Familie

Telefonseelsorge bestätigt Trend zu Vereinsamung

In Rheinland-Pfalz leben nach Einschätzung der Telefonseelsorgestellen immer mehr Menschen völlig vereinsamt.

- "Dass es nicht mehr normal ist, eine Familie zu haben, bemerken wir auch am Telefon", sagte der Leiter der Telefonseelsorge in Bad Kreuznach, Georg Krämer. Alleinstehende stellten die mit Abstand größte Anrufergruppe. Viele Menschen haben nach den Erfahrungen der Seelsorge-Mitarbeiter oft nicht nur keine Angehörigen, sondern noch nicht einmal Nachbarn, mit denen sie über ihre Sorgen sprechen könnten.

Insgesamt registrierten die rheinland-pfälzischen Telefonseelsorgestellen im vergangenen Jahr mehr als 138.000 Anrufe, etwas weniger als in den beiden Vorjahren. In 76.000 Fällen ergab sich aus dem Anruf ein Beratungs- oder Seelsorgegespräch, in knapp 800 Fällen äußerten die Anrufer Suizidabsichten. Häufigste Themen der Beratungsgespräche waren wie in den vergangenen Jahren Partnerschaftsprobleme und Krankheiten.

Auffallend sei, dass sich immer mehr Menschen die Schuld für Erkrankungen und persönliche oder berufliche Misserfolge gäben, sagte Martina Patenge vom Leitungsteam der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden: "Aus den Gesprächen habe ich den Eindruck, dass Schicksalsschläge früher als normaler empfunden wurden." Eine Schicksalsergebenheit wie in den vorhergehenden Generationen, als nahezu jeder Mensch eigene Angehörige im Krieg verlor oder wegen der einst deutlich höheren Säuglingssterblichkeit eigene Kinder begraben musste, gebe es mittlerweile nicht mehr. Der Druck, ein erfolgreiches Leben vorweisen zu müssen, habe zugenommen.

Die Stellen der Telefonseelsorge sind überwiegend in ökumenischer Trägerschaft. Sie sind unter den bundeseinheitlichen Telefonnummern Tel. 0800/ 111 01 11 und Tel. 0800/ 111 02 22 an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr gebührenfrei erreichbar.