Mamas & Papas

Kindergeburtstag im Kinosaal

| Lesedauer: 3 Minuten
Susanne Leinemann

Selbst schuld. Wie konnte ich nur so naiv sein? Ich hatte die Wucht einfach unterschätzt - mit einer Horde von 13 Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren ins Kino zu gehen.

Der Film: "Hanni und Nanni 2". Ein Selbstläufer, dachte ich vorher. Was für eine Fehleinschätzung.

Eigentlich wollten wir ja zu zweit den Geburtstag unserer Tochter begleiten - mein Mann und ich. Doch der führt dieses Jahr keinen Terminkalender, was ständig dazu führt, dass er Tage doppelt belegt. Gefühlte 48 Stunden vorher teilte er mit, dass er beruflich nach Brandenburg müsse. Daran war nichts zu ändern. Die Oma konnte den Yoga-Kurs nicht verlegen, meine beste Freundin war unterwegs. Egal. Ich war überzeugt, dass ich trotzdem alles im Griff habe. "Schaffst du das wirklich alleine?", fragte mein Mann besorgt. "Klar", sagte ich.

Im Kinosaal fingen die Probleme an. Wir besuchten ein Programmkino ohne Sitzplatzreservierung. Der Saal war leer, das sonnige Wetter lud nicht gerade ins Kino ein. Weil die Kinoeinlasserin jede Karte feinsäuberlich einzeln abreißen musste ("Das ist jetzt so Vorschrift!"), liefen die Mädels schon voraus. Und was fand ich vor, als ich den Saal betrat - die eine Gruppe saß ganz vorne, in der allerersten Reihe. Die andere Gruppe ganz hinten, direkt unter dem Projektor. Und eine dritte Gruppe lungerte unentschlossen in der Mitte. "Das ist ein Geburtstag, wir sitzen alle zusammen", bestimmte ich. Ich bin ja schließlich die Erwachsene. Unter Murren hockten sich die Mädchen in eine Reihe. Eine von ihnen war so wütend, dass sie sich wegsetzte - ganz rechts ans Ende der Reihe. Leider, musste ich feststellen, ist sie so eine Art Bienenkönigin. Das ganze soziale Gefüge neigte sich also nach rechts. Die Bienenkönigin stachelte einen Putsch gegen die ungeliebte Sitzordnung an. "Der Film hat ja noch nicht angefangen. Kommt, wir spielen fangen!" Alle sprangen plötzlich auf und rannten zwischen den Reihen umher. Ich wurde laut: entweder setzen oder wir gehen. Der Kinobesitzer, auch herbeigeeilt, dankte mir für die klaren Worte. Ich hätte mich am liebsten weggebeamt.

Für den Film hatte ich nur ein halbes Auge, die Geburtstagsgesellschaft war ständig in Bewegung - die einen gingen aufs Klo, andere hockten sich in den Gang. Es gab Streit ums Popcorn. Immer wieder zählte ich im Dunkeln die Köpfe der Mädchen. Bloß alle heil nach Hause bringen!

Über den Rückweg in der U-Bahn will ich gar nicht reden. Nur so viel: Ein Männerschrank sprach mich an, gegelte Haare, Hintergrund vermutlich Ex-Jugoslawien. "Sind Sie die Lehrerin?", fragte er ruppig. Ich war zu müde, um zu verneinen. "Das haben Sie ja toll hingekriegt mit der Erziehung. Glückwunsch!", raunzte er mich an, während sich gerade sieben der Mädchen lachend an der Mittelstange der U-Bahn drehten. Ich vermute, der Geburtstag war ein Erfolg. Irgendwie.

Nächste Woche schreibt hier wieder Hajo Schumacher.