Ratgeber

Unsere Fünfjährige stottert plötzlich - ist das eine Phase?

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Meine Frau (26) und ich (29) machen uns Sorgen um unsere jüngste Tochter Sarah (5). Seit dem letzten Urlaub stottert sie plötzlich und wir wissen nicht warum. Ihre Sprachentwicklung verlief bisher eigentlich ohne Schwierigkeiten. Nun steht Sarahs Einschulung bevor und wir wissen nicht, wie wir auf das Stottern reagieren sollen. Ist das nur eine Phase oder sollten wir einen Logopäden aufsuchen?

Malte und Anna H. aus Mitte

Tatsächlich kann zeitweises Stottern bei Kindern in diesem Alter als normal betrachtet werden. Gerade wenn Kinder schnell oder aufgeregt etwas sagen möchten, kann es sein, dass sie schneller denken als Wörter bilden können. Stottern kann ein Zeichen von Stress oder Aufregung sein, aber nicht unbedingt im negativen Sinne. Vielleicht hat Ihre Tochter in den Ferien sehr viel Aufregendes erlebt und ein großes Bedürfnis Ihnen das Erlebte möglichst "schnell" mitzuteilen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sie sich beim Sprechen beeilt und so ins Stottern gerät.

Setzen Sie sich und Ihrer Tochter, auch mit Blick auf die baldige Einschulung, nicht zu sehr unter Druck. Das Sprechen Ihrer Tochter muss noch nicht perfekt sein und darf auch Stottern beinhalten. Sie können Ihre Tochter unterstützen: Lassen Sie sie das zu sagen, was sie sagen möchte.

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Gespräche mit ihr und machen Sie sich frei von dem Gedanken, dass Ihr Kind alles "stotter-frei" sagen muss. Lassen Sie Ihrer Tochter in diesen Gesprächen die Zeit, das Gedachte in Worte zu fassen. Vermeiden Sie es, Sätze, die sie noch nicht richtig spricht ständig zu ergänzen oder an ihrer Stelle zu formulieren. Es kann auch helfen, wenn Sie nicht zu viele Fragen auf einmal stellen. Oftmals beeilen sich die Kinder, sofort und ganz schnell auf alle Fragen zu antworten. Seien Sie Ihrem Kind auch ein Vorbild. Sprechen Sie langsam und deutlich. Nicht hilfreich sind Sätze, wie z.B. "Sprich nicht so schnell!" oder "Denk bevor du sprichst!" Damit entmutigen Sie Ihr Kind.

Falls Sie sich Sorgen wegen der Einschulung machen, gehen Sie offen mit dem Thema um. Sprechen sie noch in der Kita mit den Erzieherinnen. Reden Sie über die Situation zu Hause und Ihre Besorgnis. Wurde das Stottern auch in der Kita beobachtet? Geht das Stottern nach einem halben Jahr nicht zurück, dann suchen Sie sich in jedem Fall therapeutische Unterstützung. Infos finden Sie unter www.stottern-in-berlin.de oder www.bvss.de.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)

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