kinder auf der Berlinale noch Bällebäder im Möbelhaus, aus denen eben noch bekannte Jungenbeine guckten, die aber plötzlich verschwunden sind. Nur an ein Abenteuer haben wir uns bislang nicht gewagt: den Vergnügungspark. Doch der Druck stieg dieses Jahr ins Unmenschliche. Die Klassenkonkurrenz punktete mit Disneyland/Orlando, die Anfänger immerhin mit dem Hansapark. Mein Hinweis, den Vogelpark Walsrode als Einstieg zu versuchen, wurde abgelehnt. Na gut, dann zeige ich mal, was ein echter Vater ist. "Wir fahren ins Legoland", sagte ich, "und zwar ins echte, nach Billund." Mein Kleiner war erstmals in seinem Leben für mehr als eine Sekunde ruhig. Eine noch längere Schweigepause kehrte ein, als ich meinen Plan erläuterte: "Wir fahren mit dem Rad bis Kopenhagen."

Ob im Schlagregen an der Müritz, bei Gegenwind auf Falster oder vor der laufwarmen Dose Ravioli - die Magie von acht Buchstaben ist beträchtlich. Sobald Hans schwächelte oder maulte, reichte das Zauberwort "Legoland" und er strampelte weiter. Ich hätte ihm noch deutlich mehr von meinem Gepäck aufladen können. Tapfer hat der kleine Mann die Strecke Berlin-Kopenhagen durchgestanden.

Das Problem: In zehn Tagen auf dem Rad war ein ziemlich normaler Vergnügungspark zu einem monströsen Event herangewachsen. Und von Kopenhagen mussten wir auch noch stundenlang mit Bahn und Bus durchs Land gurken, was die Hibbeligkeit weiter anheizte. In einem Anfall von Zahlen-Legasthenie hatte ich eine Nacht im Lego-Hotel gebucht. Jetzt weiß ich: Diese Dänen haben ihre dämliche Krone nur behalten, um arglose Euro-Touristen über die wahren Kosten im Unklaren zu lassen.

Einfahrt in Billund. Eher unspektakulär. Ich hätte mehr Villen erwartet. Ein bis zwei davon hatten immerhin vier Generationen meiner Familie finanziert. Die dritte käme in den nächsten 24 Stunden zusammen.

Legoland ist exakt so, wie man es erwartet. Eltern, die zu schneller Reizüberflutung neigen, sollten sich im alten Teil aufhalten, wo die üblichen Sehenswürdigkeiten (Windmühlen, Eisenbahn, Weißes Haus) aus Bauklötzen zusammengebastelt sind. Aus dem Lego-Hotel blickt man auf eine nervige Bimmelbahn. Und im neueren Teil kacheln unentwegt Achterbahnen umher, wo sensible Mägen das üppig feilgebotene Fastfood gleich wieder loswerden. Praktischstes Gerät: Eine Kindertrocknungsanlage, die den Nachwuchs im Ganzen föhnt. Ich überlege mir, ob es wohl komisch gewesen wäre, mit einem Playmobil-T-Shirt hier einzulaufen. "Komm schon, Papa", sagt Hans, und zerrt an meinem Ärmel. Noch mal Achterbahn. Ich will nach Walsrode.

Kommende Woche schreibt an dieser Stelle wieder Susanne Leinemann.