Ratgeber

Wie gehe ich mit den Schwindeleien meiner Achtjährigen um?

In letzter Zeit habe ich meine Tochter Mia (8) öfters beim Schwindeln erwischt. Sie nascht aus dem Süßigkeiten-Vorrat, liest l über die Bettzeit hinaus oder füttert die Nachbarskatze - alles heimlich. Wenn ich es sehe, fühlt sie sich ertappt, obwohl ich es gar nicht ausdrücklich verboten habe, und erzählt mir eine Notlüge. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll.

Gabi B. aus Teltow

Schwindeln oder Lügen ist für Eltern immer ein heikles Thema. Wie damit umgehen und altersangemessen reagieren, so dass Kinder lernen, sich im schwierigen Feld der Wahrheit zurecht zu finden?

Mit Schuleintritt lernen Kinder allmählich zu unterscheiden, wann Schwindeln angemessen ist und wann nicht. Denn es geht nicht einfach nur darum, immer die Wahrheit zu sagen, sondern darum zu lernen, wann die mit der Lüge oder dem Schwindel beabsichtige Täuschung angemessen und erlaubt sein kann und wann sie es unter keinen Umständen ist. Was ist eine Täuschung, die gegen wichtige Regeln verstößt, was eine Notlüge, was eine freundliche Flunkerei oder ein kleiner Selbstbetrug? Gar nicht so einfach. Dies sollten Eltern immer mit bedenken, wenn sie erschreckt feststellen, dass sie ihr Kind beim Schwindeln erwischt haben.

Vielleicht übt Mia gerade, wie das geht mit dem Schwindeln und wie sie ihre Mutter am besten hinters Licht führen kann. Vielleicht möchte sie aber auch ausprobieren, wie es ist, etwas Verbotenes heimlich zu tun. Heimlichkeiten gegenüber Erwachsenen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Herausbildung einer eigenen Identität. Ohne immer von Erwachsenen kontrolliert zu werden, entwickeln Kinder so eigene Freiräume. Wenn Sie sicher sein wollen, dass Mia nicht aus Angst vor Strafen schwindelt, fragen Sie sich zunächst selbst, ob Ihr Kind Angst vor Strafen hat. Wie haben Sie besprochen, dass die Nachbarskatze nicht gefüttert werden darf? Haben Sie eine Konsequenz angekündigt, wenn doch? Traut sich Ihre Tochter nicht, ihr kleines Vergehen zuzugeben? Oder schämt sie sich?

Sagen Sie Mia beim nächsten Mal unter vier Augen ruhig, dass Sie sie beim Schwindeln ertappt haben. Erklären Sie ihr ohne großes Aufhebens, warum Sie nicht möchten, dass das Verbot überschritten wird. Lassen Sie ihr dabei die Möglichkeit, ihr "Gesicht" zu wahren. Helfen Sie Mia, Alternativen zu finden und Wege, sich das nächste Mal an das Gebot zu halten. Auch Erwachsene sind nicht immer ehrlich, wenn es um die kleinen Dinge im Alltag geht. Überlegen Sie, wie Sie selbst damit umgehen, wenn Sie "ertappt" werden. Seien Sie Ihrem Kind ein Vorbild und zeigen Sie ihm, wie wichtig Vertrauen im Umgang miteinander ist.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)