Ratgeber

Kann unser Sohn Tuberkulose haben?

Unser 15-jähriger Sohn Vincent hustet seit vier Monaten. Nachts schwitzt er sehr stark und in der letzten Zeit hat er Gewicht abgenommen und wirkt abgeschlagen. Wir waren schon beim Arzt, der seine Lunge abgehört hat und Rasselgeräusche gehört hat. Nun wurde uns eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs empfohlen. Vincent war in der letzten zeit oft bei seinen Großeltern in Russland, sein Opa hat eine chronische Lungenkrankheit. Kann er sich angesteckt haben?

Da Ihr Sohn oft im östlichen Ausland war, muss in diesem Zusammenhang auch hier in Deutschland an eine chronische Infektionserkrankung der Lunge, die Tuberkulose, gedacht werden. Sie wird in den letzten Jahren immer wieder häufiger beobachtet und sie stellt eine bedrohliche Infektion dar. Man muss nun abwarten, ob sich durch die Röntgenuntersuchung die Verdachtsdiagnose erhärtet und weitere medizinische Tests (Tuberkulin Hauttest, spezielle Bluttests) die Diagnose noch weiter erhärten. Durch die Untersuchung mehrer morgendlicher Magensaftproben und des Sputums (abgehustete Spucke) würde dann die Tuberkulose abschließend nachgewiesen.

Die Tuberkulose ist eine ansteckende Erkrankung. Sie verläuft in verschiedenen Stadien, sie kann in späteren Stadien in einen sogenannten offenen Zustand übergehen, bei welchem die Patienten durch ausgehustetes Sputum weitere Menschen anstecken können. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden (Meldepflicht) wird eine antibiotische Therapie zwingend durchgeführt werden, welche zu Beginn sich auf mehrere Antibiotika stützen muss, damit eine Sanierung der infizierten Lunge erreicht werden kann. Die Therapiedauer beträgt insgesamt mehrere Monate und wird je nach Ausprägungsgrad der Infektion und je nach Besserungsfortschritt immer wieder neu evaluiert. Bei chronischem Husten muss an diese gefährliche und fast vergessene Infektionserkrankung gedacht werden. Bei adäquater und konsequenter Therapie lassen sich in der Regel ein guter Therapieerfolg und eine Ausheilung erreichen. Daher ist das frühzeitige Erkennen von besonderer Bedeutung.

Prof. Hermann Girschick ist Chefarzt im Vivantes Klinikum im Friedrichshain