Mamas & Papas

Mein Sohn, der Fußballstar

Für viele ist die Fußball-EM ein großes sportliches Ereignis im Fernsehen. Nicht für unseren Sohn.

Für ihn ist die EM etwas ganz Persönliches - eine rund dreiwöchige intensive Berufsberatung. Sein Ziel im Leben heißt schon länger: Profi-Fußballer. Etwas anderes kann und will er sich als Beruf nicht vorstellen.

Nun träumen siebenjährige Jungen nicht ganz selten davon, eines Tages so berühmt zu sein wie ihre Kicker-Vorbilder Schweinsteiger, Müller oder Khedira. Genauso, wie sie nicht lange davor Feuerwehrmann oder Superman werden wollten. Wie weit bei unsrem Sohn die Träumerei allerdings geht, konnte ich bei einem Vorrundenspiel erleben. Einem eher traurigen Spiel, Polen gegen Tschechien, das zum endgültigen Ausscheiden der Gastgeber führte. Unser Sohn, der, wenn Fußball läuft, die Augen nicht vom Bildschirm wendet, beobachtete, wie ein polnischer Spieler einen Pass spielte. Keine Flanke, kein Torschuss - ein stinknormaler Pass. Und sprach plötzlich mit belegter Stimme (sie war belegt, weil so viel Sehnsucht mitschwang): "Wie muss sich das wohl anfühlen?" Ich fragte: "Was anfühlen?" Er: "Jetzt im Stadion der Spieler zu sein und diesen Pass zu spielen. Wie fühlt sich das wohl an?"

Seitdem weiß ich, dass er sich bei Spielen ab und zu selbst ins Bild beamt, um schon einen Vorgeschmack auf seine Zukunft zu kriegen. Wann diese Zukunft beginnt? Das hat er längst konkret errechnet, in Mathe ist er nämlich prima. "Mama, wenn ich in neun Jahren in der Bundesliga antrete, dann kann ich noch mit Julian Draxler spielen." Großer Heldenalarm im Jahre 2021!

Fußball steht für ihn klar an erster Stelle, alles andere wird nachgeordnet- auch das zukünftige Privatleben. Allerdings registriert er, dass seine geliebten Fußballprofis sich gerne mit langbeinigen Models umgeben. Er mag das nicht. Heiraten will er gleich gar nicht. "Das ist eklig!" Nachwuchs schließt er aber nicht aus, schließlich wird Philipp Lahm gerade Vater. "Wenn meine Freundin eines Tages von mir Kinder kriegt, muss sie sich aber alleine um die Erziehung kümmern." Empört frage ich ihn: "Warum das?" - "Mama", antwortete er genervt, denn ich stand offenbar auf der Leitung, "dafür habe ich keine Zeit. Ich habe Training!"

Sehr schön war auch der Moment, als es ums Geld ging. Wir hatten gerade einen Engpass auf dem Konto, wie es eben vorkommt, wenn lauter Sonderzahlungen sich verabredet haben - Urlaub, Steuer, Sommercamps. An der Tanksäule beschlich mich kurz die Sorge, ich müsse womöglich meinen Sohn als Pfand zurücklassen, falls die EC-Karte gesperrt sei. Alles ging gut. Der Sohn aber bekam meine Ängste mit. Abends legte er deshalb seine kleine Hand beruhigend auf mein Knie. "Keine Sorge, Mama, du wirst bald im Luxus leben." Überrascht schaute ich ihn an: "Ach? Und wieso?" - "Weil ich Fußballer werde."