Ratgeber

Wie kann ich meinen Freund zu einer Therapie bewegen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Freund eine Depression hat. Aber er will davon nichts wissen. Was kann ich tun, damit er sich mit seinen Problemen auseinandersetzt - und eine Therapie beginnt?

Carla P., per E-Mail

Vermutlich fassen Sie mit dieser Frage Ihre Hilflosigkeit und die enttäuschende Beziehungssituation mit Ihrem Freund zusammen. Sie erleben sich in Differenz zu ihm als "nicht depressiv", eher aktiv gestaltend, helfend.

Ihrer Problemlösung sehr förderlich ist, dass Sie versuchen, Ihre und die unbefriedigende Situation ihres Freundes offen anzusprechen und diagnostisch-therapeutische Hilfe zu organisieren. Eine Grundvoraussetzung überhaupt, um der Chronifizierung möglicher psychischer und psychosomatischer Leiden vorzubeugen.

Sie erfahren täglich, wie Ihr Freund sich eher mit seinen inneren Schwierigkeiten, Konflikte, möglichen Beschwerden defensiv, passiv, vielleicht sogar verleugnend und aggressiv sich selbst und Ihnen gegenüber verhält. Ihre "gefühlte", wahrscheinlich tendenziell richtige Diagnose "Depression" erlebt ihr Freund vielleicht kränkend, ängstigend und ausgrenzend. Aktuell weigert er sich helfen zu lassen. Dieser "bockige" Widerstand den wir alle kennen, wenn unsere sorgsam abgeschirmten Schwächen angesprochen werden, verdeckt oft den inneren ängstigenden Wunsch nach Klärung und Behandlung.

Psychologen, Pädagogen, Soziologen und Theologen mit einer Ausbildung in Paar- und Familientherapie und Praxis in Beratungsstellen oder Praxen können Sie beraten und Ihnen zur Einbindung Ihres Partners weitere Maßnahmen empfehlen.

Sie können sich zu Ihrer Fragestellung auch mit einem Psychotherapeuten beraten. Als sehr hilfreich habe ich in der Regel erfahren, wenn Angehörige, Partner, Freunde des Patienten - nach vorheriger Absprache - ihn zum Erstgespräch in die Psychotherapiepraxis begleitet haben. Unüberwindbar erscheinende Ängste, Scham- und Schuldgefühle des Patienten konnten so erstmalig angesprochen werden und führten zu einer ersten psychischen Entlastung. Besprechen Sie mit Ihrem Freund vor dem Hintergrund dieser Ausführungen nochmals ihre aktuelle Situation, respektieren Sie seine Entscheidung und vielleicht gelangen Sie dann mit ihm und mit sich noch zu ganz anderen Bewältigungsstrategien des "Depressiven".

Diplom-Psychologe Michael Krenz ist Psychotherapeut und Präsident der Psychotherapeutenkammer Berlin

Morgen berät Sie Dr. Heidemarie Arnhold zu Erziehungsfragen. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an: familie@morgenpost.de