Wenn Kinder ihren Eltern Noten geben

Quatsch machen: Mangelhaft

Heute bekommen Berliner Schüler Zeugnisse. Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn Kinder ihren Eltern Noten geben?

- Deutsch: sehr gut? Mathe: nur ausreichend? Die Sommerferien stehen vor der Tür, doch eine Hürde gibt es für die Schulkinder noch zu nehmen: die Zeugnisausgabe. Vielleicht fällt nicht jede Note glänzend aus. Aber bevor Sie, liebe Eltern, anfangen zu nörgeln: Wie sieht es eigentlich mit Ihren Leistungen aus? Wie zufrieden sind die Kinder mit ihren Müttern und Vätern? Wir haben nachgefragt und einmal Kinder gebeten, ihren Eltern Zeugnisse auszustellen - in den Fächern, die für den Nachwuchs wichtig sind: wie Spielen und Sport treiben, Kochen, bei Schularbeiten helfen, Fahrdienste, Styling oder Vorbild sein. Hier die überraschenden, rührenden und immer ehrlichen Ergebnisse.

Shayla (7) benotet ihren Vater Arne Reiter (36):

Shayla (7) hat selbst noch nie Noten bekommen, nur eine schriftliche Beurteilung. Doch weiß sie schon ziemlich gut, was die Zahlen bedeuten, und benotet ihren Vater mit sicherem Gespür. Im "Vorlesen" gibt es eine 3, im "Kochen" eine 4 und im "Quatsch machen" sogar nur eine 5. Arne Reiter schaut entsetzt. "Papa, diese Sachen machst du gut, aber viel zu selten", begründet Shayla ihr strenges Urteil. "Sie hat recht, das ist eine ehrliche Einschätzung", muss Arne Reiter zugeben. Er ist fest entschlossen, sich zu bessern: "Vor allem die 5 in 'Quatsch machen' muss weg. Und ich fürchte, ich muss kochen..." Shayla weiß auch schon, was: ihr Lieblingsessen, Eierkuchen mit Zucker und Zimt. "Oh je", meint Arne Reiter und schaut Hilfe suchend zu seiner Frau, die sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. "Hoffentlich haben wir dafür ein Rezept." Shayla freut sich schon über den guten Vorsatz und sagt: "Papa, ich finde dich toll!"

Lea (9) schreibt Zeugnisse für ihre Mutter Corinna Lindbach (43) und ihren Vater Jochen Lindbach (46):

Corinna Lindbach sieht gelassen zu, wie ihre Tochter Lea das Zeugnis ausfüllt. "Im Alter von neun Jahren sind die Kinder noch milde gestimmt", hofft sie und vermutet: "Bei Leas elfjährigem Bruder Roman würde die Beurteilung bestimmt kritischer ausfallen." Die 43-Jährige wird nicht enttäuscht: Ihr Zeugnis ist hervorragend und enthält nichts als Einsen. "Ich finde meine Mutter klasse", sagt Lea, die selbst im letzten Zeugnis fast nur mit "Sehr gut" beurteilt wurde. Einen Minuspunkt findet Lea dann aber doch: "Manchmal hat sie nicht so viel Zeit für uns", schreibt die Neunjährige unter "Bemerkungen". Sie wünscht sich, dass ihre Mutter mehr mit ihr spielt, zum Beispiel Fangen. Mutig lässt sich auch Vater Jochen Lindbach (46) ein Zeugnis ausstellen. Ergebnis: ebenfalls lauter Einsen. Das überrascht ihn: Bei "Kochen" hätte er mit einer 2- gerechnet und bei "Geschenken" mit einem Tadel: "Davon gibt es doch nie genug!" "Manchmal schimpft er mit uns", merkt Lea bei ihrem Vater an. Doch sie gibt zu: "Na ja, er hat ja auch recht - meistens jedenfalls."

Jonas (7) bewertet seine Mutter Kathrin Gräbert (35):

"Ich hab' keine Angst, Jonas und ich verstehen uns gut", sagt Kathrin Gräbert, während ihr Sohn gewissenhaft das Zeugnis ausfüllt. "Am besten werde ich wohl beim Kochen abschneiden, denn das mache ich gern. Im Quatsch machen bin ich dafür vielleicht nicht so gut." Mit ihrer Einschätzung liegt die Mutter richtig. Im Fach "Kochen" bekommt sie eine 1+, "weil die Fischstäbchen und der Griesbrei so lecker sind", sagt Jonas. "Quatsch macht meine Mutter aber gar nicht und auch keinen Sport. Ich würde mir wünschen, dass sie mal mit mir rennt, Fußball oder Ball über die Schnur spielt." Mit den Fahrdiensten, dem Spielfaktor und den Geschenken seiner Mutter ist Jonas dagegen sehr zufrieden. "Das schönste Geschenk kommt allerdings noch", sagt der Siebenjährige. In ein paar Tagen hat er Geburtstag, "und da bekomme ich einen Nintendo DS. Hoffentlich."

Niklas (10) stellt seiner Mutter Petra Hanysz (33) ein Zeugnis aus:

Niklas tut sich schwer damit, das Zeugnis für seine Mutter auszufüllen - vor allem, weil sie ihm dabei neugierig über die Schulter schaut. Beeinflussen lässt sich der Zehnjährige aber nicht. Ein "gutes" Vorbild sei seine Mutter, findet er, und bei "Fahrdiensten" sogar überragend: Da gibt es eine 1+. Das Fach "Vorlesen" benotet er dagegen nur mit "ausreichend". Obwohl er schon längst selbst lesen kann, würde er gern hin und wieder noch mal mit seiner Mutter schmökern, so wie früher vor dem Einschlafen. Mutter Petra Hanysz ist mit ihrem Zeugnis zufrieden. Nur die 2+ im Fach "Styling" wurmt sie: "Da hätte ich gern eine Eins!" Sie solle ihre Haare öfters mal anders tragen, regt Niklas an, sonst sähe sie schon prima aus. Das größte Kompliment macht Niklas seiner Mutter allerdings unter Bemerkungen: "Sie hat wenig Zeit", schreibt Niklas, "aber sie nimmt sich Zeit für mich."

Cora (7) schreibt ein Elternzeugnis für ihre Mutter Ellen Dauert (48):

Ellen Dauert hat schon viele Zeugnisausgaben überstanden: Sie hat zwei große Kinder, 29 und 26 Jahre alt, und Nachzügler Cora (7). Ein Elternzeugnis hat sie allerdings noch nie bekommen. "Boah, ist das schwer, das kann ich nicht", stöhnt Cora beim Ausfüllen. Ihre Mutter ermutigt sie weiterzumachen: Jetzt will sie es wissen. Über die Note 2 bei "Sport" staunt Ellen Dauert: "Da hätte ich mir eine Fünf gegeben." Doch sie weiß ihre Leistungen gut auszugleichen, zum Beispiel mit Spielen: "Cora und ich spielen gern Karten, Gesellschaftsspiele oder malen zusammen." Bei Fahrdiensten bekommt Ellen Dauert eine 3. "Mama kann nicht Auto fahren, dabei ist das so bequem", begründet Cora die Note. "Mit Mama fahre ich Bus oder Fahrrad." Coras Bemerkungen sind sehr konkret: "Ich mag wieder ins Kino", wünscht sie sich. Sie hat es sehr genossen, neulich mit Mama "Rapunzel - neu verföhnt" zu gucken.