Wissenswertes

Die Magie des Küssens

Den allerersten kriegt man meist in der Jugend - aber ein guter Kuss bleibt das Leben lang aufregend. Heute ist der Tag des Kusses

- Kunstwerke, Gedichte, Märchen, Lieder - immer wieder dreht sich alles um ihn: den Kuss. Er ist Zeichen von Zuneigung und Liebe. Und deshalb küssen Eltern andauernd ihre Babys, Kinder ihre Eltern und Großeltern, Verliebte küssen sich gegenseitig, enge Freunde und Verwandte schicken sich Küsschen in Briefen und E-Mails. Ob Luftkuss, Handkuss, Zungenkuss, Begrüßungs- oder Abschiedskuss - gerade jetzt, im Sommer, so scheint es, wird geknutscht und gebusselt, was das Zeug hält. Zum heutigen Internationalen Tag des Kusses verrät die Berliner Morgenpost Wissenswertes rund um das Küssen - und vor allem, warum wir es so gerne tun.

1. Wie wir küssen

Bussi, Wangenkuss, Handkuss, Zungenkuss: Es gibt viele Spielarten des Küssens. Der Kuss dient als Zeichen der Liebe, der Freundschaft, der Fürsorge oder der Ehrerbietung und ist Teil einer sozialen, politischen, zeremoniellen oder erotischen Handlung. Wohl am häufigsten ist der Begrüßungskuss. Während Eltern Kinder gern mit einem kräftigen Schmatz bedenken (und andersrum!), gibt man Freunden eher einen gehauchten Wangenkuss - je nach Landesbrauch ein, zwei oder drei an der Zahl. Eher selten geworden, zumindest hierzulande, sind der Handkuss und der Ringkuss wie auch der sozialistische Bruderkuss. Ganz oben auf dem Kussolymp steht der Kuss mit geöffneten Lippen. Er ist Liebenden vorbehalten - aber millionenfach besungen, beschrieben und auf Leinwand gebannt.

2. Warum wir küssen

Ein ganzes Heer an Biologen, Ethnologen, Anthropologen, Psychologen, Neurologen und Sexualforschern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten, ja Jahrhunderten mit dem Phänomen des Küssens beschäftigt. Es gibt sogar Forscher, die sich nur mit dem Küssen beschäftigen, die sogenannten Philematologen.

Sigmund Freund ging davon aus, dass der Kussreflex angeboren ist und auf das Bedürfnis des Kindes zurückgeht, an der Brust gestillt zu werden. Verhaltensforscher wie der Österreicher Irenäus Eibl-Eibesfeldt halten den Kuss für eine ritualisierte Fütterung - weil Mütter früher Nahrung in ihrem Mund zerkleinerten und über diesen an den Nachwuchs weitergaben. Ein solcher "Kuss" ist nährend und beruhigend.

Vielleicht ist das Küssen aber auch ein biologisches Hilfsmittel bei der Partnerwahl. Eine Schutzfunktion gegen Krankheiten schreiben zumindest andere Forscher dem Küssen zu. Über Geruch und Geschmack beim Küssen könnten die Partner die Immunfähigkeit des Gegenübers kontrollieren, erklärt die US-Wissenschaftlerin Sarah Woodley - während die Forscher der Universität von Leeds den Austausch des Speichels als Impfstoff gegen bestimmte Viren sehen, die ein ungeborenes Kind schädigen können.

3. Was beim Küssen passiert

Unbestritten ist, dass das Küssen den Partnern ein Hormonbad beschert. Beim Küssen wird unter anderem das "Kuschelhormon" Oxytocin ausgeschüttet, das eine beruhigende und befriedigende Wirkung hat und positiv auf die Paarbindung wirkt. Endorphin beruhigt ebenfalls, während Dopamin das Erleben von romantischen Gefühlen unterstützt. Gleichzeitig beschleunigt sich der Herzschlag, und der Blutdruck steigt, was der Mensch als aufregend empfindet. Küssen ist ein intensives Erlebnis, da mit dem Riechen, Schmecken und Tasten gleich mehrere Sinne unmittelbar beteiligt sind. Die Mischung aus all diesem sorgt für eine beglückende Wirkung.

4. Wie lange wir küssen

Kussforscher sagen, dass der Mensch im Schnitt während 70 Lebensjahren 110.000 Minuten küsst. Das sind umgerechnet mehr als 76 Tage.

5. Fast alle Menschen küssen

Das Küssen ist auf der ganzen Welt verbreitet, wenn auch teilweise in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen oder sogar verpönt. Nur bei zehn Prozent der Menschen gehört das Küssen nicht zur Kultur, haben Forscher herausgefunden.

In puncto Selbstbewusstsein beim Küssen schnitt Deutschland in einer europaweiten Studie übrigens schlecht ab: Während sich 85 Prozent der befragten Franzosen, 81 Prozent der Italiener und 79 Prozent der Spanier ganz selbstverständlich als die beste Kussnation Europas bezeichneten, sagten das in Deutschland gerade mal 30 Prozent.

6. Frauen küssen lieber als Männer

Umfragen haben ergeben, dass vor allem Frauen besonders gern küssen. Sie bestätigen dies zu 100 Prozent, unter den Männern stimmen nur 44 Prozent dieser Aussage zu. 65 Prozent der Frauen sagen sogar, sie könnten auf Sex verzichten, wenn dafür die ganze Nacht zärtlich und leidenschaftlich geküsst würde. Die Motive sind offenbar unterschiedlich: Während das Küssen für Frauen laut einer Studie der Universität von New York eine Art vertrauensbildende Maßnahme und ein Gefühlsbarometer der Partnerschaft ist, küssen Männer vor allem deshalb, um die Wahrscheinlichkeit, dann auch Sex zu haben, zu erhöhen.

7. Negative Nebeneffekte

Beim Küssen können auch einige Krankheiten übertragen werden, zum Beispiel Herpes.

8. Positive Nebeneffekte

Ein durchschnittlicher Kuss verbraucht rund sechs Kalorien pro Minute. Zudem stärkt das Küssen die Gesichtsmuskulatur: Rund 30 Muskeln sind bei einem Kuss in Bewegung. Und: Küssen sorgt für Entspannung und ein Wohlgefühl - siehe Punkt 3.

9. Die richtige Haltung

Zwei Drittel aller Menschen drehen beim Küssen den Kopf nach rechts. Warum, haben die Kussforscher allerdings noch nicht herausgefunden. Eine Theorie ist, dass die vorgezogene Drehrichtung des Kopfes beim Menschen schon im fötalen Stadium angelegt ist.

10. Skurriles rund um den Kuss

Der längste Kuss dauerte laut "Guinnessbuch der Rekorde" 33 Stunden, ein Paar küsste sich dafür im September 2010 in New Jersey. Der "tödliche Erdnussbutterkuss" stellte sich dagegen als Legende heraus. Eine kanadische Schülerin war 2005 gestorben, nachdem sie ihren Freund geküsst hat, der zuvor ein Erdnussbuttersandwich gegessen hatte. Todesursache war aber wohl nicht ein durch das Küssen verursachter allergischer Schock, sondern ein Asthmaanfall.