Sprechstunde

Muss ich meinem Ex-Mann unser Haus überlassen?

Susanne G. aus Britz:

Ich habe eine Frage zu unserem Haus: Wir haben vor einigen Jahren ein Reihenhaus gekauft. Mein Mann und ich stehen beide im Grundbuch. Das Geld für den Kauf stammt aber von seinen Eltern. Sie haben uns das Geld überlassen, weil mein Mann es eines Tages ja ohnehin erben würde. Mein Mann ist vor fast zwei Jahren ausgezogen. Ich lebe in dem Haus seither allein mit den beiden Kindern. Mein Mann will jetzt die Scheidung beantragen. Er verlangt, dass ich ausziehe und ihm das Haus überlasse, weil das Geld ja aus seiner Familie stamme. Ich möchte es den Kindern ersparen umzuziehen. Welche Rechte hat mein Mann?

Wenn es nur um Ihren Mann geht, dann haben Sie eine gut gesicherte Position. Sie müssen nicht befürchten, aus dem Haus gedrängt zu werden. Ihr Mann kann auch nicht verlangen, dass Sie ihm das Haus überschreiben.

Das Haus war Ihre gemeinsame Ehewohnung. Unabhängig davon, wer als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist, waren Sie gleichberechtigt bei der Nutzung dieses Hauses. Ihr Mann hat seine Nutzungsrechte aber verloren, weil er freiwillig aus dem Haus ausgezogen ist und weil er innerhalb eines halben Jahres auch nicht zurückgekehrt ist. Deshalb steht Ihnen jetzt allein die Nutzung des Hauses zu und Ihr Mann kann nicht verlangen, dass Sie ausziehen. Wenn Sie geschieden werden, können Sie von Ihrem Mann sogar verlangen, dass das Nutzungsrecht formalisiert wird. Er ist verpflichtet, mit Ihnen einen Mietvertrag zur ortsüblichen Miete abzuschließen. Von dieser Miete müssen Sie an ihn nur die Hälfte zahlen, weil Ihrem Mann nur die Hälfte des Hauses gehört. In Ihrer eigenen Eigentumshälfte wohnen Sie mietfrei.

Ihr Mann wird an der kleinen Miete, die er bekommt, vermutlich nicht interessiert sein. Für ihn wird es wichtiger sein, sein Kapital, das in dem Haus steckt, wieder herauszubekommen. Das Recht steht ihm auch zu. Er kann jederzeit verlangen, dass das Haus verkauft wird. Notfalls kann er dafür auch die Zwangsversteigerung betreiben. Sie müssen einen solchen Verkauf aber nicht fürchten. Der Mietvertrag, den Sie von Ihrem Mann verlangen können, besteht auch im Falle eines Verkaufes oder einer Versteigerung weiter. Sie sind als Mieterin auch gegenüber einem neuen Eigentümer geschützt. Daneben hätte ein Verkauf auch für Sie den Vorteil, dass Sie über Ihren Anteil des Geldes frei verfügen können.

Während Sie gegenüber Ihrem Mann im Falle der Scheidung also gut abgesichert sind, droht Ihnen Gefahr von Seiten Ihrer Schwiegereltern. Die Eltern Ihres Mannes haben den Kaufpreis für das Haus an Sie beide geschenkt. Sie sind dabei sicher davon ausgegangen, dass Ihre Ehe halten würde. Tatsächlich ist aber die Ehe schon wenige Jahre nach der Schenkung gescheitert. Das Leben ist also anders verlaufen, als Ihre Schwiegereltern sich das bei dem Geschenk vorgestellt hatten. Sie können deshalb von Ihnen verlangen, dass Sie das geschenkte Geld zurückzahlen. Ob sie das tun, ist alleine die Entscheidung Ihrer Schwiegereltern. Wenn sie darauf bestehen, müssen Sie vermutlich das Haus verkaufen, um das Geld aufzubringen.

Sie sollten deshalb versuchen, sich mit Ihren Schwiegereltern gut zu stellen. Vielleicht können Sie sie ja davon überzeugen, dass das Geld gut angelegt ist in dem Haus, in dem ihre Enkel wohnen.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Experte für Familienrecht