Ratgeber

Wann ist eine Operation der Gebärmutter nötig?

Ich habe seit gut einem halben Jahr Probleme mit dem unwillkürlichen Verlust von Urin, insbesondere bei körperlicher Anstrengung. Zusätzlich habe ich ein Druckgefühl in der Scheide und beim Tasten das Gefühl, dass sich im Scheideneingang etwas vordrängt. Meine Frauenärztin sagte mir, ich habe eine Senkung und müsste mich operieren lassen. Gibt es zu einer Operation eine Alternative und welche Art von Operation wäre zu raten?

Ilse G. (49) aus Köpenick

Die Gebärmutter befindet sich im kleinen Becken und ist durch eine ausgeklügelte Konstruktion aus Bindegewebe und Beckenbodenmuskulatur in ihrer natürlichen Lage fixiert. Insbesondere nach Geburten kann es sein, dass dieser Halteapparat der Gebärmutter versagt und es in ausgeprägten Fällen dazu kommt, dass sich die Gebärmutter als auch die Scheide absenken können. Typische Symptome betreffen dann auch die direkt in Nachbarschaft gelegten Organe, Blase und Darm. Dies kann zu häufigem Harndrang und im ausgeprägteren Fall auch zu Urinverlust führen. Zusätzlich entsteht durch die Senkung in einer Vielzahl der Fälle ein Fremdkörpergefühl in der Scheide, und die betroffenen Patienten können in der Tiefe der Scheide die Gebärmutter, insbesondere den Gebärmutterhals und die vorgewölbte Scheidenwand tasten. Selten kommt es bei körperlicher Belastung zu Rückenbeschwerden, die durch die Senkung verursacht werden. Die Ursache Nummer eins für eine Senkung sind die Geburten. Aber auch eine Bindegewebsschwäche, Übergewicht und starke körperliche oder berufliche Beanspruchung können Faktoren sein. Wenn eine Senkung zu funktionellen Beschwerden beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang führt, ist eine Korrektur der Senkung angebracht. Der erste Schritt sollte immer eine konservative Behandlung zum Beispiel mit einem Würfelpessar sein. Dieser bewirkt, dass die Senkung zumindest provisorisch korrigiert werden kann. Wenn eine Operation wegen anderer Erkrankungen nicht geeignet ist, kann es auch zu einer Dauertherapie mit einem Würfelpessar kommen. Für viele Patientinnen ist eine Operation aber der bessere Weg. Dabei muss die Gebärmutter nicht in jedem Fall mit entfernt werden. Bei der Korrektur der Senkung stehen auch die Gebärmutter erhaltende, die Scheide aber wenig beeinflussende Operationstechniken zur Verfügung, die vordergründige Scheidenverengungen und Narbenbildung in der Scheide verhindern können. In Fällen, in denen sich eine Operation von der Scheide aus nicht vermeiden lässt, sollten solche Operationstechniken angewendet werden, die insbesondere Rücksicht auf die Sexualität der Frau nehmen.

Hierzu sollten Sie Ihren Frauenarzt befragen und mit ihm zusammen besprechen, wo für Sie die geeignetsten Optionen liegen. Mit der am Anfang stehenden Pessar-Behandlung haben Sie dann einen nicht unwesentlichen Schritt in die richtige Richtung getan, um einerseits die funktionellen Beschwerden beim Wasserlassen und andererseits die Senkungsbeschwerden gezielt und schonend zu korrigieren.

Dr. Jörg Schreier ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in den DRK Kliniken Köpenick