Ratgeber

Mein 13-jähriger Enkel ist Bettnässer - wie können wir helfen?

Mein Enkel (13) ist Bettnässer. Organisch ist bei ihm alles in Ordnung. Der Urologe hat nur empfohlen, zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht zu trinken. Das ist aber nicht möglich, da er sportlich aktiv ist und somit natürlich Durst hat. Einzig, wenn er sich nachts für die Toilette den Wecker stellt, klappt es. Ihm macht es auch sehr zu schaffen! Wissen Sie Rat?

Christel S. via E-Mail

Bettnässen kommt in den besten Familien vor. Denn: Enuresis, im Volksmund Bettnässen, also das ungewollte Urinieren, gehört zu den häufigsten Störungen des Kindesalters, das auch noch im Jugend- oder Erwachsenenalter auftreten kann. So wird z.B. geschätzt, dass etwa ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland ihre Harnblase nachts nicht unter Kontrolle haben.

Die Ursachen sind vielfältig, abgesicherte Erkenntnisse entstehen erst seit einigen Jahren. Ursachenbeschreibungen reichen von einer genetischen Disposition, über ADHS, Entwicklungsstörungen, einen sehr tiefen Schlaf, eine zu geringe Blasenkapazität oder Stress und seelische Faktoren. Diese kleine, unvollständige Liste zeigt bereits: Jeder einzelne Fall von Enuresis muss genau mit einem Spezialisten abgeklärt werden. Denn die Therapien, die angeboten werden, sind ebenso vielfältig. Eine passende ist nicht immer schnell gefunden. Sie brauchen also möglicherweise Geduld. Gehen Sie daher unbedingt zu einem Spezialisten oder einer Familienberatungsstelle und klären sie dort ein individuelles Vorgehen.

Mit der Einschulung sollten Kinder trocken sein. Über eine Behandlung der Enuresis sollten Eltern daher etwa ab dem fünften Lebensjahr nachdenken, die meisten Kinder werden aber noch bis zum Alter von sieben Jahren trocken. Problematisch wird es immer, wenn der Schlaf erheblich beeinträchtigt wird und das Einnässen Kind und Eltern stark belastet. Für die ganze Familie ist daher wichtig, offen über dieses tabuisierte Thema zu reden und sich viel zu informieren. Enuresis ist eine Krankheit und kein Erziehungsfehler. Oft glauben Eltern, etwas falsch gemacht zu haben. Die ganze Familie schämt sich. Bettnässen eines Kindes gilt gesellschaftlich nach wie vor als Schuld der Eltern und wird ihnen als Versagen angelastet. Daher: So lange die Problematik besteht, müssen sie als Familie einen Weg finden, ohne Schuldzuweisungen damit umzugehen. Reden Sie darüber: Wichtig ist es, den ohnehin starken Druck nicht noch zu erhöhen, denn Druck schadet meistens nur. Versuchen sie sich als Familie gut zu organisieren und auch mit anderen betroffenen Familien auszutauschen.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)

Haben Sie auch eine Frage? Schreiben Sie an familie@morgenpost.de